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Erste Finnland-Eindrücke

Oh je, jetzt bin ich schon Wochen hier… Aber wie sieht das denn hier überhaupt aus? Nun, so:

 

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Grüße vom anderen Ende der Welt: Melbourne!

 

Das Meer direkt vor der Nase, umgeben von freundlichen, hilfsbereiten Leuten und jeden Tag etwas neues Erleben. Das heißt es, in einer neuen Stadt am anderen Ende der Welt zu leben. Ist das wirklich so? BerlinImPuls-Redakteurin Lilly ist von August 2013 an für ein Jahr in Australien. Was sie dort erlebt und wie es ihr geht, das schreibt sie uns hier!

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Hallo Berlin!.

Ich melde mich zum ersten Mal aus Melbourne in Südaustralien. Sollte es den einen oder anderen Interessenten geben, der mit dem Gedanken spielt, in das zauberhafte Land von Oz zu reisen, so sollte eben jenem einiges bewusst sein. Das Vorurteil, Australien sei überlaufen von Touristen, stimmt! In der wunderbaren Stadt Melbourne fühlt man sich an manchen Orten wegen der Mitmenschen als wäre man in Europa. Des Weiteren, und ich kann aus mangelnder Erfahrung bisher nur von dieser Stadt sprechen, ist es hier um Längen teurer als in Deutschland. Es gibt keinen H&M aber ein IKEA. In den Straßenbahnen wird man so gut wie nie kontrolliert. Auf dem berühmten Victoriamarkt gibt es Känguruhfüße zu kaufen, welche mit ausgespreizten Krallen als Rückenkratzer fungieren. Es gibt kein vernünftiges Brot. Man sollte auch wissen, dass das Parken hier ungemein teuer ist und man mit dem Autokauf besser erst mal eine Weile warten sollte. Denn es kann passieren, dass man von Euphorie und Naivität gepackt, gleich am zweiten Tag ein Auto kauft und es am dritten Tag abgeschleppt wird. Es kann passieren, dass das vorschnell gekaufte Auto einem Unsummen aufbrummt (wegen immensen Parkgebühren und Strafzetteln). Man merke sich: Parken in Melbourne ist die Hölle! Aber diese Stadt hat auch sehr viel zu bieten. Seien es Gemeinschafts-Gärten, der Strand, aufregende Bars und Clubs, schöne Cafés oder Streetart. Ich vergleiche Melbourne irgendwie mit New York, Barcelona und London. Die Stadt ist schön und vielfältig. Man gelangt immer wieder in eine andere Welt sobald man den einen Stadtteil verlässt und einen anderen zu entdecken versucht. Elefantenhorden von Backpackern suchen Jobs, weswegen man ungemein Glück haben muss einen zu finden. Doch mit genügend Motivation ist alles möglich. Jeder hilft jedem hier in Melbourne. Ruck zuck wohnt man in einer WG mit netten Leuten, arbeitet in einem Café und wird nicht satt von dieser Stadt, die so viel zu geben hat.

So viel für heute. Ich melde mich wieder.

 

Ausführliches aus Lillys Leben in Australien könnt Ihr auf Ihrem eigenen Blog lesen: leeloveslouloveslee.blogspot.com

 

 

 

 

Bildquelle: Lupo/Pixelio

Mit dem Rucksack ans andere Ende der Welt – Checkliste zum Work & Travel


12 Monate, 15.000 km Entfernung, ein Rucksack: Was es heißt, ein Jahr nach Australien auszuwandern und dort zu leben, das weiß BiP-Reporterin Lilly. Denn sie hat genau das vor. In 4 Wochen. Einfach weg. Wie das geht und an was sie dabei alles im Vorfeld gedacht hat, das teilt sie uns in ihrer Checkliste mit.

Von Lilly Jogwer

Bildquelle: Lilly Jogwer

Bildquelle: Lilly Jogwer

Den Kopf frei bekommen, neue Erfahrungen sammeln, zu sich selbst finden. Direkt nach dem Abitur wissen die wenigsten eindeutig, wie sie ihren Lebensweg beschreiten wollen und brauchen eine kurze Denkpause. Ob nun ein freies Soziales oder Ökologisches Jahr, Au-Pair im Ausland, Work & Travel oder einfach Jobben: Ein Jahr geht schnell rum, bringt weiter und macht reifer! Ich schwebe im Moment zwischen verschiedenen Berufsfeldern. Muffensausen überkommt mich, sobald ich mich für eine Universität oder eine Ausbildung entscheiden soll. So habe auch ich mich entschlossen, für mindestens 12 Monate in die weite Welt hinaus zu reisen und einmal Abstand von allem zu Hause zu gewinnen. Trotz des Massenandrangs und der Gefahr, mehr Europäern über den Weg zu laufen als Einheimischen, soll es für mich Australien sein. Die vielfältige Natur reizt mich, welche Berge, Regenwald, Wüste und Korallenriffe beinhaltet. Auch die Möglichkeiten, mein Englisch zu perfektionieren und Geld zu verdienen, haben mich überzeugt, diesen Kontinent zu wählen. Von einer Stadt zu der anderen um nach Kellner- oder Hostel- Jobs Ausschau zu halten, von einer Farm zur Nächsten um Schafe oder Rinder zu hüten und Birnen zu pflücken, mal weg vom Schreibtisch und rein in die frische Luft und die harte Arbeit – das stell ich mir spannend vor. Mit den verschiedensten Leuten tratschen und aus deren Erfahrungen lernen, genau das habe ich vor während meinem Auslandsjahr.

