mojave-desert-5108_1280

Saubere Sache: Klos spenden

Man kann die Sekunden zählen. Nicht viel mehr als acht nach dem Spülgang gibt unsere Toilette gequälte Geräusche von sich. Erst ein kurzer Tritt bringt sie zum Schweigen. Immerhin: Wir haben eine. 

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Poesie sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden! 

Den Zugang zu hygienischen Toiletten? Nehme ich für selbstverständlich. Eine derart saubere Situation ist in Schwellenländern wie Indien trotz wirtschaftlichem Aufstieg nicht garantiert. Trocken-Klos oder Wasser zum Waschen sind entgegen Erwartungen nicht allein in indischen Slums dürftig, auch zentrale Städte haben Mangel. Die Frage stellt sich, wie sich eine Gesellschaft gut entwickeln soll, wenn es den Menschen an grundlegendsten Werkzeugen für die Befriedung ihre Bedürfnisse fehlt.

Es braucht Mut, um Misstände zu ändern

Vier junge Berliner haben sich eine Lösung ausgedacht, statt nur eine theoretische Antwort zu formulieren. Mitsamt Fahrrädern, dem 10 000 Kilometer entfernten Reiseziel Indien und ihrer Mission, 10 000 Euro Spenden für sanitäre Anlagen zu sammeln.

Unter dem motivierten Projektnamen „Guts For Change“ (zu deutsch: Mut zur Veränderung) schwangen sich Thomas, Maushami, Erik und Johann mit GPS-fähigen Smartphones statt Landkarte auf den Sattel. Ihr Ziel: die Millionenstadt Pune innerhalb 10 schweißtreibenden Monaten zu erreichen. Mit Kamera im Gepäck hat sich das Gespann bei ihrer persönlichen Tour de monde für den guten Zweck dokumentarisch begleitet.

Gestartet sind sie 2011 mit großem Publikum vom Brandenburger Tor aus, während sie via soziale Netzwerken ihre Unterstützer, Fans und Geldspender mit Bildern und tagebuchähnlichen Infos fütterten.

Wer meint, das klingt ganz nach größenwahnsinnigen Idealisten, die in ihrem freien Jahr nichts mit sich anzufangen wissen, der irrt. Der Plan ging auf.

 Soziale Misstände als sportliche Herausforderung sehen

Die kleine Dokumentation ist das erste Video seit Jahren, das ich mir vollständig und mit Begeisterung am Stücke anschaue. Auch nach dreißig Minuten lässt mein Fokus nicht nach. Zu sehen, mit wie viel Spontanität, Humor und Sportgeist sich die vier auf einen Weg durch zehn Länder machen, die unterschiedlicher nicht seien könnten: Brandenburg, Ungarn, Türkei, Pakistan…

Hier geht’s zum Video!

Überall gibt es intime Einblicke in das Land, die gastfreundlichen Menschen; erzählen die Fahrer von ihrem Muskelkater, von Freundschaften trotz Sprachbarriere. Alle vier wachsen zusammen. Zwischendurch werden sie auseinander gerissen, mal durch ein Jobangebot, mal durch den bitteren Fakt, das Maushami’s Visa aufgrund ihrer afrikanischer Abstammung und der politischen Lage im Iran nicht verlängert wird. So führen sie den ab dort an etwas steinigen Weg ohne Maushami, doch manchmal ist der Weg das Ziel, sagen sie selbst. Trost: Die 10 000 Euro sind nach Iran bereits erreicht, die Summe erhöht sich auf 15 000 für 15 weitere Toiletten. Heute hat sich GutsForChange als feste und transparente Organisation etabliert, die auch zukünftig ehrenamtliche Projekte unterstützt.

Ich ziehe meinen Fahrradhelm

Bei jenen Webseiten, auf denen sich Bilder für Facebook finden, hatte ich mir einst folgendes abgespeichert: „Lasst uns eine Schweigeminute einlegen für all die armen Leute, die mit ihrem Auto im Stau stecken, auf dem Weg zum Fitnessstudio, um dort stationäre Fahrräder zu radeln.“

Beschämt denke ich an mein Aufwärmtraining in besagtem Gym von gestern, an mein unbenutztes Klapperfahrrad im Keller und daran, wie viele gemeinnützige Projekte ich kenne und mich nicht einsetze. Statt Schweigeminute widme ich diese Kolumne als Hommage denen, die bereits aktiv werden.

