interview

New York vs. Berlin!

interviewAnna- Sophie Harling (20) lebt schon ihr ganzes Leben in New York City. Zu Berlin hat sie allerdings eine besondere Verbindung: Sie war schon oft in der Hauptstadt zu Besuch! Kommunikationsprobleme gibt es nicht. Annas Eltern sind beide Deutsche. Sie wuchs zweisprachig auf. Für viele ist es sicherlich ein Traum in New York zu leben, doch was sagt Anna selbst? Berlin oder New York City? BiP-Redakteurin Marie Greiner hat mit ihr darüber gesprochen…

Marie: Was findest du ist der krasseste Unterschied zwischen dem Leben in New York City und dem Leben in Berlin?

Anna-Sophie: In New York sind viel mehr Menschen auf den Straßen, dir fehlt teilweise richtig die Luft zum Atmen. Berlin empfinde ich im Vergleich hingegen eher als „leer“. Das finde ich nicht schlecht, hier ist alles viel ruhiger, langsamer und die Leute sind auch entspannter. In NYC ist alles viel schneller und hektischer.

Marie: Was ist ähnlich in beiden Städten?

Anna-Sophie: Beide Städte sind sehr „multikulti“, man hört eine Menge unterschiedliche Sprachen auf der Straße und sieht viele verschiedene Kulturen. So wie in Berlin gibt es auch in NYC die sogenannten „multikulturellen Spots“, wie zum Beispiel Chinatown. In beiden Metropolen gibt es vor allem viele junge Leute, das kommt vielleicht daher, das man in beiden Städten die „Chance auf ein besseres Leben“ hat.

Marie: Wie groß ist der Unterschied zwischen arm und reich in NYC?

Anna-Sophie: Ich denke, es ist ähnlich wie in Berlin. Es gibt die teuren Hochhäuser in Queens und auch wieder gefährlichere und ärmere Gegenden wie Bronx. Eigentlich wird der Unterschied zwischen Arm und Reich hauptsächlich durch die extrem vermögende Oberklasse deutlich.

Marie: Wie gut sind die Ausbildungsmöglichkeiten in Amerika?

Anna-Sophie: Auf jeden Fall gut, aber auch sehr sehr teuer. Ich selber studiere seit zwei Jahren an der „Yales University“ und weiß, wovon ich spreche. Viele junge Leute nehmen Kredite auf , um ihre Ausbildung zu finanzieren. Im Prinzip ist es so: Um so mehr Geld – um so besser die Ausbildung.

Marie: Wie stehen die Chancen, in NYC einen guten Arbeitsplatz zu finden?

Anna-Sophie: Es ist sehr schwer, in NYC einen guten Arbeitsplatz zu finden. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch, viele junge Leute könnten es sich so oder so nicht leisten, in NYC zu leben.

Marie: Wie würdest du die Mentalität der Menschen in Berlin bzw. der Menschen in NYC beschreiben?

Anna-Sophie: Ich schätze die Menschen in Berlin lässiger und entspannter von ihrer Lebensweise aus ein. In NYC sieht man überwiegend Karriere- und Businessleute. Die Menschen arbeiten sehr hart, nehmen selten Urlaub und arbeiten auch oft an Wochenenden, schon allein um den Lebensstandard zu halten. Allgemein geht alles ziemlich stressig zu.

 

Marie: Was findest du in NYC schlechter/besser als in Berlin?

Anna-Sophie: Ich finde, dass in NYC die Leute zu sehr aufs Geld fokussiert sind. An Berlin mag ich die vergleichsweise vielen grünen Parks, die auch mehr „wild“ sind als in NYC. Zudem gefällt mir, dass man ihm näheren Umland so viele Wälder und Seen hat, wo man auch mal vom städtischen Leben abschalten kann.

Marie: Was gibt es für Freizeitangebote für die Jugendlichen in NYC?