Nun trennen mich noch genau 30 Tage von meinem Traum und ich habe noch einiges zu erledigen. Da es sicherlich noch ein paar andere gibt, die mit einem solchen Vorhaben liebäugeln, hier eine To-Do-Liste mit den wichtigsten Vorbereitungen:

• Flugticket 

Sobald du eine endgültige Entscheidung getroffen hast, solltest du dich auch schon nach Flügen umsehen. Je früher, desto besser und vor allem günstiger. Auf den unterschiedlichsten Internetseiten wie zum Beispiel http://www.billigfluege.de / findet man Hinflüge schon für ca. 600 Euro. Ein im Voraus gebuchter Rückflug kann ganz schön in die Enge treiben oder spannende Planänderungen verhindern – also gut darüber nachdenken.

• Reisepass

Um ein Visum beantragen zu können, benötigst du einen gültigen Reisepass, welchen du in deinem zuständigen Bezirksamt beantragen kannst. Das kostet 59 Euro und dauert 4 Wochen lang.

• Geldanlagen, Kreditkarte

Um ein Visum beantragen und überhaupt einreisen zu dürfen, sind sage und schreibe 5000 $ nachzuweisen. Bei den meisten Banken kannst du kostenlos ein Kreditkarten-Konto eröffnen. Online-Überweisungen und Geld abheben im Ausland stellen so kein Problem mehr dar.

• Visum

Auf der Internetseite des australischen Ministeriums für Immigration kannst du ziemlich schnell und ohne Aufwand das Working Holiday Visa beantragen, solange Reisepass und Geldanlagen zur Verfügung stehen. Zwei Wochen habe ich auf die Zusage warten müssen. http://www.immi.gov.au/

• Krankenversicherung

Über deine nationale Krankenversicherung bist du im Ausland nicht mehr versichert, weshalb es sich empfiehlt, eine Partnerorganisation zu finden, die Auslandsversicherungen für 12 Monate anbietet. Die meisten Versicherungen bieten zum Beispiel ein Rundum Paket für ca. 300 Euro an. Damit bist du durch und durch versorgt und brauchst bei Schlangenbissen keine Todesangst zu bekommen.

• Impfpass

Für Australien brauchst du keine außergewöhnlichen Impfungen, es sei denn, du möchtest nach deinem Aufenthalt nach Asien reisen, wofür Malaria- und Hepatitis A+B-Impfungen von Relevanz wären. Ein internationaler Impfpass und eine Überprüfung der Grundimpfungen sind aber durchaus ratsam.

• Führerschein

Falls du mit dem Gedanken spielst, dir ein Auto zu kaufen, solltest du nicht nur deinen Führerschein in Deutschland absolvieren, sondern auch einen internationalen Führerschein beantragen. Das passiert ebenso beim zuständigen Bezirksamt. Ohne diesen bist du nicht berechtigt, dir ein Auto zu kaufen, geschweige denn zu fahren. Der internationale Führerschein kostet 15 Euro und wird noch am gleichen Tag ausgestellt.

Das sind wohl die 6 wichtigsten Punkte, die man vorher regeln sollte, denn alles andere kann man sich im schlimmsten Falle vor Ort besorgen. Natürlich sind ein guter Rucksack (um die 65l Fassungsvermögen), eine kleinere Version als Handgepäck, ein Bauchgurt und eine Hand voll Klamotten, eine Reiseapotheke, ein Adapter und ein Laptop auch von Nöten. Doch um diese „Kleinigkeiten“ kann man sich auch noch kurz vor Schluss kümmern.

Lest ab September hier, was mich in Australien erwartet, was ich erlebe und was ich so mache in der BiP-Kolumne „Grüße vom anderen Ende der Welt…“

Bildquelle Artikelbild: Lupo/Pixelio

 

 

Der Sommer ist da! 10 Tipps, wo Berlin am schönsten ist …

 

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Sehnlichst haben wir darauf gewartet, eingekuschelt in Decken und einem heißen Kakao in den Händen davon geträumt und in Erinnerungen geschwelgt. Sommer in Berlin beginnt mit den Jahren immer später und endet früher, wird unerträglich heiß oder zu kalt. Obwohl diese Jahreszeit in unserer Hauptstadt so wunderbar sein kann. BiP Reporterin Lilly Jogwer hat für euch 10 Tipps zusammengestellt, wie ihr die viel zu kurze schöne Zeit am besten geniessen könnt….

1. Ein Trip zum Weißen See
Ein kleiner Spaziergang drum herum oder ein Sprung ins kühle Nass – es gibt viele schöne schattige Plätze und auch ein paar Geheimorte für die Zweisamkeit. Ein Springbrunnen mitten auf dem See reflektiert das Licht in wunderbarer Weise. Und mit einem Einweggrill kann man sich auch schnell ein paar Würste grillen.

