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Die Alternative der Woche! mit Sue

Wenn man bei Sue ein Indiz für deutsche Musik suchen möchte, kann sich das schon als Herausforderung erweisen:

Die vier Herren aus Hamburg machen es einem nämlich nicht gerade leicht, sie in die typischen deutschen Schubladen wie Hamburger Schule, Krautrock oder einfachem deutschen Indie-Rock einzuordnen, ergeben aber eine schöne Mischung aus allem – dank kühler Stimmen á la Django Django, elektronischen bits and pieces in Songs wie „You“ und Piano Pop, der Kristoffer Ragnstam alle Konkurrenz machen könnte.

Im August dieses Jahres erschien nun drei Jahre nach ihrem Debüt ihr zweites Album „YOU“, in dem Sue einen Hauch von Miike Snow und ironisch essentielle Gespräche über Schuhe vereinen.

Sue wird wohl leider meine letzte Alternative der Woche für euch sein, zumindest auf berlinimpuls. Denn aus der deutschen Hauptstadt hat es mich nach London verschlagen, meine Leidenschaft für Musik blieb aber trotz der kulturellen Umstellung glücklicherweise gleich. Jeder england- oder musikbegeisterte Leser ist auf meinem nun ganz eigenen Blog herzlich willkommen! http://rysmusic.tumblr.com/

Cheers,

Jasmin

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Die Alternative der Woche! mit Lucy Rose

London, Marylebone Station – ein hageres Mädchen klettert aus dem Zug. Ihr blondrotes Haar verdeckt leicht die schüchternen Rehaugen, mit denen sie sich in der riesigen Halle umblickt. Sie wirkt ein wenig verloren, während sie mit einer Hand den Griff eines Gitarrenkastens umklammert.
So ungefähr muss es ausgesehen haben, als Lucy Rose Parton sich aus ihrer Heimat Warwickshire aufmachte und in London ihren großen Durchbruch suchte.

London – Olympiastadt, Stadt des skurrilen Humors, aber vor allem der Dreh und Angelpunkt für musikalische Talente und kreative Köpfe. Doch sie ist eine von vielen, wirklich vielen unter ihnen, und man weiß in der britischen Hauptstadt nur zu gut: einzig wer schnell genug ist, seine Chancen nutzt und Kontakte knüpft, schafft es mit Glück irgendwie unter Umständen, Teil von Londons pulsierender Musikszene zu werden.
Die Vorraussetzungen sind gut, und der Ehrgeiz erst recht da: auf dem heimischen Klavier komponiert sie früh erste Stücke, als Teenie kauft sie sich eine Gitarre und flott hat sie mit 16 schon die ersten Stücke fertig, welche die schüchterne Engländerin aber bis dahin kaum jemanden hören lässt.
Erst auf Open-Mic Veranstaltungen offenbart sie ihr Talent und ihren sensiblen Indie-Folk Pop á la Joni Mitchell der breiteren Öffentlichkeit: mithilfe ihrer zarten Stimme und einer Gitarre, zu der sie eine intensive Busenfreundschaft pflegt. Es könnte gar nicht besser kommen, als sie auch noch auf Jack Steadman trifft, Frontmann der britischen Indie-Rocker „Bombay Bicycle Club“.

Ihr fragt euch, was danach kam?
Eine gemeinsame Single („Flaws“), ein Dutzend eigene Tracks, die Mitwirkung am dritten Bombay Bicycle Club Album „A Different Kind Of Fix“, die eigene Band, sogar eine eigene Teesorte! Ja, ihr habt richtig gehört: ‚Builder Grey‘ ist eine von Lucy Rose entwickelte Teesorte (2 part english breakfast tea:1 part Earl Grey).
Die Vogue jedenfalls hält sie für „one of indie music’s breakout stars for 2012“, wovon sich die meisten am 24. September selbst überzeugen können – dann nämlich erscheint ihr Debütalbum „Like I Used To“.

klingt für mich nach… hauchfeinem, subtilem Folk für das Indie-Ohr

würde sich gut verstehen mit… Feist, Noah and The Whale, Mumford & Sons

am besten zu hören… bei typischem Londoner Regenwetter und einer Tasse ‚Builder Tea‘

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Die Alternative der Woche! mit San Cisco

Da geben sich San Cisco schon alle Mühe, ihr Musikvideo möglichst innovativ zu gestalten, ein wenig Kritik an den Mann zu bringen und Multitasking-Drumming zu betreiben. Und das einzige, worüber sich in Youtube-Video Kommentaren aufgeregt wird, sind Skinny Jeans! Höchstwahrscheinlich die des Gitarristen auf 00:18 Minuten…

Obwohl solche Tweets amüsant zu lesen sind, sollte man die vier Australier nicht unterschätzen. Jordi Davieson, Josh Biondillo, Nick Gardner und Scarlett Stevens, die sich schon aus Highschoolzeiten kennen, sind nicht nur „Just another Indie-Band“, sonst wären sie kaum so schnell die Erfolgsleiter hochgeklettert.
Bei ihrem eingängigen Indie-Pop Track „Awkward“ setzen sie auf das unterschätzte Weniger-Ist-Mehr Prinzip: schlichte Basslinie, eingängige Gitarrenakkorde und natürlich, der obligatorische Schellenkranz.
Doch sie können auch ganz anders. Zwischen feinem, mathematischem Uhrwerk-Pop á la Vampire Weekend über Balladen wie „Reckless“ schmeißen sie auch locker flockig ein geniales Cover der Psychadelic-Rocker Tame Impala hinterher, wobei das meiste 2010 als bunte Mischung auf ihrer ersten EP „Golden Revolver“ landet. Die breite Palette der Surfer sorgt für gute Laune und die typisch lässige Festival Stimmung – was ihnen 2011 unter anderem Auftritte in halb Australien inklusive Phillip Island sichert.

