Warum Sonntagseier böse sind, Käse aber toll! 1 Monat vegan leben!

 

Ein Jahr lang kein Fleisch, jegliche Diäten- sei es mit Almased-Pulver angerührter Kakao zum Abendessen, keine Süßigkeiten mehr oder eine Woche lang Kohlsuppe! Ich habe schon alles ausprobiert um dünner, vitaler oder einfach fitter zu werden. Seit ich gut kochen und für mich alleine sorgen kann, achte ich auf meine Ernährung und versuche auf Ungesundes zu verzichten. Das einzige woran es sich noch zu wagen galt, war das Leben als Veganer! Im Wissen diszipliniert und beharrlich zu sein, nahm ich mir also vor, den gesamten Januar des neuen Jahres 2013 auf tierische Produkte zu verzichten…

Der neue Kühlschrank-Inhalt

Ich leerte den Kühlschrank und sattelte um auf Paprika-, Tomaten- und Pilzpasten als Brotaufstrich, kaufte Tofu und Gemüse-Bratlinge und ganz viel Obst und Gemüse. Erfreut stellte ich fest, dass ich weiterhin Nudeln mit Tomatensoße essen konnte. Aufgepeppt mit Artischocken, Rucolasalat oder Kapern konnte dieses Gericht immer wieder variiert werden. Auch Nudelsalat oder Reis mit asiatischem Gemüse in Kokosnussmilch ließen sich leicht zubereiten. Die erste Hürde stellte sich als der Geburtstag meiner Freundin heraus, bei dem ein Buffet voller Milchprodukte, Fisch und Fleisch serviert sowie die leckersten Torten und Kuchen aufgefahren wurden. Mir fiel es sehr schwer bei dem Anblick dieser Herrlichkeiten auf einem Margarine-Brot mit Tomaten herum zu kauen und fühlte mich nach einem Haufen Chips mehr als schlecht. Dessen ungeachtet ging diese Folter schnell vorüber und ich lernte mit der Zeit immer mehr Produkte kennen, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie Tierisches enthalten. Angefangen mit weißen Brötchen und Eiernudeln bis zu pflanzlichen Aufstrichen. Schadenfroh wurde ich nämlich nach einer Woche veganem Lebens von Freundinnen darauf hingewiesen, dass in meinem Tomatenaufstrich Honig enthalten ist! Erbost warf ich diesen sündhaft teuren Genuss in den Mülleimer! Zudem bemerkte ich viel zu spät, dass die Margarine die wir immer kaufen, Joghurt enthält. Auch meine heiße Zitrone im Café war viel zu sauer um sie ohne Honig trinken zu können. Der Zucker den ich stattdessen hinein löffelte, machte mir ein furchtbar schlechtes Gewissen. Schwarzer Kaffee hing mir bald zum Hals raus und die Massen an Tee konnten mich auch nicht aufheitern.

Immer wieder: Diskussionen!

Viel zu oft wurden mir Leckereien angeboten und mit einem mitleidigen Blick wieder entzogen: „Achja, du lebst ja vegan. Das hatte ich ganz vergessen!“. Immer wieder führte ich einige „Fleisch ist nicht alles“-Debatten mit männlichen Freunden, welche ich erst damit milde stimmen konnte, dass ich im Februar wieder damit aufhören wollte. Interessant war es, dass viele gar nicht wissen, dass man als Veganer auch keinen Honig, keine Milch und keine Eier isst. Es war immer wieder schwierig zu erklären, warum diese E

rzeugnisse, welche ja kein Leiden verursacht haben, nicht gegessen werden dürfen. Das einzige was mir dazu einfiel war das Argument, dass den Kühen, Hühnern und Bienen die Milch oder die Nahrung für den Nachwuchs genommen wird und vor Allem das die potentiellen Kinder als Sonntagseier verspeist werden. Diese Versuche der Rechtfertigung ernteten bloß spöttisches Grinsen und mein hinterher geworfenes Argument „Gott hat das so bestimmt nicht gewollt“ ließ die mir Gegenüberstehenden kalt. Im Gegenteil wiesen diese prustend daraufhin, dass ich doch Atheistin sei. Somit gab ich es bald auf, meine vegane Ernährung rechtfertigen zu wollen. Es ging mir nach einiger Zeit auf die Nerven in jedem Restaurant und Café penibel nach den verwendeten Zutaten zu fragen und vegane Gerichte zu finden. Mit einem unschlagbaren Lächeln im Gesicht und einer zuckersüßen Stimme bezirzte ich all die Verkäufer und Kellner um es nicht zu riskieren, doch Parmesan auf meinem Salat zu finden.