2. Grillen im Treptower Park
Viele ausgelassene Leute, schöne Vegetation und der Blick auf die Spree. Das Gefühl, die Promenade entlang zu laufen, erinnert ungemein an die Ostsee. Ein kleiner Ausflug auf die Insel lohnt sich – somit hat man den Blick auf einen Großteil des Parks. Tretboote oder runde Grillboote bieten ein wenig Abwechslung nach einem ausgiebigen Sonnenbad.
http://www.treptowerpark.de/

3. Ein Abend im Freiluftkino
Ein Film in der milden Dämmerung auf einer Picknickdecke ist nicht nur wegen des selbstmitgebrachten Popcorns günstiger, sondern auch viel aufregender. Ein mildes Lüftchen, Vogelgezwitscher und Blätterrascheln ergänzen die gezeigte Geschichte. Ein sehr positiver Nebeneffekt ist auch die Tatsache, dass du endlich mal deine Sitznachbarn erkennen und vielleicht danach in ein anregendes Gespräch verfallen kannst.
http://www.freiluftkino-berlin.de/

4. Eine kühle Cola auf der Wiese an der East Side Gallery mit Blick auf die Oberbaumbrücke.
Drum herum gibt es viele Cafés und Imbissbuden um sich zu versorgen und man hat viel Platz um sich auszubreiten. Im Gegensatz zu vielen Parks ist es hier etwas ruhiger und man kann Boote aus nächster Nähe betrachten. Man könnte fast sagen, die Atmosphäre ist persönlicher. Einfach Urlaub.
http://www.eastsidegallery-berlin.de/

5. Mauerpark Flohmarkt mit anschließendem Karaoke-Spass
Trotz des Massenandrangs und den ganzen Ständen mit überteuertem Selbstgemachtem lohnt es sich dennoch, ein paar Schnäppchen zu machen und Freunde zu treffen. Erschöpft mit vollgepackten Taschen kann man sich dann mit einer Bratwurst auf die Wiese neben dem Flohmarkt sinken lassen und den Karaoke-Klängen lauschen und einfach nur lachen, sich freuen und das Leben in ausgelassener Stimmung genießen.
http://www.mauerpark.info/kultur/mauerparkkaraoke/

6. Salsa lernen und tanzen, angeleuchtet von Lampions und den Sternen- im Monbijou-Park
Die Spree und das Bode-Museum werden spannend angeleuchtet. Wer keine Lust auf das Tanzvergnügen hat, kann sich auch auf einen der vielen Liegestühle setzen und plaudern. Alleine das Beobachten der begnadeten Tänzer ist der Wahnsinn und entführt einen irgendwie eine andere, mediterrane Welt…
http://www.amphitheater-berlin.de/tanz.html

7. Ein Gang über den türkischen Markt am Maybach-Ufer
Gutes Essen, schöne Straßenmusik und lustige Marktschreier. Hier kann man auch Stoffe oder Perlen kaufen. Für wenig Geld gibt es einen vollen Kühlschrank und ein schönes Erlebnis.
http://www.tuerkenmarkt.de/

8. Live-Musik und Schwimmen im Pool auf der Spree im Badeschiff
Es sind zwar viele Hipster unterwegs und es geht viel um Sehen und gesehen werden. Trotzdem trifft man auf alle Altersgruppen und lernt neue Leute kennen. Eine coole Bar, zolle, oft alzernative Musik, Liegestühle und ein Pool – was will man mehr bei 29 Grad mitten im Sommer ?
http://www.arena-berlin.de/badeschiff/

9. Spontan angekündigte Openairs, zum Beispiel auf der Oberbaumbrücke
Es gibt das Risiko, dass die Veranstaltung von der Polizei aufgelöst wird, doch das Vergnügen auf alltäglichen Plätzen in der frischen Luft zu tanzen, alle möglichen Leute zu treffen und Spaß zu haben, ist es das wert. Und nicht umsonst ist die Oberbaumbrücke ja auch einfach die schönste Brücke Berlins…

10. Skaten oder Picknicken auf dem Tempelhofer Feld
Spannend sind auch die Gemüsebeete, die dort angelegt wurden. Man hat eine weite Sicht, welche in der Stadt nicht häufig zu finden ist. Hier sind vor allem viele Familien unterwegs. Ein schöner Sonntagsausflug im nostalgischsten Naherholungsgebiet der Stadt.
http://www.tempelhoferfreiheit.de

Und was sind eure Berliner-Lieblings-Sommer-Orte?

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Warum Sonntagseier böse sind, Käse aber toll! 1 Monat vegan leben!

 

Ein Jahr lang kein Fleisch, jegliche Diäten- sei es mit Almased-Pulver angerührter Kakao zum Abendessen, keine Süßigkeiten mehr oder eine Woche lang Kohlsuppe! Ich habe schon alles ausprobiert um dünner, vitaler oder einfach fitter zu werden. Seit ich gut kochen und für mich alleine sorgen kann, achte ich auf meine Ernährung und versuche auf Ungesundes zu verzichten. Das einzige woran es sich noch zu wagen galt, war das Leben als Veganer! Im Wissen diszipliniert und beharrlich zu sein, nahm ich mir also vor, den gesamten Januar des neuen Jahres 2013 auf tierische Produkte zu verzichten…