„King George“ hießen sie damals. Doch das und die Festivalauftritte des Sommers waren erst der Anfang. Sie nannten sich in „San Cisco“ um und sicherten sich ihre Weltherrschaft mit Fernsehauftritten in Neuseeland und dem Musiksender BalconyTV. Im gleichen Jahr folgt auch noch die Nominierung für den Unearthed J Award. Und beim australischen Radiosender Triple J findet sich „Awkward“ plötzlich im Hottest-100-Countdown auf Platz 7 wieder. Trotz ihrem Erfolg, vornehmlich in Down Under, haben sie ihr Nischen-Dasein als flippige Hipster nicht aufgegeben.
Und mal ehrlich, wen stören da die Skinny Jeans?

klingt für mich nach… do do do doo, do do doo do do!

würden sich gut verstehen mit… The Jungle Giants, Two Door Cinema Club, Vampire Weekend

am besten zu hören… beim Wellenreiten im hautengen Neoprenanzug

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Die Alternative der Woche! mit Hot Chip

Mit Hot Chip ist es so eine Sache. Auf der einen Seite ist da ist dieser düstere Elektro Pop, der sich fast so psychedelisch anhört, dass man sich schon um den Geisteszustand der fünf Londoner sorgen möchte. Aber andererseits besitzt dieser basslastige, kleinteilige, gleichzeitig auch entspannte Synthie Pop ein Suchtpotenzial wie eine Flasche Club Mate: der erste Schluck ist gewöhnungsbedürftig, aber danach kannst du einfach nicht mehr aufhören. Zwar vielleicht keine Musik mit Sofortwirkung, doch mit schweren Folgen: Meine Hot Chip-Sucht war so groß, dass ich fast mein gesamtes Erspartes für alle fünf Alben der im Jahre 2000 gegründeten Band geopfert hätte.

So ging es wahrscheinlich nicht nur mir, denn Hot Chip stürmten mit ihren letzten vier Alben die britischen Charts und wurden außerdem für den Mercury Music Prize nominiert. Naja, wenn auch noch die renomierteste britische Musikzeitschrift, das NME Magazine, ihre Single „Over and Over“ als beste Single des Jahres 2006 auszeichnet, können die Begründer und Sänger der Band Alexis Taylor und Joe Goddard mitsamt Instrumentalisten mit ihrer verschrobenen Art schonmal nichts falsch gemacht haben.

„Night And Day“ ist ihre aktuelle Single, die auf ihrem 2012 neu erschienenen Album „In Our Heads“ zu hören ist. Der vorgestellte Song „One Pure Thought“ hingegen ist etwas gemächlicher, schöner, „harmloser“ und erschien 2008 auf dem Album „Made In The Dark“.

klingt für mich nach… Musik von Hipstern für Hipster

würden sich gut verstehen mit… LCD Soundsystem, Cut Copy, Metronomy

am besten zu hören… als Hot Chip-Einstiegsdroge

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Neue Single der Elektro-Rocker von „The Gecko“!

Es gibt reichlich Neues um die vier Herren der Band „The Gecko“!
Denn als wenn ihr peppiger Elektro-Rock seit ihrem Open-Air Auftritt auf der „FluxFM-Späti Tour“ in Friedrichshain nicht sowieso schon in aller Munde wäre, brachten sie auch mit zahlreichen Auftritten in den Clubs und Bars in Berlin die Stimmung heftig zum Kochen und machten sich durch ihren Genre-Mix irgendwo zwischen The Killers und Kraftwerk viele tanzfreudige Fans.
Zwar bewiesen „The Gecko“ bereits mit ihren mitreißenden Bühnenshows ihre Qualitäten als Liveband, seit Neustem zeigt aber auch das Musikvideo zu ihrer neuen Single „All Of A Sudden“ ihre Professionalität.

Wer sich selbst davon überzeugen möchte, empfehle ich ihr nächstes Konzert auf der „Fete de la Musique“ am 21.6. in den VW Showrooms Berlin, Beginn ist um 18 Uhr.

Wenn ihr genaueres über „The Gecko“ erfahren wollt, klickt hier: „The Gecko – Energiegelandener Indie-Elektro-Dance-Rock zum Tanzbein schwingen“

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Die Alternative der Woche! mit Lykke Li

Dass die Skandinavier gute Musik machen, ist eigentlich nichts Neues: The Hives, Mando Diao, The Knife oder WhoMadeWho – sie sind allesamt Experten auf ihrem Gebiet und schipperten mit ihren Beats und Melodien vom Norden Europas durch die ganze Welt. Auch die Melodien und ungewöhnliche Percussion-Besetzung der jungen schwedischen Sängerin Lykke Li Timotej Zachrisson, auch bekannt als Lykke Li, fanden den weiten Weg bis ganz oben in die Hitlisten.