Anna-Sophie: Ich denke, alles was es hier in Berlin auch gibt, also Kinos, Clubs, ect. Allerdings wird das allgemein in den USA mit dem Alkohol- und Tabakkonsum bei Minderjährigen viel strenger kontrolliert und bestraft. Die typischen „Houseparties“ gibt es aber natürlich auch in NYC.

Marie: In New York City leben ja sehr viele Stars. Bist du schon mal welchen begegnet und wie verhalten sich die Menschen, wenn sie welche sehen?

Anna-Sophie: Natürlich sieht man oft Stars in NYC, ich kann jetzt allerdings keine Namen nennen, da ich in der Richtung nicht so bewandert bin. Es ist aber so, dass sich die Prominenten in NYC nicht verstecken müssen. Sie führen ein ganz „normales Leben“. Dadurch, dass es so ziemlich Normalität ist, das man mit den Stars Haus an Haus wohnt, kenne ich von den „Einheimischen“ keinen, der ausrastet, ein Foto oder Autogramm will. Es ist einfach ganz normal.

Marie: Was muss man als Reisender in NYC unbedingt gesehen haben?

Anna-Sophie: Auf jeden Fall den Time Square, die 5th Avenue und den Central Park, also die typischen Touristenplätze, wo die Einheimischen auf Grund der vielen Touristen fast so gut wie nie sind. Außerdem ist es sehr beeindruckend mit dem Boot um die Insel von Manhattan zu fahren, von wo aus man die Freiheitsstatue sehen kann. Wer das nötige Kleingeld hat, der sollte sich die Broadwayshow auf keinen Fall entgehen lassen! Es empfiehlt sich aber nicht nur die touristischen Sachen zu machen, sondern auch mal selber ein bisschen auf Entdeckungstour zu gehen. Die High Line, eine nicht mehr genutzte Hochbahnstraße im Westen von Manhattan, die jetzt in eine Parkanlage integriert wurde, ist auch einen Besuch wert und liegt nicht so im Touristengebiet.

Marie: Was ist dein persönlicher Lieblingsort in NYC?

Anna-Sophie: Mein Lieblingsort ist der Park am East River in Long Island City. Von hier hat man einen wundervollen Blick auf Manhattan, außerdem sind hier nicht so viele Touristen.

Marie: Möchtest du dein ganzes Leben in NYC leben? Wenn nicht, was wäre die Alternative?

Anna-Sophie: Die einzige Stadt, in der ich es mir noch vorstellen könnte zu leben, wäre Berlin. Aber: Ich liebe New York City und möchte nach Möglichkeit mein ganzes Leben hier leben.

Das Interview führte Marie Greiner.

Bildquelle: Lupo/Pixelio

Mit dem Rucksack ans andere Ende der Welt – Checkliste zum Work & Travel


12 Monate, 15.000 km Entfernung, ein Rucksack: Was es heißt, ein Jahr nach Australien auszuwandern und dort zu leben, das weiß BiP-Reporterin Lilly. Denn sie hat genau das vor. In 4 Wochen. Einfach weg. Wie das geht und an was sie dabei alles im Vorfeld gedacht hat, das teilt sie uns in ihrer Checkliste mit.