Der neue Kühlschrank-Inhalt

Ich leerte den Kühlschrank und sattelte um auf Paprika-, Tomaten- und Pilzpasten als Brotaufstrich, kaufte Tofu und Gemüse-Bratlinge und ganz viel Obst und Gemüse. Erfreut stellte ich fest, dass ich weiterhin Nudeln mit Tomatensoße essen konnte. Aufgepeppt mit Artischocken, Rucolasalat oder Kapern konnte dieses Gericht immer wieder variiert werden. Auch Nudelsalat oder Reis mit asiatischem Gemüse in Kokosnussmilch ließen sich leicht zubereiten. Die erste Hürde stellte sich als der Geburtstag meiner Freundin heraus, bei dem ein Buffet voller Milchprodukte, Fisch und Fleisch serviert sowie die leckersten Torten und Kuchen aufgefahren wurden. Mir fiel es sehr schwer bei dem Anblick dieser Herrlichkeiten auf einem Margarine-Brot mit Tomaten herum zu kauen und fühlte mich nach einem Haufen Chips mehr als schlecht. Dessen ungeachtet ging diese Folter schnell vorüber und ich lernte mit der Zeit immer mehr Produkte kennen, von denen ich niemals gedacht hätte, dass sie Tierisches enthalten. Angefangen mit weißen Brötchen und Eiernudeln bis zu pflanzlichen Aufstrichen. Schadenfroh wurde ich nämlich nach einer Woche veganem Lebens von Freundinnen darauf hingewiesen, dass in meinem Tomatenaufstrich Honig enthalten ist! Erbost warf ich diesen sündhaft teuren Genuss in den Mülleimer! Zudem bemerkte ich viel zu spät, dass die Margarine die wir immer kaufen, Joghurt enthält. Auch meine heiße Zitrone im Café war viel zu sauer um sie ohne Honig trinken zu können. Der Zucker den ich stattdessen hinein löffelte, machte mir ein furchtbar schlechtes Gewissen. Schwarzer Kaffee hing mir bald zum Hals raus und die Massen an Tee konnten mich auch nicht aufheitern.

Immer wieder: Diskussionen!

Viel zu oft wurden mir Leckereien angeboten und mit einem mitleidigen Blick wieder entzogen: „Achja, du lebst ja vegan. Das hatte ich ganz vergessen!“. Immer wieder führte ich einige „Fleisch ist nicht alles“-Debatten mit männlichen Freunden, welche ich erst damit milde stimmen konnte, dass ich im Februar wieder damit aufhören wollte. Interessant war es, dass viele gar nicht wissen, dass man als Veganer auch keinen Honig, keine Milch und keine Eier isst. Es war immer wieder schwierig zu erklären, warum diese E

rzeugnisse, welche ja kein Leiden verursacht haben, nicht gegessen werden dürfen. Das einzige was mir dazu einfiel war das Argument, dass den Kühen, Hühnern und Bienen die Milch oder die Nahrung für den Nachwuchs genommen wird und vor Allem das die potentiellen Kinder als Sonntagseier verspeist werden. Diese Versuche der Rechtfertigung ernteten bloß spöttisches Grinsen und mein hinterher geworfenes Argument „Gott hat das so bestimmt nicht gewollt“ ließ die mir Gegenüberstehenden kalt. Im Gegenteil wiesen diese prustend daraufhin, dass ich doch Atheistin sei. Somit gab ich es bald auf, meine vegane Ernährung rechtfertigen zu wollen. Es ging mir nach einiger Zeit auf die Nerven in jedem Restaurant und Café penibel nach den verwendeten Zutaten zu fragen und vegane Gerichte zu finden. Mit einem unschlagbaren Lächeln im Gesicht und einer zuckersüßen Stimme bezirzte ich all die Verkäufer und Kellner um es nicht zu riskieren, doch Parmesan auf meinem Salat zu finden.

Ein Hoch auf Soja!

Bald machte es mir jedoch auch Spaß immer neue Alternativen im Supermarkt zu entdecken: Vanille-Soja-Joghurt mit Früchten bildet heute noch meinen allabendliches Dessert, Chilinudeln mit Tofu sind eine Delikatesse, Soja-Salami schmeckt widerlich und Gemüse-Bratlinge schmecken wiederum fantastisch. Eines Tages durfte ich erleben, dass man Gleichgesinnte schnell auf sich aufmerksam machen kann, wenn man denn nur einen verdächtigen Einkauf auf das Laufband legt. Meinen Soja-Joghurt, ein paar Bananen, Tomaten, Salat und Gemüseecken einkaufend wurde ich von einem Studenten angesprochen und befand mich Sekunden später in einem hitzigen Austausch über vegane Esserfahrungen. An der Kasse angekommen flüchtete ich jedoch nach dem Bezahlen, da ich mir nicht sicher war, ob dieses Gespräch vertieft werden sollte.

Positiv überrascht hat es mich, dass manche Bäckereien Inhaltstafeln führen, auf denen man selbst herausfinden kann, was man zu sich nimmt und auch das es das ein oder andere vegane Café in Berlin gibt, in denen leckere Kuchen und Latte Macchiatos mit Soja-Milch angeboten werden. Auch der Fressneid auf leckere Sahnesoßen in den Töpfen meiner Mitbewohnerin oder aber Schokoladenriegel in den Händen meiner Freunde ließ langsam nach und ich wurde immer stolzer darauf solange durchzuhalten. Das vegane Leben zu Hause stellte sich als leichter als gedacht heraus und nur in der Außenwelt hatte ich das ein oder andere Mal mit mir selbst oder mit anderen zu kämpfen. Ich gewöhnte mich bald an diese Ernährung, zählte aber trotzdem heimlich die Tage bis zum Ende des Monats.

Vegan leben auf Dauer?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ich ohnehin gerne Pasten, Gemüse, Obst und Tofu esse und daher auch noch weiterhin vegan leben könnte. Gerade weil ich nun weiß, in welchen Produkten Ei enthalten ist und in welchen nicht. Dennoch hatte ich oft das Gefühl mich unausgeglichen zu ernähren und ich halte es für Schwachsinn diesen Lebensstil ohne die richtige Überzeugung durchzuziehen. Ich bin nun mal kein Gegner von Fleischessern und Leder tragenden Menschen- ich liebe Fisch, Hühnchen und Käse und wüsste nicht, warum ich darauf verzichten sollte. Wichtig ist es, zu versuchen Bio-Fleisch und Eier zu kaufen, wenn es der Geldbeutel erlaubt und in Maßen zu genießen. Aber nein danke, ausschließlich vegan leben ist nichts für mich! Trotzdem empfehle ich den Versuch weiter, da ich viele interessante Erfahrungen gemacht habe und nun bewusster mit meinem Milchprodukte-Konsum umgehe!