Nachdem sich Lykke Li’s erstes Album „Youth Novels“ 2008 ganze zwanzig Wochen auf Platz 3 der schwedischen Charts hielt, erreichte sie 2011 mit ihrem zweiten Albums „Wounded Rhymes“ sogar internationale Erfolge. Vielleicht lag das aber auch ein ganz kleines bisschen an der Tatsache, dass Lykke Li auf dem Soundtrack von „New Moon“ in Possibility zu hören ist.
Die Masche? Eine charismatische Persönlichkeit, eine wirklich außergewöhnliche Stimme und Melodien, die man nur ganz grob unter dem Genrebegriff Independent einordnen kann.

Der Song „I Follow Rivers“ erschien 2011 und existiert außerdem in einem, wie ich finde, großartigen Remix von The Magician. Ob nun durch die Verwendung des Songs bei der UEFA Champions League 2011/2012 oder in den vielen Clubs und Diskos weltweit, „I Follow Rivers“ ruderte in den I-Tunes Charts flott nach oben.

klingt für mich nach… der coolsten Aussprache des Wortes „Baby“, die ich bisher gehört habe…

würde sich gut verstehen mit… Oh Land, The xx, Florence + The Machine

am besten zu hören… definitiv im Club oder irgendwo, wo man ausgelassen das Tanzbein schwingen kann.

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Die Alternative der Woche! mit Team Me

Passend zum sonnigen Wetter spielt Team Me in ihrem Song „Show Me“ mit der Dangerous Flame und gibt mit ihren fröhlich hüpfenden Klaviertönen und dem ihnen hinterher hechtenden Schlagzeug den Ton an.

Dass hinter dieser Band sechs Skandinavier stehen, war aber nicht immer so, was uns schon der Name der Band verrät.
Marius Drogsås Hagen, der vor der Band bereits zwei anderen angehörte, startete Team Me eigentlich als Nebenprojekt und bewarb sich mit seinen Songs bei einem Bandcontest eines norwegischen Radiosenders. Um sich dort erfolgreich behaupten zu können, suchte er sich fünfköpfige Verstärkung, woraufhin Team Me gegründet war.
Seitdem kletterte die norwegische Indie-Pop Gruppe, wie bereits der Name ihres Albums „To The Treetops“ sagt, die Erfolgsleiter hoch. Sei es als Support auf die Bühne der Wombats, oder sei es auf Platz 1 der norwegischen I-Tunes Charts für ihre letztes Jahr erschienene selbtsbetitelte EP.

„Show Me“ stammt von dem Februar 2012 erschienenen Album „To The Treetops“.

klingt für mich nach… einem, trotz Januar erschienenen, Indie-Pop-Sommerhit

würden sich gut verstehen mit… Lukestar, Kristoffer Ragnstam, Pony the Pirate

am besten zu hören… bei einem Regen-vertreibenden Tanz in den Sommer

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Die Alternative der Woche! mit Sound Of Rum

Wenn Kate Tempest und die Musik zusammentreffen… dann kann ja nur etwas gutes dabei herauskommen.

Miss Tempest ist die Sängerin des Londoner Trios „Sound Of Rum“ und schreibt die poetischen Texte der Band, mit reichlich Poetry Slam Erfahrung im Gepäck, welche die Songs der Hip-Hop Combo mit so unglaublicher Tiefe ausstattet. Nicht schon genug des Guten, knallen Sound Of Rum auch noch atmosphärische Jazz Akkorde unter ihre Songs, die alles noch einmal abrunden.
Und das alles mit einem Repertoire nur bestehend aus Schlagzeug, Gitarre, und Kate Tempest eben.

Nun gut, Unterstützung bei der Produktion des 2011 erschienenen Albums „Balance“ gab es reichlich. Unter anderem von Dan Carey, der bereits für Hot Chip und La Roux produzierte, oder auch von John Dent (Bob Marley und PJ Harvey).
Das Ergebnis lässt sich sehen bzw. hören – viel Spaß mit „So Low“!

klingt für mich nach… der Cafeteria-Szene aus „Fame“, als alle spontan zu Kuhglocke und Instrument greifen und Rapper auf den Tischen tanzen

würden sich gut verstehen mit… A. Skillz, Dan Le Sac, Scroobius Pip

am besten zu hören… wenn man seine Rap-Fähigkeiten durch Karaoke Rappen verbessern will – man wird jämmerlich scheitern

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Die Alternative der Woche! mit We Are Augustines

Die New Yorker von We Are Augustines hatten es nicht einfach.

Erst zerbricht das erste Bandprojekt „Pela“ zweier Augustines, Billy McCarthy und Eric Sanderson, kurz nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums „Anytown Graffiti“, gerade als sie auf dem Weg nach oben waren. Sie waren damals noch zu viert unterwegs und erfreuten sich, hochgelobt von Kritikern, großer Beliebtheit, bis sie dem Druck der Musikindustrie nicht mehr standhalten konnten.
Doch Frontmann Billy McCarthy und Bassist Sanderson machen weiter. Nachdem Schlagzeuger Rob Allen gefunden war, gings unter dem Namen „We Are Augustines“ an die musikalische Fortsetzung von „Anytown Graffiti“.
Und dann folgt auch noch ein schwerer Schicksalsschlag für Frontmann McCarthy: Während der Studioaufnahmen nimmt sich sein Bruder James das Leben. Einflüsse, die auf dem ersten Album „Rise Ye Sunken Ships“ deutlich zu hören sind. In dem Song „Book Of James“ erzählt McCarthy von der psychischen Erkrankung seines Bruders, die letztlich zu dessen Selbstmord führte. Er möchte kein Mitleid heischen, aber die Tragik ist der tiefen, markanten Stimme des hartgesottenen Rockers immer noch anzuhören.

