Bildquelle: Comedy Club Kookaburra

Das „Kookaburra“ – Ablachen im Wohnzimmerstyle

 

Berlin hat viel zu bieten. Es wird für seinen geballten historischen Wert sowie für eine Menge weiterer Highlights angepriesen. Doch was Berlin für mich ausmacht, sind die zahlreichen kleinen Lokale, Cafés, Shops und Kleinkunstbühnen. Eins davon ist das „Kookaburra“. Warum ihr euch das nicht entgehen lassen solltet, erfahrt ihr hier.

von Janina Wildermuth

Bildquelle: Comedy Club Kookaburra

Bildquelle: Comedy Club Kookaburra

Letztens haben mich meine Wege mal wieder in die „Kultstraße“ schlechthin geführt. In der Schönhauser Allee braucht man nicht nach Berliner Szene zu suchen, man findet sie einfach. Jedenfalls ging ich mit dem Plan hin, mir eine Show im „Kookaburra“ anzusehen. Was lief? Ein Comedian aus Köln.

Das „Kookaburra“ wird von einem Inder und dessen deutscher Frau geleitet. Jeden Abend treten unterschiedliche Comedians auf und bringen die Lachmuskeln der ca. 100 Zuschauer zum Schwingen. Alle, die keine Lust auf große Veranstaltungen à la Mario Barths Auftritt im Olympiastadion oder Bülent Ceylan’s Bühnenshow haben, sei gesagt, dass sie im Kookaburra herzlich willkommen sind. Der Club ist ein kleines süßes Lokal, dass mit so viel Liebe eingerichtet ist, dass ich kein Problem hätte, selber da zu wohnen.

Die Betreiber Sanjay und Svenja Shihora stehen persönlich jeden Abend hinter der Bar und bedienen. Doch der Club ist schon lange kein Insider Tipp mehr. Es kommen Zuschauer aus ganz Deutschland und auch aus dem Ausland. Es kann schon mal passieren, dass sogar ein paar berühmte Comedians selbst vorbeischauen. So auch an dem Abend, an dem ich den Comedy Club besuchte. Aufgrund der Interaktionen des Künstlers mit dem Publikum wusste ich, dass Studenten aus Rheinland Pfalz, eine Familie aus Dresden sowie ein Mann aus Schweden anwesend waren. Später kam dann sogar „Cindy aus Marzahn“ herein, die anscheinend das „Kookaburra“ sehr schätzt.

Bei meinen späteren Nachforschungen bin ich darauf gestoßen, dass das „Kookaburra“ eine eigene TV-Show hat. Zu meiner Überraschung befinden sich auf MyVideo 3 Folgen des Talk und Sitcom Formates  über Sanjay‘s multikultureller Familie und seinen Club.

Das Publikum ist total gemischt und die Preise human. Die Stimmung war absolut entspannt und klasse und das Personal und der Club an sich sind wirklich ein Traum. Wenn ihr nun also bereit für die geballte Ladung Comedy im gemütlichen Rahmen seid, dann geht ins „Kookaburra“ und nehmt eure Freunde mit. Ich bin mir sicher, ihr werdet es lieben!

http://www.comedyclub.de/berlin/start.php

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Klischees in Berlin: Öko-Über-Eltern in Prenzlauer Berg

 

von Lilly Jogwer

Neulich im Badeschiff zwischen Franzosen und Spaniern auf einem Liegestuhl sitzend, sprach mich ein Berliner Mittzwanziger an. Er war überrascht, dass er ausnahmsweise mal eine waschechte Friedrichshainerin an diesem Touri-Treffpunkt entdeckte. Der Schöneberger ließ es sich jedoch nicht nehmen, mich sogleich als unsportliche, linke Kiffer-Braut abzustempeln.

Obgleich dies nur einige Vorurteile waren, die er meinem Kiez gegenüber hatte, fühlte ich mich angegriffen und feuerte schlagartig zurück, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Es war nicht das erste Mal, dass ich mit Bezirk-Klischees konfrontiert wurde. Aber dieser Vorfall bewegte mich dazu, mich näher mit all diesen vorgefestigten Meinungen

über unsere Berliner Bezirke zu beschäftigen. Indem ich die Bewohner einfach selbst fragte, konnte ich mir ein Bild von all diesen Klischees machen.

Einer der verhöhntesten Stadtteile ist wohl Prenzlauer Berg, demnach fing ich damit an. Folgende Stereotypen wurden mir genannt:

  • Ökohochburg
  • Indies
  • überall Kinder
  • Clubs weichen für Kinderläder
  • Helicopter-Mamas
  • Spielplätze
  • Multi-Kulti
  • alle sind reich und gelangweilt
  • die Mieten sind unbezahlbar
  • und die Eltern können ihre Kinder nicht erziehen

Um herauszufinden, ob da was dran ist, redete ich mit der Familie Weise, die eine Kinderboutique betreibt, mit befreundeten Jugendlichen und mit einer Mutter und Second-Hand-Ladenbesitzerin. Mit einer Kamera ausgerüstet machte ich mich also auf den Weg Prenzlauer Berg zu erkunden.