Von Lilly Jogwer

Bildquelle: Lilly Jogwer

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Den Kopf frei bekommen, neue Erfahrungen sammeln, zu sich selbst finden. Direkt nach dem Abitur wissen die wenigsten eindeutig, wie sie ihren Lebensweg beschreiten wollen und brauchen eine kurze Denkpause. Ob nun ein freies Soziales oder Ökologisches Jahr, Au-Pair im Ausland, Work & Travel oder einfach Jobben: Ein Jahr geht schnell rum, bringt weiter und macht reifer! Ich schwebe im Moment zwischen verschiedenen Berufsfeldern. Muffensausen überkommt mich, sobald ich mich für eine Universität oder eine Ausbildung entscheiden soll. So habe auch ich mich entschlossen, für mindestens 12 Monate in die weite Welt hinaus zu reisen und einmal Abstand von allem zu Hause zu gewinnen. Trotz des Massenandrangs und der Gefahr, mehr Europäern über den Weg zu laufen als Einheimischen, soll es für mich Australien sein. Die vielfältige Natur reizt mich, welche Berge, Regenwald, Wüste und Korallenriffe beinhaltet. Auch die Möglichkeiten, mein Englisch zu perfektionieren und Geld zu verdienen, haben mich überzeugt, diesen Kontinent zu wählen. Von einer Stadt zu der anderen um nach Kellner- oder Hostel- Jobs Ausschau zu halten, von einer Farm zur Nächsten um Schafe oder Rinder zu hüten und Birnen zu pflücken, mal weg vom Schreibtisch und rein in die frische Luft und die harte Arbeit – das stell ich mir spannend vor. Mit den verschiedensten Leuten tratschen und aus deren Erfahrungen lernen, genau das habe ich vor während meinem Auslandsjahr.

Nun trennen mich noch genau 30 Tage von meinem Traum und ich habe noch einiges zu erledigen. Da es sicherlich noch ein paar andere gibt, die mit einem solchen Vorhaben liebäugeln, hier eine To-Do-Liste mit den wichtigsten Vorbereitungen:

• Flugticket 

Sobald du eine endgültige Entscheidung getroffen hast, solltest du dich auch schon nach Flügen umsehen. Je früher, desto besser und vor allem günstiger. Auf den unterschiedlichsten Internetseiten wie zum Beispiel http://www.billigfluege.de / findet man Hinflüge schon für ca. 600 Euro. Ein im Voraus gebuchter Rückflug kann ganz schön in die Enge treiben oder spannende Planänderungen verhindern – also gut darüber nachdenken.

• Reisepass

Um ein Visum beantragen zu können, benötigst du einen gültigen Reisepass, welchen du in deinem zuständigen Bezirksamt beantragen kannst. Das kostet 59 Euro und dauert 4 Wochen lang.

• Geldanlagen, Kreditkarte

Um ein Visum beantragen und überhaupt einreisen zu dürfen, sind sage und schreibe 5000 $ nachzuweisen. Bei den meisten Banken kannst du kostenlos ein Kreditkarten-Konto eröffnen. Online-Überweisungen und Geld abheben im Ausland stellen so kein Problem mehr dar.

• Visum

Auf der Internetseite des australischen Ministeriums für Immigration kannst du ziemlich schnell und ohne Aufwand das Working Holiday Visa beantragen, solange Reisepass und Geldanlagen zur Verfügung stehen. Zwei Wochen habe ich auf die Zusage warten müssen. http://www.immi.gov.au/

• Krankenversicherung

Über deine nationale Krankenversicherung bist du im Ausland nicht mehr versichert, weshalb es sich empfiehlt, eine Partnerorganisation zu finden, die Auslandsversicherungen für 12 Monate anbietet. Die meisten Versicherungen bieten zum Beispiel ein Rundum Paket für ca. 300 Euro an. Damit bist du durch und durch versorgt und brauchst bei Schlangenbissen keine Todesangst zu bekommen.

• Impfpass

Für Australien brauchst du keine außergewöhnlichen Impfungen, es sei denn, du möchtest nach deinem Aufenthalt nach Asien reisen, wofür Malaria- und Hepatitis A+B-Impfungen von Relevanz wären. Ein internationaler Impfpass und eine Überprüfung der Grundimpfungen sind aber durchaus ratsam.

• Führerschein

Falls du mit dem Gedanken spielst, dir ein Auto zu kaufen, solltest du nicht nur deinen Führerschein in Deutschland absolvieren, sondern auch einen internationalen Führerschein beantragen. Das passiert ebenso beim zuständigen Bezirksamt. Ohne diesen bist du nicht berechtigt, dir ein Auto zu kaufen, geschweige denn zu fahren. Der internationale Führerschein kostet 15 Euro und wird noch am gleichen Tag ausgestellt.