„Chapel Song“ ist eines der Prunkstücke von „Rise Ye Sunken Ships“. Der Song baut sich langsam auf und klingt, vor allem in Verbindung mit dem warmen, dramatischen Gesang McCarthys, nach einem „nein, wir geben nicht auf!“.

klingt für mich nach… einem Aufschrei McCarthys gegen die Übel der Welt. Insbesondere, wenn Mann in der Chapel sein Mädchen mit einem anderen vor den Altar treten sieht

würden sich gut verstehen mit… Fanfarlo, Interpol, Zulu Winter

am besten zu hören… bei einem emotionalen Gemisch aus guter Laune und Melancholie

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Die Alternative der Woche! mit WhoMadeWho

Ein Mann, ein Wort? Nein, bei WhoMadeWho sind es drei Worte, und drei Männer: Jeppe Kjellberg, Tomas Hoffding und Tomas Barfod sind die dänischen Hipster, die einen Albumtitel von AC/DC zu ihrem Bandnamen gemacht haben.

Sie sind es auch, die die an sich unkomplizierten Songs mit den kleinen, aber feinen Details, welche jedem Stück einen individuellen Touch verleihen, zu einem absoluten Ohrwurm machen. Disco-Pop für jeden Anlass. Kein Wunder also, dass das Trio mit ihrem im Februar erschienenen Album „Brighter“ sowohl im Club als auch bei Kritikern außerordentlich gut ankommt.

„Inside World“ – einer der besten, ja man könnte schon fast sagen, Hits der neuen Platte. Der Mix aus Pop und Dance-Punk vermischt mit aufsteigenden Basswellen zeigt, dass WhoMadeWho nicht umsonst den Ruf als „eine der meistgeschätzten Dance/Indie-Crossoverbands Europas“ haben. Auch der Wechsel zum Electro-Label „Kompakt“ hat dabei eine nicht unbedeutende Rolle gespielt. Durch ihn wurden die Dänen „brighter“ und machen nun für ein größeres Publikum Musik, ohne ihre verträumte Individualität zu verlieren.

klingt für mich nach… düsterem, aber fesselndem Disco-Sound

würde sich gut verstehen mit…
When Saints Go Machine, We Have Band, Kaspar Bjørke

am besten zu hören… wenn man nachts mal wieder mit dem Fahrrad durch Berlin kurvt

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Die Alternative der Woche! mit Casper

„Zu viele Scheißbands – zu viel Hype!“ krächzt die heisere Stimme von Rapper Casper in dem Song „Die Letzte Gang der Stadt“.

Doch von zu viel Hype kann man bei Benjamin Griffey, alias Casper, eigentlich nicht reden: es könnte wohl kaum weniger hypen um ein Ausnahmetalent wie den Halb-Amerikaner mit deutschen Wurzeln. Wieviele deutsche Rapper schaffen es schon, den Geschmack so vieler Zielgruppen außerhalb des Genres zu treffen? Kommentare wie „bin sonst echt kein Rap-Fan, aber der Casper trifft meinen Geschmack!“ sind daher nicht selten unter seinen Musikclips zu finden. Auch ich, die ich CDs deutscher Rapper ansonsten eher von mir fernzuhalten versuche, wurde casper-isiert und musste mir das Album holen.

Wahrscheinlich ist es der Mix aus allem, der dem 30-jährigen zum Erfolg half: die raue Stimme, die schönen Melodien und die gefühlvollen, poetischen Texte, weswegen er, besonders in der Deutsch-Rap Szene, oft als einfacher „Emo-Rapper“ abgetan wird. Doch die Inhalte seiner Songs sind intelligent, gut getextet und handeln vom „Hundeleben“, von der Perspektivlosigkeit der Jugend, vom Außenseitersein und der Flucht aus dem Alltagstrott.
Vieles davon hat Casper selbst erlebt und es passiert nicht selten, dass man sich beim Hören seiner Songs mit ihm identifiziert, so real klingen die Geschichten, die er es schafft in 3 Minuten unterzubringen – Melancholie und Euphorie ganz nah beieinander.

„Auf und davon“ stammt von seinem zweiten Album „XOXO“, mit dem der Rapper 2011 absolut ins Schwarze getroffen hat.

klingt für mich nach… Dymamit, das die herkömmlichen Grenzen des Hip-Hop sprengt

würde sich gut verstehen mit… Prinz Pi, Thees Uhlmann, Kollegah

am besten zu hören… bei allgemeiner Überforderung und dem Bedarf, sich intelligent abzuregen

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Die Alternative der Woche! mit Les Yeux Sans Visage

Les Yeux Sans Visage – bei den Filmspezialisten unserer Leserschaft sollte es jetzt klingeln. Hmm… War das nicht dieser Horrorfilm aus den 60ern? Ganz richtig!

„Augen Ohne Gesicht“, wie der Filmtitel ins Deutsche übersetzt heißt, ist zugleich auch der Name der dreiköpfigen Post-Punk Formation, die sich ganz prima mit Joy Division verstanden hätte. Warum die Band so heißt? Naja, Parallelen zwischen dem Namen der Band und ihrem Aussehen oder der Musik kann man vergeblich suchen. Vermutlich haben die Schweizer Jungs von Les Yeux Sans Visage auch einfach „Eyes Without A Face“ von Billy Idol gehört, während sie über ihren Bandnamen gegrübelt haben.

