Vorweihnachtszeit in Finnland…

Der Weihnachtsmann ist keine Erfindung von CocaCola, sondern eine aus Finnland… Wie also wird man im Lande des Weihnachtsmannes auf Weihnachten eingestellt? Nun, um es vorweg zu nehmen, nicht so gut wie in Deutschland.
Denn die Deutschen sind die Weltmeister in der Vorweihnachtsstimmung. Auch wenn jetzt die Konsumkritiker wieder aufmucken: „Ja, aber das auch nur weil die Konzerne uns mit Weihnachtsspots drauf einstimmen und alles Verweihnachtet wird“. Durchaus richtig, deutsche Vorweihnachtszeit ist unglaublich konsumorientiert (z.B. Weihnachtsmarkt), verbunden mit einer Handvoll Traditionen für die ganze Familie.
Das mag jetzt mürrisch und knapp bringen, aber weil es jetzt nicht um Deutschland gehen soll, wollte ich mich auf das wesentliche konzentrieren. Soll am Ende nicht heißen, dass ich die Vorweihnachtszeit gerade in Deutschland nicht von ganzem Herzen liebe! Wirklich!
Die Finnen können den Deutschen in Sachen Vorweihnachtszeit auch nicht wirklich das Handtuch reichen, wir Deutschen sind einfach ungeschlagen. Obwohl die Finnen von Natur aus einen großen Vorteil haben: Schnee! Im Norden mehr, im Süden weniger. Aber immer mit Garantie.
Hier in Helsinki hatte ich diesen Winter zweimal deutschen Winter. Ich habe mich total gefreut, bis mich die Finnen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben und meinten: Öhm, das war noch kein Winter. Das war ein bisschen Schnee. Winter gibt es schon im Norden – und mit Norden meine ich alles nördlich von Helsinki und ungefähr 100 Kilometer von der Küste entfernt. Denn da liegt schon sehr sehr viel Schnee und der Weg zur Schule wird auf Skiern zurückgelegt. Klingt komisch, ist aber so. Weckt einen am Morgen wohl auch gleich auf, was besonders wichtig ist, weil man hier ja kaum noch Sonne hat.

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Aber ja, wie bekommen die Finnen sonst noch Weihnachtslust? Im Prinzip kann man das auf Sachen runterbrechen: Musik, Kerzen und Pikkujoulut.
1. Musik

Die Finnen lieben Weihnachtslieder und man hat im großen und ganzen die Auswahl zwischen finnischen, US-Amerikanischen und deutschen Weihnachtsliedern. Aber alle sind ins Finnische übersetzt.
Das interessante ist, man erkennt auf Anhieb welchen Ursprung ein Lied hat. Das deutsche Lied ist das ruhige, gesetzte Lied – nicht zu schnell und niemals aufregend; das amerikanische ist das mit der guten Laune und dem kitschigen Text; und das Finnische ist das mit der fröhlichen Melodie und dem verstörenden Text…
Glaubt ihr mir nicht? Gut, es gibt eine einfache Faustformel, auf die sich finnische Weihnachtslieder herunterrechnen lassen: Fröhlicher Part – komm und tanz mit mir – Warum? – Weil das Leben ist kurz und deprimierend. Wobei der Part mit dem kurz und deprimierend hin und wieder ausgetauscht wird gegen: Wir sterben eh… Meine (Gast) Eltern suchen immer noch nach Gegenbeispielen…
Aber um die gute Laune zurückzuholen, haben die Finnen während der Weihnachtszeit einen eigenen Radiosender, der nonstop und 24 Stunden am Stück Weihnachtslieder spielt… Zwei Sachen sind mir dabei aufgefallen: Die Finnen lieben diesen Radiosender (und die deutschen Beschweren sich, dass zweimal am Tag Wham gespielt wird) und das auf diesem Sender noch nicht ein einziges Mal Last Christmas gespielt wurde…
2. Kerzen
Überall stehen Kerzen rum und leuchten so vor sich hin. Und zwar seit dem 6. Dezember – dem finnischen Unabhängigkeitstag (von dem sich die Amis übrigens mal eine gehörige Scheibe abschneiden können). Denn am Unabhängigkeitstag vor 97. Jahren hat man sich mit Kerzen mitgeteilt, dass man vom russischen Reich losgelöst ist und unabhängig ist. Deswegen stellt man sich jedes Jahr zum 6. Dezember zwei Kerzen ins Fenster.
Danach stehen eigentlich immer überall irgendwo Kerzen, sogar in der Schulkantine stehen plötzlich Kerzen auf dem Tisch (wenn das in Deutschland passieren würde…). Klar, Finnland ist im Winter mega dunkel – in Landesteilen im Norden geht die Sonne für eine Weile überhaupt nicht mehr auf – also stellt man sich als Tradition gegen die Dunkelheit Kerzen ins Fenster und hat quasi ständig Feuer im Kamin. Und einen Kamin hat hier wirklich jedes Haus und fast jede Wohnung.
Aber klar, das spendet Wärme und Licht und was will man in einem kalten finnischen Winter mehr?

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3. Pikkujoulut
Ich denke, dass ist selbsterklärend.
Ne, ist nicht?
Na gut: Pikkujoulut heißt wortwörtlich übersetzt: Kleines Weihnachten und kann ins deutsche mit dem wunderschönen Wort „Betriebsweihnachtsfeier“ übersetzt werden. Wenn ich das Wort schon höre, kommen in mir Bürokratie- und Stromberg-Bilder in den Kopf…
Jedenfalls gibt es zwei Arten von Pikkujoulut: Den Schulpikkujoulut und den Rest. Der Schulpikkujoulut ist kleines Fest und von Schule zu Schule unterschiedlich und beinhaltet überlicherweise die Koulukirkko – den Besuch der Kirche (wenn man nicht in die Kirche möchte, macht man irgendwas in der Schule unter Aufsicht des Lehrers) und ein Weihnachtsmittag. Das besteht aus richtig gutem Essen (inklusive dem typisch finnischen Weihnachtsschinken) und Glögi (finnischer Glühwein ohne Alkohol). Alles ganz lieb und brav und echt entspannt, denn wirklich alle und jeder haben gute Laune.
Jeder andere Pikkujoulut ist wohl nur eine Absturzfeier, bei der alles mit Geschenke verteilen beginnt und mit auf den Tischen tanzen endet. Aber das ist nur, was ich gehört habe – darüber kann ich euch keinerlei Auskünfte geben!

Ach ja, und die Finnen lieben Weihnachtskarten. Meine (Gast) Eltern haben über hundert Karten dieses Jahr geschrieben, denn Finnen schreiben wirklich jedem Freund und jedem Familienmitglied eine Karte… Aber das nur nebenbei…

Aber jetzt muss ich alle unsere Karten unterschreiben, die sind eh alle schon viel zu spät dran. In diesem Sinne bis zum nächsten Mal – moikka!

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Ach so, und nur um euch zu ärgern: Ich werde (Auch in Helsinki) wahrscheinlich weiße Weihnachten haben…

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