Das sind wohl die 6 wichtigsten Punkte, die man vorher regeln sollte, denn alles andere kann man sich im schlimmsten Falle vor Ort besorgen. Natürlich sind ein guter Rucksack (um die 65l Fassungsvermögen), eine kleinere Version als Handgepäck, ein Bauchgurt und eine Hand voll Klamotten, eine Reiseapotheke, ein Adapter und ein Laptop auch von Nöten. Doch um diese „Kleinigkeiten“ kann man sich auch noch kurz vor Schluss kümmern.

Lest ab September hier, was mich in Australien erwartet, was ich erlebe und was ich so mache in der BiP-Kolumne „Grüße vom anderen Ende der Welt…“

Bildquelle Artikelbild: Lupo/Pixelio

 

 

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Kippenpause in der Pampa: Von Möhren, Tratsch und stinkendem Brot im Regionalexpress

 

Letzte Woche hat BiP Reporterin Lilly Jogwer euch erzählt, wie man für 80 Euro ein ganzes Herbstferien-Wochenende in Hamburg verleben kann. Heute berichtet sie von unglaublichen Situationen, denen sie auf dem Rückweg im Regionalexpress begegnet ist… Ihr seid gespannt? Das könnt Ihr auch sein! Los geht´s!

Was ist das letzte, was man sich nach einem auszehrenden Ostsee-Wochenende, dass man fast ausschließlich nur auf dem Fahrrad radelnd oder den Strand entlang spazierend verbracht hat, wünscht? Eine stundenlange Zugfahrt, auf der man nicht im Geringsten zum Schlafen kommt. Des Geldes wegen, wählten meine Freundin und ich das Fahrrad und den Regionalexpress um von Rostock zurück nach Berlin zu fahren.

Willkommen im Regionalexpress

Erschöpft kamen wir am Bahnhof an und hievten unsere gefühlt tonnenschweren Fahrräder in den ohnehin schon fragwürdig alt aussehenden, roten Zug. Ungeachtet der zwei Mittvierziger-Alt-Berliner-Frauen von gegenüber, ergatterten wir die zwei letzten Sitzplätze nebeneinander und schlugen unsere Bücher auf. Nach nicht mehr als 4 Zeilen wurde ich auch schon von der Stimme der mir gegenüber sitzenden, prollig aussehenden Frau aus dem Lesefluss gerissen. Nicht das mit Glitzersteinen besetzte T-Shirt und die viel zu eng aussehende Jeans, sondern ihre ungesund tiefe, kratzige Stimme weckte meine Aufmerksamkeit. Sie drängte ihre Freundin, eine ein wenig beleibtere, liebenswürdig aussehende Frau mit adretten Löckchen in der Stirn, dazu, ihr doch mal die „Bild der Frau“ zu geben, da sie ihre bereits ausgelesen und Lust auf ein weiteres Kreuzworträtsel hatte. Das Alpha-Tier hörte auch nach dem dritten Mal: „Nee, ick bin doch selber noch nicht fertig“ auf zu quengeln. Dieser akustisch dominante Wortwechsel forderte meine Konzentration so sehr, dass ich das Anfahren des Zuges gar nicht bemerkte.

Es gibt sie wirklich: Schaffner mit guter Laune! 

Als ich endlich wieder in mein Buch schauen konnte, wurde auf einmal die Abteil -Tür aufgeschwungen und eine mächtige, ca. 1,80 m große Schwarzhaarige Frau mit Blümchen-Ohrsteckern kam herein getänzelt. Mit flötender durchdringender Stimme bat sie jeden Gast einzeln um sein Zugticket und das mit einer guten Laune und einem Optimismus, den ich so schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Mit einem schallenden Lachen auf den Lippen schwang sie sich auch schon in das nächste Abteil.