Auch wenn der Bandname „Augen ohne Gesicht“ erstmal einen Gruselfaktor hat, ist doch die Musik schön, wenn auch dunkel – eine Reminiszenz an Dark-Wave Bands aus den 80ern. „Oblivion“ stammt nun von ihrer neuen Platte „Tomorrow Is A Million Years“, die letzten Monat erschienen ist.

Wie findet ihr’s?

klingt für mich nach… einem verregneten Tag an einem Fenster in London

würden sich gut verstehen mit… The Sound, Joy Division, The Chameleons

am besten zu hören… wann man eben Post-Punk hört – in allen Lebenslagen

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Die Alternative der Woche! mit Miike Snow

Verzauberte Tanzschuhe, Klone mit Topfschnitt und eine Kettensägen-OP, bei der blutige Schinkenstreifen fliegen… wenn das nicht schräg ist!

Miike Snow, wohlbemerkt eine Band und kein Sänger, haben nicht nur eine Vorliebe für ausgefallene Musikvideos, bei denen man sich beim ersten Schauen denkt: „Schön! Aber was hat das denn jetzt bitte mit dem Text zu tun?“. Nein, sie bringen auch reichlich Erfahrung im Musikbusiness mit, und das hört man.

Obwohl die zwei Schweden der dreiköpfigen Formation schon als Duo Bloodshy & Avant das uns allseits bekannte „Toxic“ produzierten und mit Stars wie Madonna oder Depeche Mode zusammenarbeiteten, haben sie doch den unverwechselbaren Miike Snow-Sound geschaffen – feiner, harmonischer und extrem tanzbarer Electro Pop mit einer gut dosierten Prise Piano Pop.

Im März dieses Jahres erscheint nun ihre zweite Platte „Happy To You“, von dem ich euch diese Woche die erste Single „Paddling Out“ präsentiere, absolut empfehlenswert!

Miike Snow – Paddling Out from Furlined on Vimeo.

klingt für mich nach… exzessiver Party in einer Großstadt-Metzgerei

würden sich gut verstehen mit… Foster The People, Passion Pit und Miami Horror

am besten zu hören… von der Homeparty bis zur Party im Altersheim, Hauptsache tanzen! (Natürlich ohne Kettensäge)

Tomte Pressefoto

Die Alternative der Woche! mit Thees Uhlmann

Herzlich Willkommen zur allerersten Ausgabe der „Alternative der Woche!“, in der ich euch meine neuesten Favoriten aus der Alternative-Ecke präsentiere. Songs, die mir die ganze Woche im Ohr rumschwirren und nicht im Radio stündlich rauf und runter laufen.
Diese Woche hat es der 2011 erschienene Song von Thees Uhlmann, Sänger der Indie-Rocker von Tomte, bei meinem I-Tunes Wiedergabezähler auf beachtliche 50 Abspielungen gebracht.

In seinem Song besingt der, aus dem kleinen Städtchen Hemmoos stammende, alteingesessene Deutschpoet das Laichverhalten der Lachse. Klingt erstmal merkwürdig? Tja, eigentlich will uns Herr Uhlmann in seinem Song mit dem komplizierten und lehrreichen Titel „Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf“ nicht belehren, sondern von seiner Kindheit und dem Großwerden in den 80er Jahren erzählen. Im Musikvideo werden daher abwechselnd Videos aus seinen Kindertagen und Aufnahmen des nun 37-jährigen Sängers mit seiner Gitarre vor seinem Elternhaus gezeigt.

Mit abgefahrenen Metapher-Schöpfungen wie „Mein Leben fühlt sich an wie gejagte Wale, wie ein Pferdeschädel voller zuckender Aale“  regt Uhlmann nicht nur zum Nachdenken an, sondern sorgt auch bei dem ein oder anderen für ein Schmunzeln.

klingt für mich nach… Picknick am Badesee.

würde sich gut verstehen mit… Tocotronic, den Sternen, Bosse und Casper.

am besten zu hören
… wenn man sich nach einem harten Tag nach guter Laune und einer Erweiterung seiner Kenntnisse über Lachse sehnt.

Bandmitglieder v.l.n.r.: Pascal, Samuel, Espin, Carsten - Fotograf: Marco Floris

„The Gecko“ – Energiegeladener Indie-Elektro-Dance-Rock zum Tanzbein-Schwingen!

Bandmitglieder v.l.n.r.: Pascal, Samuel, Espin, Carsten - Fotograf: Marco Floris

 

Es ist der 29. November, der draußen für kalte Füße sorgt, während die Britisch-Deutsche Band „The Gecko“ in der Wabe Berlin den Zuschauern kräftig einheizt. Das Konzert dauert nur eine halbe Stunde, aber schnell wird mir klar, was das für eine tolle Live-Band ist. Schon zu Beginn fiel auf, wie sehr sie das Publikum mit ihrem Mix aus verschiedenen Musik-Genres mitreißen und mit wie viel Leidenschaft „The Gecko“ Musik machen. Bereits bei den ersten Tönen des Synthesizers und dem nebeligen grünen Bühnenlicht füllte sich der Bereich vor der Bühne und die Massen fingen an zu tanzen. Das lag nicht zuletzt an der hervorragenden und mitreißenden Bühnenshow der Band und dem spontanen Entertainment des Frontmanns und Sängers Espin. Mitten während des Liedes kletterte er mitsamt Mikro auf einen knapp zwei Meter hohen Metallpfeiler auf der Bühne und sang den Song von dort oben; in einer Hand das Mikro, mit der anderen Hand sich am Pfeiler haltend, ohne dass ihm die Puste ausging, und dass alles noch mit einem sympathischen „British Accent“.

