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Ist weniger mehr?

Ich habe seit März protestiert: mit Mode. Einen Monat lang Modeprotest. Eine gute Zeitspanne, um das erste Urteil zu fällen.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Poesie sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden!
Ich bin so des-Kaisers-neue-Kleider mäßig aufgewachsen. Babydollhängerchen, Hippiekleid, Bluejeans. Glitzerrock, kleines Schwarzes, Bluse. Hosenanzug, Culottes, Bomberjacke. Lederjacke, Hoddie, Overall. Norwegerpulli, überlange Strickjacke, Leohandschuhe. Ich habe alles (mal besessen).

Wie viel Kleidung braucht ein Mensch?
Seit Jahren beschäftigt mich mein Konsum. Ich finde es interessant, dass ich mehr kaufe, desto unzulänglicher ich mich fühle und oft, um mich zu belohnen. Ich habe mich mit meinen Shoppinggelüsten auseinandergesetzt. Ab diesem Punkt gibt es viele Wege, keinen aber zurück.

Deshalb gehe ich weiter, schaue nach fairen Linien und lokalen Produzenten, bis hin zu Strumpf und Slip. Es ist wie eine riesige Recherche für eine persönliche Reportage. Und es ist nicht immer einfach.

Ich sortiere regelmäßig meine Kleider, und es fliegt immer ein altes Stück für ein neues: eine effektive Methode, weil man sich überlegt, inwieweit es das neue Teil wert ist. Ich kaufe nur im Sale, wenn ich das Teil auch für eine Summe kaufen würde, die über meinem Budget liegt. Ich plane, was ich brauche. Ich schmeiße regelmäßig raus, und vermisse nichts.

Ein Experiment zur Fastenzeit
Deshalb kam mir der Modeprotest 2015 recht. Für sieben Wochen reduziert man seine Garderobe auf maximal 50 Teile. Das klingt nicht wenig, wenn man Unterwäsche und Socken nicht mitzählt. Doch auch diese tagtäglichen Begleiter fallen unter die Regeln. Hartgesottende Modefaster zählen Socken einzeln, nicht als Paar…

Ich habe mich für 45 Teile entschieden, weil ich monatlich vier Klamotten ausleihe, im Abo. Die Aktion läuft seit dem 18. Februar, und sie endet am Samstag. Ich habe die Socken im Paar gezählt. Ich war nicht akribisch, aber es sind je zwei große Tragetaschen von mir bis oben hin mit Sachen gefüllt worden. Diese Taschen habe ich nicht mehr angefasst.

Übrig geblieben ist der Kern: meine drei besten Blusen, meine drei liebsten Strickjacken, zwei Pullover, ein Hoodie, zwei Röcke, zwei Hosen, vier Tops, zwei zum Unterziehen, zwei zum Ausgehen. Mein Stil ist klarer geworden seitdem. Ich brauche nicht ewig zum Anziehen. Ich entdecke, dass ich ein Kombinationstalent sein kann.

Wie eine Pyramide bauen: Langfristiges Projekt
Bis auf den blasserdbeerfarbenen Pullover erinnere ich mich an keines der wegsortierten Teile. Der besagte Pulli liegt oben. Ganz schön traurig. Ich hatte wider Erwarten genug zum Anziehen. Die Zeit vor Ostern, um den wankelmütigen April rum, ist eine doofe Zeit für diesen Protest. Weil Wintermode nun mal nicht Sommermode ist: weder vom Material her, noch von der Wetterfestigkeit und auch nicht vom Wohlfühlgefühl her. Ich schätze mich so ein: 50 Teile für die Herbstwintermode, und 50 weitere für die Frühlingssommerwochen, das ist für mich realistisch.

Weniger ist mehr, sagen Minimalisten
Minimalismus. Ein praktisches Wort, mit dem ich keinen Glamour verbunden habe. Ganz lange. Ich bin sehr besitzergreifend, was Dinge betrifft, die einen Wert für mich haben (könnten). Bücher will ich einmal so viele besitzen, wie in eine kleine hauseigene Bibliothek passen würden. Fotos und Collagen, als Bilderbuch meiner Erinnerungen und auch Briefe, mit Zeilen aus meinem Leben. Notizhefte, gespickt mit Ideen und Gefühlen, mal wirr und unleserlich, mal klar und geordnet.