Kippenpause in der Pampa

Ein halbes Stündchen widmete ich mich also meinem Buch, die grölende Studenten-Gruppe in der hintersten Reihe zwanghaft ignorierend. Ein wenig später knüllte ich meinen Pullover zu einem provisorischen Kissen zusammen und versuchte an die Fensterscheibe gelehnt, zu schlafen. Aus meinen Träumen geweckt wurde ich von einer ohrenbetäubend lauten und quietschenden Zug-Ansage, dass wir nun eine Weile in der Prärie halten würden, da wohl einige Flitzer den lahmen Uralt-Zug überholen wollten. Dem nicht genug, animierte der Sprecher die Fahrgäste zu einer netten Raucherpause, welche den halben Zug auf den Bahnsteig beförderten. Unsere liebenswerte Studentengruppe schaffte es nicht einmal, sich eine Zigarette zu drehen, da fuhr der Zug schon wieder an. Schnaufend schob sich die nette Kreuzworträtsel-Frau auf ihren Platz und packte übel riechende Sandwiches zum aus. Ihre Stirn-Löckchen-Freundin erkundigte sich nach ihrer Raucher-Pause, woraufhin diese strahlend meinte: „ Ja Mensch, ne halbe Kippe hab ick nur jeschafft. Aber wat solls, meen Hals hört sich schon viel besser an“. Meine Freundin und ich tauschten einen kurzen Augenbrauen hochziehenden Blickwechsel und versuchten dem Gestank der belegten Brote auszuweichen. Die Fahrt sollte nun nicht mehr lange dauern, nur leider verleiteten die vielen Haltestellen den Zugsprecher dazu, grölende Durchsagen zu tätigen. Nicht lange und unser ganzes Abteil lachte unentwegt.

Öko-Paare essen alles zu zweit

Das sollte uns also die Fahrt bis zum Berliner Hauptbahnhof versüßen? Noch nicht ganz – denn nicht zu vergessen das frisch verliebte Öko-Pärchen, Mitte 40, neben uns, dass es nicht lassen konnte, sich kichernd gegenseitig Kohlrabi, Möhren und Gurken in die Münder zu schieben. Einige Küsse und ein wenig zu laute Gespräche über den neuen Schrebergarten später, fuhr der Zug schließlich in unseren heiß ersehnten Bahnhof ein. Die gutherzige Schaffnerin wünschte uns noch einen schönen Abend und wir stiegen glücklich wieder auf die Räder.

Die Zugfahrt war anstrengender als das ganze Wochenende und doch auch belustigend… im Nachhinein :-)

 

Allseits gute Fahrt wünscht

Lilly Jogwer

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Was ist denn das für ein Theater?

Performance "Auf der Suche"

Performance "Auf der Suche"

Im Bus. Im Theater. In der Stadt. Im Theater. Im Bus. Die vielen jungen Erwachsenen, die unglaublich erschöpft, aber irgendwie glücklich aussehen, scheinen wie in einer Spirale gefangen, die sie sich über viele Monate hinweg sorgfältig gebaut haben. Das Projekt „Theater Total“ verlangt den schauspielerisch Ambitionierten so einiges ab: Über zehn Monate hinweg wird geprobt, an Bühnen gewerkelt, jedes Staubkorn sorgfältig aus dem Raum getragen, die Gelenke in die richtige Richtung strapaziert und das ganz ohne Nine-To-Five-Feeling – man wird immer gebraucht, irgendetwas ist bestimmt noch nicht so, wie es sein sollte.

Nun sind sie auf Tour durch ganz Deutschland, mit Zwischenstationen in Österreich und der Schweiz. In 32 Städten bauen sie ihre Bühnen auf, passen sich an die gegebenen Verhältnisse an, versuchen ein kleines bisschen der unbekannten Luft einzuatmen, wenn zwischen den Extraproben und dem Sitzen in der Maske Zeit bleibt.