Nun denn, jedem das Seine- ich habe Lust auf Käse und Wurst 😉

Eure Bip-Reporterin Lilly

 

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Kippenpause in der Pampa: Von Möhren, Tratsch und stinkendem Brot im Regionalexpress

 

Letzte Woche hat BiP Reporterin Lilly Jogwer euch erzählt, wie man für 80 Euro ein ganzes Herbstferien-Wochenende in Hamburg verleben kann. Heute berichtet sie von unglaublichen Situationen, denen sie auf dem Rückweg im Regionalexpress begegnet ist… Ihr seid gespannt? Das könnt Ihr auch sein! Los geht´s!

Was ist das letzte, was man sich nach einem auszehrenden Ostsee-Wochenende, dass man fast ausschließlich nur auf dem Fahrrad radelnd oder den Strand entlang spazierend verbracht hat, wünscht? Eine stundenlange Zugfahrt, auf der man nicht im Geringsten zum Schlafen kommt. Des Geldes wegen, wählten meine Freundin und ich das Fahrrad und den Regionalexpress um von Rostock zurück nach Berlin zu fahren.

Willkommen im Regionalexpress

Erschöpft kamen wir am Bahnhof an und hievten unsere gefühlt tonnenschweren Fahrräder in den ohnehin schon fragwürdig alt aussehenden, roten Zug. Ungeachtet der zwei Mittvierziger-Alt-Berliner-Frauen von gegenüber, ergatterten wir die zwei letzten Sitzplätze nebeneinander und schlugen unsere Bücher auf. Nach nicht mehr als 4 Zeilen wurde ich auch schon von der Stimme der mir gegenüber sitzenden, prollig aussehenden Frau aus dem Lesefluss gerissen. Nicht das mit Glitzersteinen besetzte T-Shirt und die viel zu eng aussehende Jeans, sondern ihre ungesund tiefe, kratzige Stimme weckte meine Aufmerksamkeit. Sie drängte ihre Freundin, eine ein wenig beleibtere, liebenswürdig aussehende Frau mit adretten Löckchen in der Stirn, dazu, ihr doch mal die „Bild der Frau“ zu geben, da sie ihre bereits ausgelesen und Lust auf ein weiteres Kreuzworträtsel hatte. Das Alpha-Tier hörte auch nach dem dritten Mal: „Nee, ick bin doch selber noch nicht fertig“ auf zu quengeln. Dieser akustisch dominante Wortwechsel forderte meine Konzentration so sehr, dass ich das Anfahren des Zuges gar nicht bemerkte.

Es gibt sie wirklich: Schaffner mit guter Laune! 

Als ich endlich wieder in mein Buch schauen konnte, wurde auf einmal die Abteil -Tür aufgeschwungen und eine mächtige, ca. 1,80 m große Schwarzhaarige Frau mit Blümchen-Ohrsteckern kam herein getänzelt. Mit flötender durchdringender Stimme bat sie jeden Gast einzeln um sein Zugticket und das mit einer guten Laune und einem Optimismus, den ich so schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen habe. Mit einem schallenden Lachen auf den Lippen schwang sie sich auch schon in das nächste Abteil.

Kippenpause in der Pampa

Ein halbes Stündchen widmete ich mich also meinem Buch, die grölende Studenten-Gruppe in der hintersten Reihe zwanghaft ignorierend. Ein wenig später knüllte ich meinen Pullover zu einem provisorischen Kissen zusammen und versuchte an die Fensterscheibe gelehnt, zu schlafen. Aus meinen Träumen geweckt wurde ich von einer ohrenbetäubend lauten und quietschenden Zug-Ansage, dass wir nun eine Weile in der Prärie halten würden, da wohl einige Flitzer den lahmen Uralt-Zug überholen wollten. Dem nicht genug, animierte der Sprecher die Fahrgäste zu einer netten Raucherpause, welche den halben Zug auf den Bahnsteig beförderten. Unsere liebenswerte Studentengruppe schaffte es nicht einmal, sich eine Zigarette zu drehen, da fuhr der Zug schon wieder an. Schnaufend schob sich die nette Kreuzworträtsel-Frau auf ihren Platz und packte übel riechende Sandwiches zum aus. Ihre Stirn-Löckchen-Freundin erkundigte sich nach ihrer Raucher-Pause, woraufhin diese strahlend meinte: „ Ja Mensch, ne halbe Kippe hab ick nur jeschafft. Aber wat solls, meen Hals hört sich schon viel besser an“. Meine Freundin und ich tauschten einen kurzen Augenbrauen hochziehenden Blickwechsel und versuchten dem Gestank der belegten Brote auszuweichen. Die Fahrt sollte nun nicht mehr lange dauern, nur leider verleiteten die vielen Haltestellen den Zugsprecher dazu, grölende Durchsagen zu tätigen. Nicht lange und unser ganzes Abteil lachte unentwegt.

Öko-Paare essen alles zu zweit

Das sollte uns also die Fahrt bis zum Berliner Hauptbahnhof versüßen? Noch nicht ganz – denn nicht zu vergessen das frisch verliebte Öko-Pärchen, Mitte 40, neben uns, dass es nicht lassen konnte, sich kichernd gegenseitig Kohlrabi, Möhren und Gurken in die Münder zu schieben. Einige Küsse und ein wenig zu laute Gespräche über den neuen Schrebergarten später, fuhr der Zug schließlich in unseren heiß ersehnten Bahnhof ein. Die gutherzige Schaffnerin wünschte uns noch einen schönen Abend und wir stiegen glücklich wieder auf die Räder.