Neben dem, was ich lese und dem, was ich schreibe, macht mich ein Stück weit auch das, was ich trage, erkenntlich. Der Wäscheständer im Wohnzimmer mit meiner Wäsche ist immer bunt. Mein Stil exzentrisch und detailverliebt, selten kühl. Ich mag Mode. Aber meine Ansprüche sind höher geworden. Ich mag es heute zeitlos. Polyester kommt nicht mehr in meinen Schrank, zu schnell süfft der Schweiß in den Stoff und geht dort nicht mehr heraus. Ich spare und warte, bis ich kaufe. Weil ich dieses Teil länger tragen will als eine Saison, so lange, bis man mich an meinem Leopardenshirt schon von weitem erkennt.

Kleidung muss ja keine Karikatur sein
Wenn mein Erscheinungsbild repräsentieren soll, wer ich bin, will ich niemand sein, der wertelos Sweatshop-Ramsch trägt. Aus Prinzip, weil für ein bisschen Chichi keine Menschen leiden brauchen, meiner Meinung nach.
Minimalismus bedeutet heute für mich Prioritäten setzten können und Gutes auf Anhieb erkennen. Eine eigene Form von Luxus. Eine Haltung, die weniger einengt. Dafür mehr aussagt. Und definitiv nicht leicht kurz vor Ostern umzusetzen ist. Aber definitiv einen Versuch wert war.

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Der 50-Teile Kleiderschrank

Die Fastenzeit hat begonnen, und damit liegt Verzicht im Trend. Bisher habe ich mich nicht für zeitlich begrenzten Minimalismus interessiert.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Poesie sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden!

Das ändert sich mit dem Experiment von Modeprotest. Ganz im Sinne der Slow-Fashion-Bewegung rufen die Diplomdesignerinnen Lenka Petzold und Annika Cornelissen dazu auf, vom 18. Februar – 04. April 2015 den eigenen Kleiderschrank zu entleeren und das eigene Konsumdenken zu beleuchten. Ziel ist es, bis zum Osterfest mit 50 Kleidungsstücken auszukommen.

Herausforderung angenommen!

Seit 1 1/2 Jahren reduziere ich mein Hab und Gut vor allem in diesem Bereich und habe festgestellt, dass ich so gar nichts vermisse. Nicht die Shoppingtouren durch überfüllte Kaufhäuser, bei denen ich mit gierigem Blick und ruhelos doch nur genauso unausgeglichen nach Hause gekommen bin. Seitdem ich nicht mehr bei Primark, H &M, Zara und Co. einkaufe, fällt mir der unangenehm chemische Geruch schon vor den Pforten auf. Ich leihe mir stattdessen Feshes über die Plattform Kleiderei und vergesse auch schon mal das Oberteil, bei dem ich einen Tag vorher noch überlegt habe, ob es mir nicht fehlen wird. Damit bin ich, was die Relation von Luxus und Notwendigkeit im Bereich Bekleidung angeht schon wesentlich rationaler geworden, und vor allem zufriedener.

Trotzdem: 50 Kleidungsstücke, unabhängig von Winter und Frühlingssaison? Das Vorhaben ist eine Herausforderung, der ich mich gerne spielerisch stelle. Meine facebook-„Freunde“ habe ich zur der Akion eingeladen. Wenige nehmen teil, mehr lehnen ab, die meisten reagieren nicht. Doch auch wer bereits Minimalist ist und nur 50 Teile aktiv trägt, kann sich weiterentwickeln. Und Ballast in Form von Klamottenhaufen und Fehlkäufen an die Kleiderei schicken, per Kleiderkreisel verkaufen oder verschenken. Kann sich mal umschauen, ob es nehmen Ausbeutern auch Marken gibt, die kein Blut von Kinderhänden mit in ihre Kleidung nähen. Kann herausfinden, welche Teile er immer, wirklich immer mit Stolz und Liebe tragen würde, wenn die Qualität reicht. Es ist ein Schritt in ein schönes Dasein. Innen wie außen!

