Wie es ist, ein Tisch zu sein

Balbina und Maeckes sind bekannt für Songtextzeilen, die sich Teenies wie Erwachsene in Unterarme ritzen oder als gerahmte Poesie an die Wand nageln.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Mittelfingermentalität sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden!
Sie haben einen Song zusammen gemacht, der „Tisch“ heißt und so geht:

Ich steh zwischen den Stühlen wie ein Tisch
Ich weiß nicht, was ich will! Ich weiß nicht, was ich will!

Damit spricht mir das Lied schlicht aus der Seele. Wo diese Seele in mir liegt, weiß ich nicht, kein Wissenschaftler weiß das. Früher habe ich gedacht, ich weiß was ich will. Nur halt nicht immer, wie es bekomme.

Heute bin ich mir auch da unsicher. Überhaupt denke ich, Unsicherheit prägt mein momentanes Sein. Ich freue mich darüber, klar, finde die Spontanität toll, die aus dem fehlenden festen Plan entsteht. Anderseits: rede ich mir das gerne ein. Um die Unsicherheit einzudämmen.

Schreiben oder Sein?
In der Tat schreibe ich gerne. Das klingt so eindeutig aus meinem Mund. Dabei hasse ich das Schreiben ebenso wie es liebe. Weil es wehtut. Körperlich, weil die Schreiberkrankheit Schulterschmerz kein Klischee ist und geistig, weil kein Text je den eigenen Ansprüchen genügt. Finanziell, weil mich von vier Magazinen nur eins bezahlt.

Wer schreibt und sein Handwerk gelernt hat, ist im Flow. Wer schreibt, und sein Handwerk noch nicht gelernt hat, ist im Kriegszustand. Ihr dürft raten, wo ich mich befinde: Irgendwo dazwischen, im Schwebezustand. Im Schwebezustand bleibt mir das menschengrößte Glück verwehrt: das Sein. Einfach nur sein.

Kolumne hin oder her
Letzte Woche wollte ich nicht mehr. Mein Ideenreichtum für die eigene ehrenamtliche wöchentliche Kolumne war erschöpft. Jedes Mal hingegen, wo ich mich hingesetzt habe, um der Redaktion von BerlinImPuls mein Scheitern zu offenbaren, hat mir mein Gehirn ein Thema rausgehauen, über das ich texten könnte.

Ich könnte die Themen hier platzieren. Oder eben nicht. Ich kann ja auf eine handvoll Magazine zurückgreifen und woher soll ich wissen, wem ich diesen Text dann zuspiele, mein Baby, für das Zeit und Kopf und Geld und Muse draufgeht?

Am Anfang schon das Ende in Sicht haben
Ich weiß gerade nicht, wie ich diese Kolumne beenden soll. Ich sehe eine Notwendigkeit in meinem Beitrag, weiß trotzdem nicht, ob er sinnstiftend ist für meine LeserInnen. Überhaupt fällt es mir schwer, endgültige Entscheidungen zu treffen.

Maeckes hat da einen schönen Verse draus gemacht:

Entscheidungen machen mir so Probleme
Ich hab dafür eine Motorsäge
Streif durch die Wälder einer einsamen Welt
Lass sie an – jetzt werden Entscheidungen gefällt!

Kolumne, ich werde dich in guter Erinnerung behalten
Ich treffe heute die Entscheidung, weitere Kolumnen zu vertagen. Ich habe gelernt, wie umfangreich es ist, sich eine Meinung zu bilden. Mir hängt das Wort ich in meinen Texten zum Hals raus. Genau das war insgeheim das Ziel dieser Kolumne. Jetzt bin ich bereit, Leuten zuzuhören. Mich interessieren ihre Sicht der Dinge ebenso sehr wie meine. Ich kann die Selbstbehauptung zu Hause lassen.

BerlinImPuls bleibe ich erhalten
Als Moderatorin, die gerne redet. Als Reporterin, die gerne berichtet. Als Neugierige, die richtige Fragen stellt. Und nach etlichen Experimenten und dem erprobten Ausschlussverfahren weiß ich nun, dass die Kolumne nicht meine Sparte im Journalismus ist. Bleibt die Aufgabe, noch die Tendenz zum Interview, zur Reportage, zur Nachricht, zur Moderation auszusieben.

Ich hoffe, ihr habt mit diesen wöchentlichen Gedankenergüssen ebenso viel gewonnen wie ich. Ich hoffe, ihr bleibt mir auf meiner Selbstfindung treu.

Danke für eure Kommentare zur Kolumne, eure Komplimente Angesicht zu Angesicht, eure Mails und Themenvorschläge, eure Kritik und euer Lob und eure LOYALITÄT.

Wir sehen, hören, schreiben uns weiterhin.

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