Die Zugfahrt war anstrengender als das ganze Wochenende und doch auch belustigend… im Nachhinein :-)

 

Allseits gute Fahrt wünscht

Lilly Jogwer

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3 Tage, 80 Euro, 1000 Eindrücke und jede Menge Kissen: Ein Wochenende in Hamburg!

 

Mit folgender Problematik hatte ich diese Herbstferien zu kämpfen: Ich bin minderjährig, habe nur wenig Geld und meine eigenwillig geforderte Selbstständigkeit lässt auch keinen Urlaub mit den Eltern mehr zu. Um trotzdem das Gefühl haben zu können, weggefahren zu sein, überlegte ich mir also, mir meine Freundin zu schnappen und einen Städtetrip zu organisieren. Meine Wahl fiel auf die Hansestadt Hamburg, die einerseits der Wohnort meiner Kindheit ist, sowie andererseits die für mich als einzig schöne, aufregende Stadt neben Berlin in Deutschland existiert. Wie ich das trotz knapper Kasse geschafft habe, erzähle ich dir…. hier!

Um das Budget zu schmälern, sollte die Reise nur 3 Tage, also von Freitagmittag bis Sonntagabend andauern. Mithilfe der Internetseite www.mitfahrgelegenheit.de fanden meine Freundin Cora und ich also Norbert und Susanne, mit denen wir unser Bahnticket teilen und für Hin- und Rückfahrt nur läppische 20 Euro bezahlen mussten. Einige Anrufe genügten, um durch alte Freunde einen Schlafplatz und ein Treffen zum Brunch festzumachen. Mit einem Backpacker-Rucksack vollgestopft mit scharfsinnig ausgewählten Outfits, einer Kamera, Geld genug und sonstigem unnützen Zeug stapften wir also zum Berliner Hauptbahnhof um Norbert zwischen einer Traube verschiedenster Menschen anzutreffen. Dieser hatte aus dieser Mitfahrgelegenheit-Idee ein wahres Geschäft gemacht. Kein Problem für uns, nur finde mal in einem vollen Regionalexpress 14 Sitzplätze. Wie dem auch sei, irgendwie haben wir alle einen komfortablen Sitz gefunden.

Von unserer überaus kontaktfreudigen Art geleitet, machten wir sogleich Bekanntschaft mit dem Studenten Nikolaus, der uns von einem Festival am Samstag erzählte. Das kam uns natürlich sehr gelegen, da wir ja gerade auf einen solchen Spaß aus waren. In Hamburg besorgten wir uns Augenwimpern klimpernd das günstigste S- und U-Bahnticket und legten unsere Sachen bei einer liebenswerten alten Freundin ab. Jetzt konnte es losgehen.

Mit einem Haustürschlüssel, einem Regenschirm (ja, es hat wie erwartet geregnet) und allerlei anderem Ausgeh-Repertoire, erkundeten wir die Schanze, die Reeperbahn und den Hafen. Zu Fuß wohl gemerkt. So günstig das Bahnticket auch war, für den Abend hätte es sich nicht gelohnt. Eine mir bis dahin noch nicht aufgefallene Eigenschaft der Hamburger scheint es zu sein, dass uns durchweg dazu geraten wurde ,doch ein Taxi zu nehmen – und das für magere 10-15 Minuten Fußweg. Irgendwie auch charmant, diese Gemütlichkeit. Diese Leute müsste man mal in Berlin aussetzen…

Auf der Schanze entdeckten wir die Bar „thiers“, die zwar ziemlich klein, aber voller cooler Leute und sehr „einlullend“ war. Nach einem Bierchen ging es dann weiter zur Reeperbahn, die uns, wie angekündigt, mit vielen Strip-Clubs und Neon-Leucht-Schildern an Las Vegas erinnerte. Die dort herum laufenden Leute und Clubs verscheuchten uns schnell wieder – dennoch ein ganz guter Tipp für alle über 18-Jährigen: Als Mädchen bekommt man ein Dutzend Freikarten für die verschiedensten Clubs und kann spaßeshalber alles Mal durch probieren – für Lau. Da dies bei mir und Cora nicht der Fall ist, liefen wir also weiter zum Hafen und kamen ohne Probleme in den Angelclub, welcher eher unserem Geschmack entsprach. Unter Papierlaternen, zwischen unverputzten Wänden und genau der richtigen Mischung aus DrummnBass und Dub Step tanzten wir schlussendlich die ganze Nacht durch und konnten in den Morgenstunden das wunderschöne Lichtermeer des Hafens genießen.

Um das Wochenende vollends zu nutzen, quälten wir uns früh genug aus dem Bett um noch ein wenig an der Elbe spazieren zu gehen, eine heiße Schokolade in der mir sehr wohl noch bekannten Strandperle zu trinken und in meinem alten Stadtteil Ottensen etwas essen zu gehen. Das Meer sozusagen fast vor der Nase zu haben, das ist wirklich ein Privileg. Auch die Innenstadt ist zugegeben ein wenig schöner als in Berlin.