Ihren Musikstil konnte ich bis dato noch nicht wirklich einordnen: Eine Mischung aus Electro Pop und Dance-Rock, oder doch Indie-Elektro-High-Energy-Brit-Synth-Rock? Was steckt nun eigentlich dahinter? Das will ich wissen und bitte sie zusammen mit meiner BerlinImPuls-Musikredakteurin Agnes zum Interview. Das alternative Quartett „The Gecko“ besteht aus den Wahlberlinern Espin Bowder (Gesang), Samuel Halscheidt (Gitarre), Carsten Brocker (Keyboard, Bass) und Pascal Gemmer (Schlagzeug) und existiert in ihrer jetzigen Besetzung seit 2009. Sänger Espin und Gitarrist Samuel nehmen sich die Zeit und so lernen wir die Jungs von „The Gecko“ beim Interview etwas besser kennen.

Schnell wird im Interview klar: Die Suche nach einer passenden Genrebezeichnung für die Musik von „The Gecko“ erweist sich als überaus schwierige Aufgabe. So richtig einordnen wollen sie sich nämlich nicht – und das ist auch gut so. Samuel bezeichnet ihren Musikstil als Electro-Dance-Rock – „auf keinen Fall aber als Elektro-Pop!“ – und auch Espin beschreibt die Musik als „Electronica-Rock“ mit britischen Einflüssen, „irgendwo zwischen The Cure und The Killers“. Auch Einflüsse von Bands wie Kraftwerk und Pink Floyd sind rauszuhören. Vor allem durch ihn, das britische Mitglied der Gruppe, wird der individuelle Sound der Gruppe maßgeblich beeinflusst.

Fotograf: Marco Floris

The Gecko’s Intention beim Musikmachen wird während des Interviews deutlich: „Uns geht es nicht ums Geld verdienen, sondern eher darum, Leute mit unserer Musik zu erfreuen und Spaß an der Sache zu haben“, meint Samuel. Das merkte man auch während des Auftritts: „The Gecko“ schaffen es, die Energie ihrer Lieder auch dem Publikum zu vermitteln und somit eine stimmige Verbindung zwischen Band und Zuhörer herzustellen, die keinesfalls, wie es bei mach anderen Bands der Fall ist, unpersönlich ist.

Noch ist die Band bei keinem Label unter Vertrag. Aber das stört sie nicht. „Das gute daran, dass eine Band alles selber macht, ist, dass man sehr viel Freiheit hat und sich musikalisch nach niemandem richten muss“, meint Espin. „Ohne Musik können wir nicht leben. Daher machen wir sie für uns und unsere Fans und nicht für irgendeine Plattenfirma.“ Ansonsten würde die Musik von „The Gecko“ um einiges an Individualität verlieren und in einen Topf mit zahlreichen anderen Indiebands geworfen werden, die von Plattenfirmen angehalten werden, Musik für ein großes Publikum zu komponieren. Doch das schaffen „The Gecko“ auch ohne einen Plattenvertrag: Durch einen geschickten Genre-Mix, der sowohl Indie-Rocker, als auch Elektroniker und tanzfreudige Dance-Rock-Hörer anspricht und garantiert für einen Ohrwurm sorgt.

Die Themen ihrer Lieder, zum Beispiel der ihrer ersten EP „Failure Is Not An Option“, sind abwechslungsreich wie ihre Musik. Sie reichen von sozial-kritschen Themen über persönliche Erlebnisse und Erfahrungen mitten aus dem Leben bis hin zu Inspirationen von Reisen. Espin wohnte bisher in sieben verschiedenen Ländern, darunter Großbritannien, Irland, Italien und Simbabwe. Einflüsse, die die Musik von „The Gecko“ bereichern.

Trotz der musikalisch-poetischen Vielfalt verliert die Musik aber nicht an Ernsthaftigkeit und ist sowohl reif als auch energisch und wild. Die Songtexte schreibt Espin Bowder, er ist der poetische Kopf der Gruppe: „Nur in der Musik kann ich philosophisch sein, sie gibt mir die Freiheit, Dinge auszudrücken, die ich sonst nicht ausdrücken kann. Deshalb ist die Freiheit in der Musik auch so wichtig“. Samuel überlegt: „Nicht unbedingt nur die Freiheit, auch totale Einengung kann inspirierend sein, da man dadurch einen Ansporn hat, musikalisch zu rebellieren und sich gegen etwas aufzulehnen, es kann einem viel Energie geben.“ Er hat Musik studiert und ist der Philosoph der Gruppe. Zusammen mit den anderen beiden Mitgliedern, Carsten und Pascal, versieht er Espins Texte mit einer passenden Melodie und Begleitung.

Unterstützung für ihre erste EP erhielten „The Gecko“ von Musikern wie Gordon Raphael von „The Strokes“, Simon Wangemann aus der Band „I Heart Sharks“ und Oren Gerlitz („Jahcoozi“). Über ihre nächste EP, die vermutlich im Februar oder März 2012 erscheint, wollte uns die Band allerdings noch nicht viel erzählen, sie wird eine große Überraschung. „Unsere nächste EP hat einen ganz neuen Charakter, sie wird viel professioneller“, meinen Samuel und Espin schwärmerisch. Mehr wollten sie uns darüber aber leider noch nicht verraten…

Wie sich the Gecko nun anhören könnt ihr auf ihrer Myspace– oder Website erfahren (thegeckomusic.com) oder live beim Deichbrandt Festival am 21.7. 2012 in Nordholz.