 

 

 

 

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Youki – „Glück ist langweilig“

 

Auch am Donnerstag war auf dem Filmfestival wieder viel los. Es begann schon in der Früh um 7 Uhr: Einige aufgeweckte Kinder rannten kreischend und Türen schlagend durch den Gang vor unserem Zimmer und rissen uns damit auf grausamste Weise aus unseren süßen Träumen…

 

Dementsprechend müde saßen wir nach dem Frühstück im Alten Schlachthof und sahen uns die am Wettbewerb teilnehmenden Filme an.

Da so viele Filme eingereicht wurden, dauerte das wieder bis in den späten Vormittag hinein, sodass wir uns direkt im Anschluss auf die Suche nach etwas zum Essen machten: Es gibt einen McDonalds in Wels!

 

Um 15.30 Uhr kam dann der 2. Teil des Filmsofas: „Ich möchte Teil einer Protestkultur sein oder: Im Zweifel für den Zweifel“. Zu Gast waren diesmal Peter Schernhuber von der Festivalleitung der Youki, Vera Schöpfer von Screenagers und Agnes Aistleitner, Macherin des Films „State of Revolution“.

In dieser Folge des Filmsofas ging es zwischen Zusammenhänge von Festivals und Protest, von Filmen und Protest. Führt man den Protest weiter, wenn man einen Film dazu produziert? Welchen Personen gibt man ein Forum und welchen nicht?

Diese Fragen wurden – wieder live im dorf tv – gestellt und diskutiert.

Vera Schöpfer war Leiterin eines Projektes, in dem 6 deutsche und 6 griechische Jugendliche zusammen Dokumentarfilme gedreht haben – sowohl in Deutschland als auch in Griechenland. Allerdings kamen ihnen kurz vor ihrer Reise nach Griechenland die dortigen Demonstrationen in die Quere. Sie entschieden sich jedoch, trotzdem hinzufahren. Dort angekommen, wechselten sie kurzentschlossen ihr Thema – statt einen Film über einen Astrologen zu drehen, dokumentierten sie die Protestbewegung und drehten den Film „Athens Calling„: „Nach der großen Demonstration gegen die Sparbeschlüsse des Parlaments brennen mehr als 40 Gebäude in Athen, darunter drei Kinos. Unmittelbar nach den Krawallen durchstreifen junge deutsche und griechische Filmemacher die Stadt und suchen Antworten auf die Frage: Warum der Angriff auf die Tempel der Kultur?  Stimmen von Athener Künstlern, Lehrern, Jugendlichen, Politikern – Eindrücke und Bilder aus einer Stadt am Abgrund.“ (screenagers.de)

Auch Agnes Aistleitner beschäftigte sich in ihrem Film „State of Revolution“ mit einer Protestbewegung. Dabei war sie jedoch nicht in Griechenland, sondern in Kairo. Ihr Anliegen war es, zu untersuchen, ob das Bild, das die Nachrichten von der Situation zeichneten, wirklich der Realität entsprach. Dafür suchte sie die Begegnung mit Menschen, die ihr ihre Sicht darlegen konnten und startete eine Gesprächsrunde.

Peter Schernhuber war gewissermaßen Vertreter für die Festivals und legte seine Meinung zum Zusammenhang zwischen Protest und Festivals dar.

Dieser zweite Teil des Filmsofas hat mich wesentlich mehr gefesselt als der letzte, denn er gab mir neue Denkanstöße. Bisher hatte ich nicht darüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, einen Film über Protestbewegungen zu drehen. Bezieht man damit Stellung? Ist es überhaupt möglich, in einem solchen Film die eigene Meinung außen vor zu lassen? Denn schon beim Zusammenschneiden des Materials muss man sich ja für bestimmte Stellen entscheiden und andere auslassen. Bezieht ein Festival Stellung, wenn es einem solchen Film eine Plattform bietet?