Einige Schauspieler haben extra für das Stück mit dem Rauchen angefangen.

Einige Schauspieler haben extra für das Stück mit dem Rauchen angefangen.

Fasziniert habe ich die Inszenierung des Stücks „Platonov – die Vaterlosen“ von Anton Tschechow vor ein paar Tagen in Berlin miterlebt. Im pulsierenden Kreuzberg haben sie sich ein Heim gesucht und die wenig abstrahierte, aber sehr mitreißende und komplizierte Komödie des russischen Autors gezeigt. Schnell wenden sich die Gedanken jedoch ab von dem unterhaltenden Spiel und bleiben an dem Ensemble hängen. Wurden aufgrund der Aufnahmeworkshops nur so talentierte Leute herausgepickt oder wurden sie in den zehn Monaten so professionell getrimmt? Die Nachbesprechung der Regisseurin Barbara Wollrath-Kramer zeigt, dass sie unglaublich hohe Erwartungen an die jungen Schauspieler hat und selbst bei dem, was mich als Laie total überzeugt hat, noch einiges an Potential sieht. „Vordenken – mitdenken – nachdenken“ ist ihr Motto, und die erschöpften Spieler geben sich Mühe, immer voll dabei zu sein.

Meine Begleitung ins Theater macht mich darauf aufmerksam, wie kaputt die Haare einiger Jungen durch das ständige zurückgelen der Schöpfe für das Stück aus dem 19. Jahrhundert geworden ist. Zwischen zwei Aufführungen liegen selten mehr als zwei Tage, in Berlin sind es sogar zwei Präsentationen an direkt aufeinander folgenden Tagen.

Jede Szene ist perfekt choreographiert, jedes Jubeln und jede Handbewegung muss sitzen.

Jede Szene ist perfekt choreographiert, jedes Jubeln und jede Handbewegung muss sitzen.

Ein Junge, den wir von früher kannten, hat unglaublich viel an Gewicht verloren. Bereut er, dass er an dem Projekt teilgenommen hat? „Nein“, sagt er, sein Gesicht noch mit der Auftrittsschminke verfremdet, „Man lernt ein unglaublich großes Spektrum an Aufgaben am Theater kennen und wird gnadenlos zur Selbstständigkeit erzogen. Morgen werden wir zwar wieder bis drei Uhr nachts die Bühne abbauen, aber ein oder zwei Stunden am Nachmittag haben wir fast immer, um uns die Stadt anzuschauen, in der wir grade sind. Es ist toll, so viele verschiedene Orte kennenzulernen!“

Viele Schauspieler haben das Abitur gerade erst abgeschlossen, einige schon ein freiwilliges Jahr oder eine Ausbildung hinter sich. Für alle ist Theater Total vor allem eins – Orientierung. „Ich wollte halt schauen, ob das wirklich etwas für mich ist, und ob ich diesen Weg verfolgen soll“, sagt Paul-Maurice Röwert, der sich schon früher in Theatern ausgetobt hat, sich aber immer noch nicht sicher war, was die professionelle Umsetzung angeht. Jaqueline Pawliczek neben ihm hat schon Dampf gemacht: „Ich habe mich schon für ein paar Schauspielstudien beworben, vielleicht mach ich auch Theaterpädagogik“.

Diesen Sommer, wenn die jetzige Tour vorbei ist, wird wieder eine neue Generation bei Theater Total aufgenommen, ein neues Stück gespielt. Wer den Theaterbetrieb intensiv kennenlernen möchte, und nicht davor zurückschreckt, für eine vielseitige Erfahrung alles zu geben, kann sich in den kommenden Aufnahmeworkshops der Herausforderung stellen..

Theater Total online:
http://www.theatertotal.de/
http://youtube.com/theatertotalyt

Bildquelle: Pressefotos, Theater Total