Apple-Check: 12 Tage Geschenke – Tag 8

Apple macht gerne alles anders als die anderen. Das wird gerne bemängelt, kann aber auch echt gut sein. Beispielsweise macht Apple nicht als 10.000ste Firma einen Adventskalender – nein, sie verteilen Geschenke nach Weihnachten und verpacken das dann hübsch in eine App.
Diese App heißt 12 Tage Geschenke und ist kostenlos im App Store erhältlich. Und hier wird getestet, was die Geschenke taugen und ob man sich den Speicherplatz lieber sparen sollte, denn zum Teil sind auch Blockbuster dabei – zumindest wenn man in Cupertino so großzügig ist, wie in den letzten Jahren.
Heute gibt es das achte Geschenk: das iBook Wassermelone – laut Apple ein Roman, der zuerst in London und später in Dublin spielt. Es geht kurz gesagt um folgendes:

    Claire liegt im Krankenhaus und erfährt direkt nach ihrer Geburt, dass ihr Mann sie verlässt. Da sie dachte, dass das die richtig echte große Liebe zwischen den beiden war, bricht für sie die Welt zusammen – denn jetzt ist sie eine übergewichtige, hässliche Wassermelone in Stiefeln; die von ihrem Mann für die Nachbarin verlassen wurde und nebenbei auch noch ein Kind großziehen muss. Doch irgendwann überrascht sie ihr Mann und dann ist das Chaos perfekt.

Klingt zwar erstmal nicht so toll, ist aber ein süßes Buch, dass echt Spaß macht zu lesen, weil die Charaktere toll gestaltet sind und die Schreibweise einen mitnimmt. Alles in allem eine komplette Leseempfehlung.
Aber genauso wie beim erstes Gratisbuch Kälteschlaf gilt auch hier die Einschränkung: auf einem iPhone ist das Lesen kompliziert und man ist mehr mit umblättern als mit lesen beschäftigt. Und auf dem iPhone hat das Buch über 1000 Seiten, auf dem iPad nur knapp 400…

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Die Alternative der Woche! mit Lucy Rose

London, Marylebone Station – ein hageres Mädchen klettert aus dem Zug. Ihr blondrotes Haar verdeckt leicht die schüchternen Rehaugen, mit denen sie sich in der riesigen Halle umblickt. Sie wirkt ein wenig verloren, während sie mit einer Hand den Griff eines Gitarrenkastens umklammert.
So ungefähr muss es ausgesehen haben, als Lucy Rose Parton sich aus ihrer Heimat Warwickshire aufmachte und in London ihren großen Durchbruch suchte.

London – Olympiastadt, Stadt des skurrilen Humors, aber vor allem der Dreh und Angelpunkt für musikalische Talente und kreative Köpfe. Doch sie ist eine von vielen, wirklich vielen unter ihnen, und man weiß in der britischen Hauptstadt nur zu gut: einzig wer schnell genug ist, seine Chancen nutzt und Kontakte knüpft, schafft es mit Glück irgendwie unter Umständen, Teil von Londons pulsierender Musikszene zu werden.
Die Vorraussetzungen sind gut, und der Ehrgeiz erst recht da: auf dem heimischen Klavier komponiert sie früh erste Stücke, als Teenie kauft sie sich eine Gitarre und flott hat sie mit 16 schon die ersten Stücke fertig, welche die schüchterne Engländerin aber bis dahin kaum jemanden hören lässt.
Erst auf Open-Mic Veranstaltungen offenbart sie ihr Talent und ihren sensiblen Indie-Folk Pop á la Joni Mitchell der breiteren Öffentlichkeit: mithilfe ihrer zarten Stimme und einer Gitarre, zu der sie eine intensive Busenfreundschaft pflegt. Es könnte gar nicht besser kommen, als sie auch noch auf Jack Steadman trifft, Frontmann der britischen Indie-Rocker „Bombay Bicycle Club“.

Ihr fragt euch, was danach kam?
Eine gemeinsame Single („Flaws“), ein Dutzend eigene Tracks, die Mitwirkung am dritten Bombay Bicycle Club Album „A Different Kind Of Fix“, die eigene Band, sogar eine eigene Teesorte! Ja, ihr habt richtig gehört: ‚Builder Grey‘ ist eine von Lucy Rose entwickelte Teesorte (2 part english breakfast tea:1 part Earl Grey).
Die Vogue jedenfalls hält sie für „one of indie music’s breakout stars for 2012“, wovon sich die meisten am 24. September selbst überzeugen können – dann nämlich erscheint ihr Debütalbum „Like I Used To“.

klingt für mich nach… hauchfeinem, subtilem Folk für das Indie-Ohr

würde sich gut verstehen mit… Feist, Noah and The Whale, Mumford & Sons

am besten zu hören… bei typischem Londoner Regenwetter und einer Tasse ‚Builder Tea‘

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Die Alternative der Woche! mit Hot Chip