Über das aktuell Projekte der „Guts For Change“- Gruppe könnt ihr euch hier informieren:

Hier gehts zu Gennas facebook-Kolumne! 

 

 

go_vegan

Warum Sonntagseier böse sind, Käse aber toll! 1 Monat vegan leben!

 

Ein Jahr lang kein Fleisch, jegliche Diäten- sei es mit Almased-Pulver angerührter Kakao zum Abendessen, keine Süßigkeiten mehr oder eine Woche lang Kohlsuppe! Ich habe schon alles ausprobiert um dünner, vitaler oder einfach fitter zu werden. Seit ich gut kochen und für mich alleine sorgen kann, achte ich auf meine Ernährung und versuche auf Ungesundes zu verzichten. Das einzige woran es sich noch zu wagen galt, war das Leben als Veganer! Im Wissen diszipliniert und beharrlich zu sein, nahm ich mir also vor, den gesamten Januar des neuen Jahres 2013 auf tierische Produkte zu verzichten…

Der neue Kühlschrank-Inhalt

Ich leerte den Kühlschrank und sattelte um auf Paprika-, Tomaten- und Pilzpasten als Brotaufstrich, kaufte Tofu und Gemüse-Bratlinge und ganz viel Obst und Gemüse. Erfreut stellte ich fest, dass ich weiterhin Nudeln mit Tomatensoße essen konnte. Aufgepeppt mit Artischocken, Rucolasalat oder Kapern konnte dieses Gericht immer wieder variiert werden. Auch Nudelsalat oder Reis mit asiatischem Gemüse in Kokosnussmilch ließen sich leicht zubereiten. Die erste Hürde stellte sich als der Geburtstag meiner Freundin heraus, bei dem ein Buffet voller Milchprodukte, Fisch und Fleisch serviert sowie die leckersten Torten und Kuchen aufgefahren wurden. Mir fiel es sehr schwer bei dem Anblick dieser Herrlichkeiten auf einem Margarine-Brot mit Tomaten herum zu kauen und fühlte mich nach einem Haufen Chips mehr als schlecht. Dessen ungeachtet ging diese Folter schnell vorüber und ich lernte mit der Zeit immer mehr Produkte kennen, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie Tierisches enthalten. Angefangen mit weißen Brötchen und Eiernudeln bis zu pflanzlichen Aufstrichen. Schadenfroh wurde ich nämlich nach einer Woche veganem Lebens von Freundinnen darauf hingewiesen, dass in meinem Tomatenaufstrich Honig enthalten ist! Erbost warf ich diesen sündhaft teuren Genuss in den Mülleimer! Zudem bemerkte ich viel zu spät, dass die Margarine die wir immer kaufen, Joghurt enthält. Auch meine heiße Zitrone im Café war viel zu sauer um sie ohne Honig trinken zu können. Der Zucker den ich stattdessen hinein löffelte, machte mir ein furchtbar schlechtes Gewissen. Schwarzer Kaffee hing mir bald zum Hals raus und die Massen an Tee konnten mich auch nicht aufheitern.

Immer wieder: Diskussionen!

Viel zu oft wurden mir Leckereien angeboten und mit einem mitleidigen Blick wieder entzogen: „Achja, du lebst ja vegan. Das hatte ich ganz vergessen!“. Immer wieder führte ich einige „Fleisch ist nicht alles“-Debatten mit männlichen Freunden, welche ich erst damit milde stimmen konnte, dass ich im Februar wieder damit aufhören wollte. Interessant war es, dass viele gar nicht wissen, dass man als Veganer auch keinen Honig, keine Milch und keine Eier isst. Es war immer wieder schwierig zu erklären, warum diese E