Und jetzt: Boxen laut und Mucke an!

Eure BerlinImPulserin

Rim

 

5 Fragen an „The Gecko“!

Was war euer lustigstes und peinlichstes Banderlebnis?

Espin: Auf der Tour in England bin ich mal mit dem Tourbus aus Versehen beim Rückwärtsfahren in mein eigenes Haus gecrasht, weil ich nicht aufgepasst habe. Der Wagen war hin. Und einmal während einem Festival hatte Carsten seine Hotelschlüssel verloren…

Samuel: …und es war bereits fünf Uhr morgens Also mussten wir dann alle zu viert in einem roten Doppelbett schlafen.

 

Welche Band habt ihr als Teenies gehört, bei der ihr euch im Nachhinein denkt „Oh mein Gott, warum hab ich das denn mal gut gefunden!?“

Espin: Ich war ein großer Fan von Bros und hatte eine Kylie Minoque CD als ich 10 war.

Samuel: Oh Gott, ich hatte mal die Maxi CD von David Hasselhoffs „I´ve been lookin‘ for freedom“.

Espin: Früher habe ich immer gerne „Knight Rider“ mit David Hasselhoff geguckt, mein Hamster hieß sogar Michael Knight.

 

Von wem würdet ihr gerne mal gecovert werden?

Espin: Auf jeden Fall „Massive Attack“ und „Jose Gonzales“. Wir würden es aber auch super finden, wenn jemand Remixe von unseren Liedern machen würde.

 

Welche Lieder eurer EPs findet ihr am besten?

Samuel: Das kann man gar nicht so genau sagen, von der ersten EP wahrscheinlich „Russian Rocket“ und von der neuen definitiv „Real Thing“.

 

Was hört ihr privat gerne für Musik?

Espin: Electronica, Indie, Classic Rock und Dubstep, aber auch Klassik.

Samuel: Ich höre eigentlich alles gerne außer Rap und Volksmusik. Am liebsten Indie, Jazz, Klassik und gefühlvolle, tanzbare, energetische Musik.

 


 

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Wie bürgernah ist unsere Politik?

„Es sind mir einfach zu viele Probleme.“ Ohne ein weiteres Wort verlässt ein Jugendlicher während der Pause den Saal des Weinmeisterhauses, welcher an diesem Tage als Diskussionsstätte diente.

Mit dieser Aussage hat er gar nicht mal so Unrecht.

Politiker der CDU, SPD, Grüne, Linke und Piraten haben sich heute im Weinmeisterhaus in Berlin Mitte versammelt um mit Jugendlichen ins Gespräch zu kommen und ihnen ihre Fragen zu beantworten, die sie beschäftigen. Das Thema der Diskussion ist weit gefasst, im Raum steht einzig die Frage „Wie viel steht mir zu?“.

Die erste Frage kommt von einer jungen Studentin, die das mangelnde soziale Engagement beklagt. Sie erzählt von einer freiwilligen Putzaktion in der Stadt, bei denen sich keiner ihrer Bekannten außer ihr beteiligen wollte und stellt die Frage, wie man dies ändern könne.

Es folgen triviale Beispiele aus dem Leben: „Bei uns im Haus wohnt eine alte Dame, die den Hinterhof sauber hält, sie war die erste, die das gemacht hat. Ich glaube, es muss nur immer jemanden geben, der mit gutem Beispiel vorangeht“, beantwortet SPD Mitglied und BVV Abgeordnete Liv Assmann ihre Frage.

Links-Abgeordneter Sven Dietrich berichtet aufgeregt von der Rettung des Weinmeisterhauses und von einem Jugendlichen, der durch einen verärgerten Brief die Schließung des Hauses verhinderte. „Ein weiteres Beispiel, was ein einzelner erreichen kann“, schließt sich Sven Dietrich Frau Assmann an.

Vom Thema „Weinmeisterhaus“ wird wenig später zum nächsten Thema, dem Erhalt und der Förderung von Jugendeinrichtungen im Allgemeinen, durch Silke Gebel, Abgeordnete der Grünen, übergeleitet. Sie ist der Meinung, dass zum Erhalt der Jugendeinrichtungen dringlichst neue Finanzierungsmöglichkeiten gesucht werden müssen, da vor allem die Haushaltskasse chronisch leer sei.

Assmann (SPD) und Dietrich (Linke) sind sich beide darin einig, dass die finanzielle  Prioritätensetzung in der Politik ein heikles Thema sei, da es aufgrund der knappen Haushaltskasse nicht möglich ist alle Bereiche finanziell zu unterstützen und man beispielsweise zwischen der Wahl Schule-oder-Seniorenheim steht.

Scharfe Kritik an der Prioritätensetzung anderer Parteien äußert Links-Abgeordneter Dietrich, der die Investition in die Verlängerung der Stadtautobahn A100 und den Bau des Stadtschlosses als unnötig teure Investition ansieht. Es könne nicht sein, dass der Erhalt von Jugendeinrichtungen zugunsten der Infrastruktur bedroht werde.

CDU-Abgeordneter Reschke ist wiederum der Meinung, die Infrastruktur solle nicht aus Haushaltsgeldern, sondern durch „andere Firmen“ finanziert werden.