Besonders zu denken gegeben, haben mir zwei Aussagen von Vera Schöpfer: „Wenn man einen Film machen will, muss es einen bewegen. Weil sonst macht man keinen guten Film.“ und „Glück ist langweilig.“

Ich finde, diese beiden kann man nicht nur auf Filme beziehen, sondern auf unser komplettes Leben. Was wäre, wenn alles immer fantastisch wäre – könnten wir uns dann überhaupt noch für etwas begeistern? Schließlich gäbe es nichts Außergewöhnliches mehr.

Eure BerlinImPulserin Katja

Anmerkung: Der Film „Athens Calling“ ist momentan nur in Ausschnitten zu sehen. Wenn ihr den vollen Film sehen wollt, solltet ihr eine Anfrage an vera(at)screenagers.de schicken.

 

 

 

 

Step Up 4

Filmrezension „Step Up 4“

 

Titel: Step Up 4

Länge: 99 Minuten

Filmstart: 30.8.2012

Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=KZ6AoqdUGC8

Erst kürzlich, am 30.8.2012, erschien Step Up 4 – und ich als Tanzbegeisterte musste ihn mir natürlich sofort ansehen.

Wie in jedem Tanzfilm (oder gibt es Ausnahmen?^^) gibt es eine männliche und eine weibliche Hauptperson, in diesem Fall Sean und Emily. Sean leitet eine Gruppe namens „The Mob“, die es sich – wie der Name schon sagt – zur Aufgabe gemacht hat, sich durch eindrucksvolle Tanzflashmobs eine Stimme zu verleihen. Emily dagegen stammt aus einer ganz anderen Welt und möchte professionelle Tänzerin werden.

Wie nicht anders zu erwarten, treffen die beiden aufeinander und verspüren bereits beim ersten Mal die gegenseitige Anziehungskraft. Doch schnell wird klar, dass Probleme im Anflug sind. Überraschenderweise gibt es diesmal kein Battle, das gewonnen werden, kein Vortanzen, das schlussendlich erfolgreich gemeistert werden und keinen Abschlusstanz, der die Menge begeistern muss – diesmal muss ein ganzes Stadtviertel gerettet werden!

Denn das Viertel, aus dem „The Mob“ stammt, soll abgerissen und komplett neu aufgebaut werden. Dadurch müssten tausende Anwohner umziehen, die sich dort in teilweise jahrzehntelanger Arbeit ein Leben aufgebaut haben. Nun heißt es Protest! Und zwar auf ihre Art: Durch Tanz.

Ich muss sagen, dieser Tanzfilm hat mich wirklich umgehauen. Nicht nur, dass er tatsächlich eine gewisse Story hatte (das hätte ich ja nicht mal verlangt), die Tanzszenen waren auch absolut sagenhaft! Durch die Idee der Flashmobs fehlt es nicht an Kreativität, es wird sich immer wieder etwas Neues ausgedacht, um die Aufmerksamkeit der Leute zu erlangen. Ob dies nun mitten auf der Straße, auf den Dächern von Autos oder im Museum mit plötzlich lebendig werdender Kunst ist.

Zusätzlich zu den neuen Charakteren haben auch ein paar aus den vorhergehenden Filmen einen erneuten Auftritt – darunter auch Moose!

Wenn ihr also nicht vor einem überteuerten Kinopreis zurückschreckt, da auch dieser Film nur in 3D im Kino läuft (was mein Portemonnaie äußerst bedauerlich findet), dann kann ich euch Step Up 4 nur empfehlen!

Empfehlung: 5/5 Fernsehtürme

KreaTiefität: 6/5 Fernsehtürme 😀

Tipp: Auf dem YouTube-Channel von Step Up (StepUpMovie) findet ihr viele interessante Clips zu den Step Up-Filmen.

 

Eure BerlinImPulserin Katja

 

 

Quelle Artikelbild: stepup4.de