Mit Hot Chip ist es so eine Sache. Auf der einen Seite ist da ist dieser düstere Elektro Pop, der sich fast so psychedelisch anhört, dass man sich schon um den Geisteszustand der fünf Londoner sorgen möchte. Aber andererseits besitzt dieser basslastige, kleinteilige, gleichzeitig auch entspannte Synthie Pop ein Suchtpotenzial wie eine Flasche Club Mate: der erste Schluck ist gewöhnungsbedürftig, aber danach kannst du einfach nicht mehr aufhören. Zwar vielleicht keine Musik mit Sofortwirkung, doch mit schweren Folgen: Meine Hot Chip-Sucht war so groß, dass ich fast mein gesamtes Erspartes für alle fünf Alben der im Jahre 2000 gegründeten Band geopfert hätte.

So ging es wahrscheinlich nicht nur mir, denn Hot Chip stürmten mit ihren letzten vier Alben die britischen Charts und wurden außerdem für den Mercury Music Prize nominiert. Naja, wenn auch noch die renomierteste britische Musikzeitschrift, das NME Magazine, ihre Single „Over and Over“ als beste Single des Jahres 2006 auszeichnet, können die Begründer und Sänger der Band Alexis Taylor und Joe Goddard mitsamt Instrumentalisten mit ihrer verschrobenen Art schonmal nichts falsch gemacht haben.

„Night And Day“ ist ihre aktuelle Single, die auf ihrem 2012 neu erschienenen Album „In Our Heads“ zu hören ist. Der vorgestellte Song „One Pure Thought“ hingegen ist etwas gemächlicher, schöner, „harmloser“ und erschien 2008 auf dem Album „Made In The Dark“.

klingt für mich nach… Musik von Hipstern für Hipster

würden sich gut verstehen mit… LCD Soundsystem, Cut Copy, Metronomy

am besten zu hören… als Hot Chip-Einstiegsdroge

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Die Alternative der Woche! mit Sound Of Rum

Wenn Kate Tempest und die Musik zusammentreffen… dann kann ja nur etwas gutes dabei herauskommen.

Miss Tempest ist die Sängerin des Londoner Trios „Sound Of Rum“ und schreibt die poetischen Texte der Band, mit reichlich Poetry Slam Erfahrung im Gepäck, welche die Songs der Hip-Hop Combo mit so unglaublicher Tiefe ausstattet. Nicht schon genug des Guten, knallen Sound Of Rum auch noch atmosphärische Jazz Akkorde unter ihre Songs, die alles noch einmal abrunden.
Und das alles mit einem Repertoire nur bestehend aus Schlagzeug, Gitarre, und Kate Tempest eben.

Nun gut, Unterstützung bei der Produktion des 2011 erschienenen Albums „Balance“ gab es reichlich. Unter anderem von Dan Carey, der bereits für Hot Chip und La Roux produzierte, oder auch von John Dent (Bob Marley und PJ Harvey).
Das Ergebnis lässt sich sehen bzw. hören – viel Spaß mit „So Low“!

klingt für mich nach… der Cafeteria-Szene aus „Fame“, als alle spontan zu Kuhglocke und Instrument greifen und Rapper auf den Tischen tanzen

würden sich gut verstehen mit… A. Skillz, Dan Le Sac, Scroobius Pip

am besten zu hören… wenn man seine Rap-Fähigkeiten durch Karaoke Rappen verbessern will – man wird jämmerlich scheitern

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Die Alternative der Woche! mit Les Yeux Sans Visage

Les Yeux Sans Visage – bei den Filmspezialisten unserer Leserschaft sollte es jetzt klingeln. Hmm… War das nicht dieser Horrorfilm aus den 60ern? Ganz richtig!

„Augen Ohne Gesicht“, wie der Filmtitel ins Deutsche übersetzt heißt, ist zugleich auch der Name der dreiköpfigen Post-Punk Formation, die sich ganz prima mit Joy Division verstanden hätte. Warum die Band so heißt? Naja, Parallelen zwischen dem Namen der Band und ihrem Aussehen oder der Musik kann man vergeblich suchen. Vermutlich haben die Schweizer Jungs von Les Yeux Sans Visage auch einfach „Eyes Without A Face“ von Billy Idol gehört, während sie über ihren Bandnamen gegrübelt haben.

Auch wenn der Bandname „Augen ohne Gesicht“ erstmal einen Gruselfaktor hat, ist doch die Musik schön, wenn auch dunkel – eine Reminiszenz an Dark-Wave Bands aus den 80ern. „Oblivion“ stammt nun von ihrer neuen Platte „Tomorrow Is A Million Years“, die letzten Monat erschienen ist.

Wie findet ihr’s?

klingt für mich nach… einem verregneten Tag an einem Fenster in London

würden sich gut verstehen mit… The Sound, Joy Division, The Chameleons

am besten zu hören… wann man eben Post-Punk hört – in allen Lebenslagen