Über mehrere Kinderwagen schiebende Muttis stolpernd und einer Herde kreischender Kleinkinder ausweichend, gelangte ich zu der Kinderboutique Hannah, in der ich die liebe Familie Weise antreffe. Der Laden ist in warmen Farben gehalten und überall baumeln Holz-Spielzeuge von der Decke. Als ich die ersten paar Fragen stellte, fing Frau Weise gleich an, zu erzählen. Sie ist der Meinung, dass die Eltern ihre Kinder sehr wohl erziehen können und dass diese „ihre Kinder keine Minute aus den Augen lassen könnenden Helicopter-Muttis“ auch in allen anderen Bezirken anzutreffen sind. Viele Kinder gibt es natürlich, der Laden aber kann davon nur profitieren. Genauso hält es sich mit den Zugezogenen über die sich so viele beschweren. Ohne ebendiese würden einige Läden gar nicht mehr existieren. Auch Herr Weise äußerte sich mit seiner ruhigen, einlullenden Stimme. Er befindet die Bezeichnung Ökohochburg für zutreffend. Auch North Face Jacken und Soja-Milch laufen ihm immer wieder über den Weg.

Aus dem Laden wieder heraus kommend, habe ich ein gutes Gefühl. Diese Prenzlauer Berger arrangieren sich mit einigen unangenehmen Umständen, machen aber aus allem das Beste und fühlen sich in ihrem Bezirk wohl. Wie es der Zufall will, gehe ich auf die Heinrich-Schliemann- Oberschule in Prenzlauer Berg und eben darum nutzte ich diese Gelegenheit um ein paar befreundete „Einheimische“ zu befragen. Die vier Mädchen Emilia, Saba, Marlene und Lilli verkündeten lachend, sie würden zwar manche Prenzlauer Berger als reiche Club-Mate trinkende Öko-Indies bezeichnen, sehen sich selber aber als chillige, gut behütet aufgewachsene Jugendliche, die null verzogen sind . Offenheit und Vertrauen zu ihren Eltern, die vielen Spielplätze und Parks und die sichere Gegend, hat ihnen eine schöne Kindheit beschert. Es gibt schon viele Eigentumswohnungen und Touristen- aber ist das nicht in jedem Bezirk so?! Diesen Äußerungen kann ich als Friedrichshainerin die hier zur Schule geht nur zustimmen, denn ich erlebe diese Mädels tagtäglich genau so.
Auf Empfehlung meiner Freundin Emilia besuchte ich zuletzt den schönen Second-Hand-Laden „Fräulein Loretta“ ihrer Mutter Susan Bähr. Dieser befindet sich direkt am Kollwitz-Platz im Zentrum Prenzlauer Bergs und bietet ein Paradies der unterschiedlichsten Kleidungstücke. Die aufgeweckte Ladenbesitzerin nahm sich ein paar Minuten und setzte sich mit mir vor den Laden. Sie ärgert sich insofern über die ihr gegenüber erwähnten Vorurteile, als dass sie zwar manche davon nachvollziehen kann, die meisten aber nicht auf alle Prenzlauer Berger zutreffen müssen. Das Phänomen „Reiche, gelangweilte Schicki-Micki-Muttis, die kleine Prinzen und Prinzessinnen in Baggis durch die Straßen schieben“ ist ihr durchaus bekannt. Susan Bähr ist auch schon oft aufgefallen, dass viele Eltern mit ihren Kindern wie mit Erwachsenen reden. Im Allgemeinen erziehen die Prenzlauer Berger ihre Kinder aber kreativ-locker und individuell. Die Zugezogenen bereichern natürlich die Kundschaft, das Einzige was sie nicht gerne mit ansieht ist, dass all die Clubs und Bars allmählich den vielen Kinderläden weichen. Die Klischees lassen den Bezirk unattraktiv erscheinen, obwohl es so wundervolle Ecken gibt.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten und ich eine kleine Runde durch ihren Laden machen durfte, ging ich also mit all diesen Informationen durch Prenzlauer Berg nach Hause. Ich glaube, viele Klischees stimmen zwar. Dennoch sollten sie keinen Schatten auf die tollen Cafés, Bars und Parks werfen, denn ich persönlich verbringe meine Zeit unglaublich gerne dort und die Leute sind super nett.

 

Fotos: Lilly Jogwer

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