Ein Hoch auf Soja!

Bald machte es mir jedoch auch Spaß immer neue Alternativen im Supermarkt zu entdecken: Vanille-Soja-Joghurt mit Früchten bildet heute noch meinen allabendliches Dessert, Chilinudeln mit Tofu sind eine Delikatesse, Soja-Salami schmeckt widerlich und Gemüse-Bratlinge schmecken wiederum fantastisch. Eines Tages durfte ich erleben, dass man Gleichgesinnte schnell auf sich aufmerksam machen kann, wenn man denn nur einen verdächtigen Einkauf auf das Laufband legt. Meinen Soja-Joghurt, ein paar Bananen, Tomaten, Salat und Gemüseecken einkaufend wurde ich von einem Studenten angesprochen und befand mich Sekunden später in einem hitzigen Austausch über vegane Esserfahrungen. An der Kasse angekommen flüchtete ich jedoch nach dem Bezahlen, da ich mir nicht sicher war, ob dieses Gespräch vertieft werden sollte.

Positiv überrascht hat es mich, dass manche Bäckereien Inhaltstafeln führen, auf denen man selbst herausfinden kann, was man zu sich nimmt und auch das es das ein oder andere vegane Café in Berlin gibt, in denen leckere Kuchen und Latte Macchiatos mit Soja-Milch angeboten werden. Auch der Fressneid auf leckere Sahnesoßen in den Töpfen meiner Mitbewohnerin oder aber Schokoladenriegel in den Händen meiner Freunde ließ langsam nach und ich wurde immer stolzer darauf solange durchzuhalten. Das vegane Leben zu Hause stellte sich als leichter als gedacht heraus und nur in der Außenwelt hatte ich das ein oder andere Mal mit mir selbst oder mit anderen zu kämpfen. Ich gewöhnte mich bald an diese Ernährung, zählte aber trotzdem heimlich die Tage bis zum Ende des Monats.

Vegan leben auf Dauer?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich ohnehin gerne Pasten, Gemüse, Obst und Tofu esse und daher auch noch weiterhin vegan leben könnte. Gerade weil ich nun weiß, in welchen Produkten Ei enthalten ist und in welchen nicht. Dennoch hatte ich oft das Gefühl mich unausgeglichen zu ernähren und ich halte es für Schwachsinn diesen Lebensstil ohne die richtige Überzeugung durchzuziehen. Ich bin nun mal kein Gegner von Fleischessern und Leder tragenden Menschen- ich liebe Fisch, Hühnchen und Käse und wüsste nicht, warum ich darauf verzichten sollte. Wichtig ist es, zu versuchen Bio-Fleisch und Eier zu kaufen, wenn es der Geldbeutel erlaubt und in Maßen zu genießen. Aber nein danke, ausschließlich vegan leben ist nichts für mich! Trotzdem empfehle ich den Versuch weiter, da ich viele interessante Erfahrungen gemacht habe und nun bewusster mit meinem Milchprodukte-Konsum umgehe!

Nun denn, jedem das Seine- ich habe Lust auf Käse und Wurst 😉

Eure Bip-Reporterin Lilly

 

One thought on “Warum Sonntagseier böse sind, Käse aber toll! 1 Monat vegan leben!

  1. „Es war immer wieder schwierig zu erklären, warum diese Erzeugnisse, welche ja kein Leiden verursacht haben, nicht gegessen werden dürfen.“
    Genau, die männlichen Küken, die aussortiert, vegast und zerschreddert werden, weil sie ja keine Eier legen, haben bestimmt nicht gelitten. Genauso wie die Milchkühe, die jedes Jahr schwanger werden müssen, denen ihr Kalb nach kürzester Zeit entrissen wird, nur damit sie weiter Milch geben, die leiden sicher auch nicht.
    Infos für Gründe zur veganen Lebensweise findet man doch überall im Netz!
    Hier zum Beispiel:
    http://www.peta2.de/web/10gruende.1200.html

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