Weit, weit weg von diesen mir bekannten Orten befindet sich Wilhelmsburg und genau dort fand das uns empfohlene Festival am Samstag Abend statt. Die „soul kitchen“ , ein stillgelegtes Fabrikgebäude, wurde liebevoll von den Veranstaltern hergerichtet. Alte zusammen gewürfelte Sofas, Sessel und Tische, eine Zuckerwatte-Maschine, Laternen und Blumen sowie ausgestellte Kunst jeder Art, bildeten den Ort für das Festival „Freigeister“. Die verschiedensten Bands und Künstler trugen ihr Können vor, während meine Freundin und ich, ein wenig schlaftrunken von der letzten Nacht, auf einer gemütlichen Couch an unserem Bier nippten. Einige Gespräche mit neuen Bekanntschaften, eine Zuckerwatte und einen Cocktail später wurden wir wieder einmal zum Tanzen animiert. Eine alternative Band spielte laute, verrückte Musik und ein Haufen Kissen wurde von der Decke fallen gelassen. Wir befanden uns urplötzlich in einer atemberaubenden Kissenschlacht und stolperten wie gerupfte Hühner aus dem Gebäude. Erschöpft liefen und fuhren wir sodann nach Hause, um dort augenblicklich einzuschlafen.

Am Sonntag hieß es dann rechtzeitig aufstehen, um vor der Rückfahrt noch im Café Knuth zu brunchen und meine alte Kindergarten-Freundin Linn zu treffen. Ein so unglaublich leckeres Frühstück für einen vernünftigen Preis haben wir lange nicht gegessen. Begeistert ist gar kein Ausdruck für diese Glücksmomente mit Croissant und Milchkaffee. Nur verging die Zeit zu schnell. Die Rücksäcke geschultert warfen wir noch einen letzten Blick auf dieses wundervolle Hamburg und stiegen mit Susanne in den Zug zurück in unsere Lieblingsstadt.

Wir haben, wie geplant, insgesamt 80 Euro ausgegeben und ein unvergessliches Wochenende erlebt. Wir werden wieder kommen und empfehlen einen solchen Trip unbedingt weiter. Und Mädels: In Hamburg gibt es unzählige attraktive Männer, wir konnten uns gar nicht satt sehen :-)

Eure BerlinImPulserin Lilly

 

Die wichtigsten Links auf einen Blick:

http://www.qype.com/place/22339-Thier-Hamburg

http://www.angelklub.org/

http://www.strandperle-hamburg.de/

http://de-de.facebook.com/Soulkitchenhalle

http://www.qype.com/place/1877722-Soul-Kitchen-Hamburg

http://cafeknuth.com/

 

Das Hamburg-Wochenende in Bildern

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Was FRAU im Fussballstadion erlebt…

 

Um meinem Kultur-Banausen-Dasein ein Ende zu setzen, begleitete ich meinen Fußball-begeisterten Onkel am Sonntag zum Hertha-Spiel im Olympia-Stadion. Zum allerersten Mal suchte ich also in den Tiefen meines Kleiderschranks nach etwas Weiß-Blauem und fuhr gegen Mittag mit einem Hertha-Schal um die Schultern und einem Bier in der Hand in Richtung Fußball-Event…

Einige verwandelte Familien-Väter und Hooligans nickten mir sogleich kameradschaftlich zu und auf dem Weg zwischen S-Bahnstation und Stadion fühlte ich mich wie einer von den tausenden Fans. Auf meinem Platz sitzend musste ich erst mal alles detailliert betrachten und auf mich wirken lassen. Der Gegnermannschaft jubelten nur ein paar hundert Leute zu, während im Hertha-Block Massen an Fans Fahnen und Plakate schwangen. Unzählige Hände formten ein Ganzes und die verschiedensten Anfeuerungs-Lieder drangen tief in meine Ohren. In der ersten Halbzeit schien das Spiel unentschieden auszugehen, daher nahm ich mir vor, mir ein weiteres Spiel anzuschauen, um das richtige Feeling an einem anderen Tag mitbekommen zu können. Dies stellte sich als etwas voreilig heraus, da die zweite Halbzeit noch richtig spannend wurde. Hertha schoss 2 Tore und gewann haushoch, was es mir ermöglichte, doch noch laut „Ha ho he, Hertha BSC“ mit zu grölen und meinen Schal zu schwingen.

Meinem Onkel in die Arme fallend und mit irgendwelchen Fremden einschlagend, freute ich mich nach dem Spiel schon auf Bier und Bratwurst, welche im nahegelegenen Biergarten auf mich warteten. Mit dem Sieg und warmen Essen im Bauch ließ es sich super nach Hause fahren und ja, ich hätte schon Lust noch einmal einem solchen Fußballspiel beizuwohnen.

Also an all die Berliner-Prinzessinnen, die diesen Artikel hier lesen: Man muss mindestens einmal ein Fußball-Spiel, und vor allem das Olympia-Stadion, live gesehen haben und es kann auch, wenn man nicht unbedingt fußballbegeistert ist, absolut mitreißen.

Eure Lilly Jogwer

 

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Klischees in Berlin: Öko-Über-Eltern in Prenzlauer Berg

 

von Lilly Jogwer

Neulich im Badeschiff zwischen Franzosen und Spaniern auf einem Liegestuhl sitzend, sprach mich ein Berliner Mittzwanziger an. Er war überrascht, dass er ausnahmsweise mal eine waschechte Friedrichshainerin an diesem Touri-Treffpunkt entdeckte. Der Schöneberger ließ es sich jedoch nicht nehmen, mich sogleich als unsportliche, linke Kiffer-Braut abzustempeln.