Pirat Simon Weiße sagt nichts zu dem Thema. „Die Partei gibt es doch noch nicht so lange“, er könne nichts essentielles zu der Diskussion beitragen.

A100 und Stadtschloss bleiben ein umstrittenes Thema:

Die SPD ist der Meinung, dass die EU-Mittel für die A100 eine Art „Extrageld“ und eben nicht Haushaltsgeld sei, das man einfach frei verteilen könne. Dieses EU-Geld dürfe nur für den Ausbau der Infrastruktur genutzt werden.

Dagegen argumentiert die Linke, dass man das Geld auch hätte sparen können, da die A100 eines der kostspieligsten Projekte Berlins sei: 50 Mio. Euro fielen allein an Planungskosten an.

Und das für einen winzigen Abschnitt einer Autobahn, die aufgrund des weit ausgebauten Berliner Verkehrsnetzes ohnehin überflüssig sei. Zudem ginge, laut Dietrich, preiswerter Wohnraum sowie viele Treptower Kleingärten verloren, was aufgrund des Klimawandeln nun wahrlich keine rosige Aussicht sei.

Ein ähnlich heikles Thema ist das Projekt „Mediaspree“.

Im Rahmen dieses Projekts haben Investoren Clubs und Freizeiteinrichtungen, die an der Spree gelegen sind, aufgekauft. Das „Maria“ ist einer der Clubs, der dem Projekt zu Opfer fiel.

Für einige stellte sich daher am Abend die Frage: Wie bürgernah ist die Politik eigentlich? Warum müssen die Freizeit- und Jugendangebote der Politik zum Opfer fallen?

Silke Gebel von den Grünen ist ganz klar der Meinung, dass in diesem Fall die Interessen der Bürger überhört wurden und spricht sich, auch im Namen ihrer Partei,  für eine freie Nutzung der Spree aus.

Sven Dietrich von der Linken spricht sich ebenfalls gegen dieses Projekt aus. „Man hätte mehr daraus machen können“, beispielsweise preiswerten Wohnraum. Nun stelle sich für ihn die Frage, wie man den Bürgereinfluss stärken könne.

Piraten-Mitglied Simon Weiß schneidet das Thema Bürgerbeteiligung an: für ihn seien „die Hürden für die Beteiligung einfach zu groß“, weshalb Entscheidungen gegen das Interesse der Bürger für das Interesse der Regierung getroffen werden.

Das Thema „Mauerpark“  wird inzwischen ähnlich kontrovers diskutiert.

Es sei, laut Links-Abgeordnetem Dietrich, ein gutes Beispiel dafür, wie demokratiegefährdend es sein kann, wenn die Interessen  der Bürger überhört werden.

Im Fall Mauerpark gab es eine Volksabstimmung, bei der sich der Großteil der Bürger für den Erhalt und gegen die Erweiterung und Bebauung des Parks ausgesprochen hatten. Trotz alledem wurde der Bürgerentscheid in der Politik außer Acht gelassen. „Das führt zu Frustration. Die Bürger wollen sich nicht verarschen lassen und gehen daher beim nächsten mal nicht wählen, weil die Entscheidung sowieso über ihren Kopf hinweg geschieht. Das ist im hohen Maße demokratiegefährdend!“, so Dietrich.

Grünen-Mitglied Gebel  sieht ebenfalls das Problem bei Bürgerentscheiden, dass die Informationen nicht für alle zugänglich und schwer zu beschaffen seien, „Beteiligung lebt von Information“.

Ein Herr aus dem Publikum wirft die Frage auf, ob es nicht besser sei, die Bürger über Kürzungen entscheiden zu lassen, wenn diese unbedingt nötig seien, um so die Konsequenzen für das Volk erträglicher zu machen.

Die CDU ist der Meinung, dass dies nutzlos sei, da das Geld im vornherein für ein bestimmtes Projekt bestimmt sei. Dem widersprechen Linke und SPD, nach deren Ansicht das Geld in jeden Teilbereich der Politik, wie Tourismus oder Soziales, investiert werden könne. Es gehe dabei nur um die Prioritätensetzung der eigenen Partei.

Grüne Gebel ist allerdings der Meinung, man dürfe solches Bundesgeld zwar nicht beliebig, jedoch beliebig innerhalb eines Ressorts investieren, wie die oben genannten Ressorts Soziales oder Tourismus.

Ein gutes Beispiel für die finanzielle Prioritätensetzung der Parteien bringt Sven Dietrich von der Linken.

Für die Bezirksverordneten Versammlung (BVV) in Mitte war es nötig geworden, einen neuen Tagungssitz zu finden. Es bestand die Wahl zwischen zwei Räumlichkeiten, jedoch war einer der zwei Sitze um 400.000 Euro kostspieliger als die andere. Dennoch sprach sich der Großteil der BVV für die teurere Variante aus. „Ein gutes Beispiel dafür, wie die Politik Geld aus dem Fenster schmeißt“, echauffiert sich Dietrich.

Es werden noch einige Fragen vom Publikum gestellt, anschließend stellt Liv Assmann (SPD) eine an das Publikum:

„Sind Sie als Berliner zufrieden mit ihrem Leben?“

Es kommen verschiedene Antworten, die meisten überraschend positiv, trotz der vielen „Probleme“.

Rim Irscheid

 

 

Mehr zu dem Thema könnt ihr hier lesen. Artikel Wohin fließt das Geld?

 

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