rzeugnisse, welche ja kein Leiden verursacht haben, nicht gegessen werden dürfen. Das einzige was mir dazu einfiel war das Argument, dass den Kühen, Hühnern und Bienen die Milch oder die Nahrung für den Nachwuchs genommen wird und vor Allem das die potentiellen Kinder als Sonntagseier verspeist werden. Diese Versuche der Rechtfertigung ernteten bloß spöttisches Grinsen und mein hinterher geworfenes Argument „Gott hat das so bestimmt nicht gewollt“ ließ die mir Gegenüberstehenden kalt. Im Gegenteil wiesen diese prustend daraufhin, dass ich doch Atheistin sei. Somit gab ich es bald auf, meine vegane Ernährung rechtfertigen zu wollen. Es ging mir nach einiger Zeit auf die Nerven in jedem Restaurant und Café penibel nach den verwendeten Zutaten zu fragen und vegane Gerichte zu finden. Mit einem unschlagbaren Lächeln im Gesicht und einer zuckersüßen Stimme bezirzte ich all die Verkäufer und Kellner um es nicht zu riskieren, doch Parmesan auf meinem Salat zu finden.

Ein Hoch auf Soja!

Bald machte es mir jedoch auch Spaß immer neue Alternativen im Supermarkt zu entdecken: Vanille-Soja-Joghurt mit Früchten bildet heute noch meinen allabendliches Dessert, Chilinudeln mit Tofu sind eine Delikatesse, Soja-Salami schmeckt widerlich und Gemüse-Bratlinge schmecken wiederum fantastisch. Eines Tages durfte ich erleben, dass man Gleichgesinnte schnell auf sich aufmerksam machen kann, wenn man denn nur einen verdächtigen Einkauf auf das Laufband legt. Meinen Soja-Joghurt, ein paar Bananen, Tomaten, Salat und Gemüseecken einkaufend wurde ich von einem Studenten angesprochen und befand mich Sekunden später in einem hitzigen Austausch über vegane Esserfahrungen. An der Kasse angekommen flüchtete ich jedoch nach dem Bezahlen, da ich mir nicht sicher war, ob dieses Gespräch vertieft werden sollte.

Positiv überrascht hat es mich, dass manche Bäckereien Inhaltstafeln führen, auf denen man selbst herausfinden kann, was man zu sich nimmt und auch das es das ein oder andere vegane Café in Berlin gibt, in denen leckere Kuchen und Latte Macchiatos mit Soja-Milch angeboten werden. Auch der Fressneid auf leckere Sahnesoßen in den Töpfen meiner Mitbewohnerin oder aber Schokoladenriegel in den Händen meiner Freunde ließ langsam nach und ich wurde immer stolzer darauf solange durchzuhalten. Das vegane Leben zu Hause stellte sich als leichter als gedacht heraus und nur in der Außenwelt hatte ich das ein oder andere Mal mit mir selbst oder mit anderen zu kämpfen. Ich gewöhnte mich bald an diese Ernährung, zählte aber trotzdem heimlich die Tage bis zum Ende des Monats.

Vegan leben auf Dauer?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich ohnehin gerne Pasten, Gemüse, Obst und Tofu esse und daher auch noch weiterhin vegan leben könnte. Gerade weil ich nun weiß, in welchen Produkten Ei enthalten ist und in welchen nicht. Dennoch hatte ich oft das Gefühl mich unausgeglichen zu ernähren und ich halte es für Schwachsinn diesen Lebensstil ohne die richtige Überzeugung durchzuziehen. Ich bin nun mal kein Gegner von Fleischessern und Leder tragenden Menschen- ich liebe Fisch, Hühnchen und Käse und wüsste nicht, warum ich darauf verzichten sollte. Wichtig ist es, zu versuchen Bio-Fleisch und Eier zu kaufen, wenn es der Geldbeutel erlaubt und in Maßen zu genießen. Aber nein danke, ausschließlich vegan leben ist nichts für mich! Trotzdem empfehle ich den Versuch weiter, da ich viele interessante Erfahrungen gemacht habe und nun bewusster mit meinem Milchprodukte-Konsum umgehe!

Nun denn, jedem das Seine- ich habe Lust auf Käse und Wurst 😉

Eure Bip-Reporterin Lilly

 

logo2klein