Obgleich dies nur einige Vorurteile waren, die er meinem Kiez gegenüber hatte, fühlte ich mich angegriffen und feuerte schlagartig zurück, um ihn vom Gegenteil zu überzeugen. Es war nicht das erste Mal, dass ich mit Bezirk-Klischees konfrontiert wurde. Aber dieser Vorfall bewegte mich dazu, mich näher mit all diesen vorgefestigten Meinungen

über unsere Berliner Bezirke zu beschäftigen. Indem ich die Bewohner einfach selbst fragte, konnte ich mir ein Bild von all diesen Klischees machen.

Einer der verhöhntesten Stadtteile ist wohl Prenzlauer Berg, demnach fing ich damit an. Folgende Stereotypen wurden mir genannt:

  • Ökohochburg
  • Indies
  • überall Kinder
  • Clubs weichen für Kinderläder
  • Helicopter-Mamas
  • Spielplätze
  • Multi-Kulti
  • alle sind reich und gelangweilt
  • die Mieten sind unbezahlbar
  • und die Eltern können ihre Kinder nicht erziehen

Um herauszufinden, ob da was dran ist, redete ich mit der Familie Weise, die eine Kinderboutique betreibt, mit befreundeten Jugendlichen und mit einer Mutter und Second-Hand-Ladenbesitzerin. Mit einer Kamera ausgerüstet machte ich mich also auf den Weg Prenzlauer Berg zu erkunden.

Über mehrere Kinderwagen schiebende Muttis stolpernd und einer Herde kreischender Kleinkinder ausweichend, gelangte ich zu der Kinderboutique Hannah, in der ich die liebe Familie Weise antreffe. Der Laden ist in warmen Farben gehalten und überall baumeln Holz-Spielzeuge von der Decke. Als ich die ersten paar Fragen stellte, fing Frau Weise gleich an, zu erzählen. Sie ist der Meinung, dass die Eltern ihre Kinder sehr wohl erziehen können und dass diese „ihre Kinder keine Minute aus den Augen lassen könnenden Helicopter-Muttis“ auch in allen anderen Bezirken anzutreffen sind. Viele Kinder gibt es natürlich, der Laden aber kann davon nur profitieren. Genauso hält es sich mit den Zugezogenen über die sich so viele beschweren. Ohne ebendiese würden einige Läden gar nicht mehr existieren. Auch Herr Weise äußerte sich mit seiner ruhigen, einlullenden Stimme. Er befindet die Bezeichnung Ökohochburg für zutreffend. Auch North Face Jacken und Soja-Milch laufen ihm immer wieder über den Weg.

Aus dem Laden wieder heraus kommend, habe ich ein gutes Gefühl. Diese Prenzlauer Berger arrangieren sich mit einigen unangenehmen Umständen, machen aber aus allem das Beste und fühlen sich in ihrem Bezirk wohl. Wie es der Zufall will, gehe ich auf die Heinrich-Schliemann- Oberschule in Prenzlauer Berg und eben darum nutzte ich diese Gelegenheit um ein paar befreundete „Einheimische“ zu befragen. Die vier Mädchen Emilia, Saba, Marlene und Lilli verkündeten lachend, sie würden zwar manche Prenzlauer Berger als reiche Club-Mate trinkende Öko-Indies bezeichnen, sehen sich selber aber als chillige, gut behütet aufgewachsene Jugendliche, die null verzogen sind . Offenheit und Vertrauen zu ihren Eltern, die vielen Spielplätze und Parks und die sichere Gegend, hat ihnen eine schöne Kindheit beschert. Es gibt schon viele Eigentumswohnungen und Touristen- aber ist das nicht in jedem Bezirk so?! Diesen Äußerungen kann ich als Friedrichshainerin die hier zur Schule geht nur zustimmen, denn ich erlebe diese Mädels tagtäglich genau so.
Auf Empfehlung meiner Freundin Emilia besuchte ich zuletzt den schönen Second-Hand-Laden „Fräulein Loretta“ ihrer Mutter Susan Bähr. Dieser befindet sich direkt am Kollwitz-Platz im Zentrum Prenzlauer Bergs und bietet ein Paradies der unterschiedlichsten Kleidungstücke. Die aufgeweckte Ladenbesitzerin nahm sich ein paar Minuten und setzte sich mit mir vor den Laden. Sie ärgert sich insofern über die ihr gegenüber erwähnten Vorurteile, als dass sie zwar manche davon nachvollziehen kann, die meisten aber nicht auf alle Prenzlauer Berger zutreffen müssen. Das Phänomen „Reiche, gelangweilte Schicki-Micki-Muttis, die kleine Prinzen und Prinzessinnen in Baggis durch die Straßen schieben“ ist ihr durchaus bekannt. Susan Bähr ist auch schon oft aufgefallen, dass viele Eltern mit ihren Kindern wie mit Erwachsenen reden. Im Allgemeinen erziehen die Prenzlauer Berger ihre Kinder aber kreativ-locker und individuell. Die Zugezogenen bereichern natürlich die Kundschaft, das Einzige was sie nicht gerne mit ansieht ist, dass all die Clubs und Bars allmählich den vielen Kinderläden weichen. Die Klischees lassen den Bezirk unattraktiv erscheinen, obwohl es so wundervolle Ecken gibt.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten und ich eine kleine Runde durch ihren Laden machen durfte, ging ich also mit all diesen Informationen durch Prenzlauer Berg nach Hause. Ich glaube, viele Klischees stimmen zwar. Dennoch sollten sie keinen Schatten auf die tollen Cafés, Bars und Parks werfen, denn ich persönlich verbringe meine Zeit unglaublich gerne dort und die Leute sind super nett.

 

Fotos: Lilly Jogwer