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Wie die innere Uhr im Takt tickt

Gestern habe ich ein Mitternachtsdate gehabt, und zwar mit meinem Leobademantel, Leipnitzkeksen und 500 Gramm Nutella. Wunderbar rebellisch hatte ich mich um 0:30 Uhr gefühlt, vor allem aber hungrig wie die Raupe Nimmersatt.

Ich bin dann eingeschlafen, mit nagendem Gewissen. Und einer lauten, hämischen Stimme im Kopf, die mir viel Vergnügen beim Aufstehen in vier Stunden wünschte.

Aus dem Takt geraten

Natürlich war ich heute morgen weder wirklich wach, noch wirklich satt. Kein rebellischer Ton kam mehr aus mir heraus, meine Kehle war trocken, mein Kopf spielte schlechten Techno. Die Tatsache, meine Mitkommilitonen in „Altnordisch“ um acht Uhr genauso schlaftrunken und energielos umwandelten, ist kein Trost.

Wir leben an solchen Tagen ein ziemliches Trauerspiel. Übertünchen Schlafmangel mit Kaffee to-go. Überstrahlen Symptome, die auf mangelnde Bedürfnisbefriedigung weisen, mit einer Miene, als mache der Stress Spaß und wäre das alles sinnvoll. Bullshit.

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This is the ryhtm of the night, oh yeah

In der traditionellen chinesischen Medizin gibt es für diesen Zustand eine simple Erklärung. In den westlichen Ländern findet sie nicht oft Anhörung, vielleicht weil die Lösung für unser Problem (noch ist es keins, aber es wird eines werden) sich schwer mit unserem Alltag vereinbaren lässt. Nicht ohne Umstellungen, die Disziplin und Strukturierung erfordern.

Es ist klar, dass wir nicht mehr nach unserem Rhytmus leben. Wann wir aufstehen, essen, trinken, schlafen, pausieren oder produktiv sind, richten wir nach unseren Pflichten. Das bedeutet: Tag ein, Tag aus ein neuer Spagat. Das integriert uns gesellschaftlich und auf dem Arbeitsmarkt ganz gut. Dieser Hang zum Übermaß, zu Chaos und Exzess macht nur leider krank.

Was unsere Organe uns sagen wollen

Wir leben nicht mehr im Einklang mit unserem Körper, dessen Organe eine innere Uhr haben. Das klingt so, wie früher die Geschichten von Knochenbrechern und Schamanen, hat aber weitaus mehr wissenschaftliche Grundlagen.

Wir wissen, unser Körper ist ein biologisches Wunder, ein komplexes System und in seiner Funktion unnachahmlich. Die TMC schwört darauf, dass wir ein Gleichgewicht herstellen müssen, zwischen Ying und Yang, zwischen Belastung und Erholung, zwischen Genuss und Verzicht.

In einem Selbstversuch, nach dieser Organ-Uhr zu leben, sieht mein Tagesablauf so aus:

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Ich stehe zwischen 5 Uhr und 7 Uhr auf, trinke ein Glas warmes Wasser und bis 11 Uhr allgemein viel davon, am besten stilles. Das Glas bringt meinen Kreislauf in Schwung, der Flüssigkeitsverlust der Nacht lässt sich jetzt am besten ausgleichen, den nach der Organuhr sind jetzt die Nieren am arbeiten, genau wie der Magen. Deshalb kann mein Frühstück reichhaltig ausfallen. Wie ein Kaiser, die Regel kennen wir sogar im Westen. Erstaunlich: Da ich noch vor Mitternacht im Bett bin, fällt mir das Aufstehen nicht sonderlich schwer.

Ein Balanceakt zwischen „to do“ and „not to do“

Das ist praktisch. Denn von jetzt an bis 11 Uhr ist mein Gehirn besonders fähig, konzentriert zu arbeiten. Unizeugs, Planungen, Lernen, Arbeiten: All das findet in diesen Stunden statt. Die Pause habe ich mir verdient. Ich kann sie nutzen, um zur Mittagszeit in Ruhe ein königliches warmes Mittagessen zu verputzen. Die Praktiker der TMC empfehlen unbedingt den Mittagschlaf. Ich finde das klingt weitaus hinreißender als „Powernapping“, und haue mich eine selige halbe Stunde in die Federn.

Die zweite produktive Phase fängt an. Sie gilt es zu nutzen, und ab 15 Uhr gibt es Tee, Wasser, Saft. Das passt zu der nächsten Phase…

Bewegungen ist das „A“ und O“ und „Om“

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Trinken und Sporteln, dafür sind die späteren Nachmittagsstunden besonders gut geeignet. Heißt: Spazieren gehen, Kraftsport, Stretchen, Rumhopsen. Zur Pulle greift man da ganz von selbst.

Im Gegenpol dann auch mal sitzen, ohne etwas zu tun. Den Gedanken gibt eine kurze Meditation Raum, sich ihren Ort zu suchen.

Brotzeit, Freundezeit, Mußezeit

Was die Mediziner aus dem fernen Osten einem in den späten Abendstunden nahelegen, erfülle ich gerne. Ein leichtes Abendbrot, bitte möglichst nicht nach 19 Uhr, damit die Verdauung ruhen kann. Bei Heißhungerattacken lieber Kräutertee trinken (hilft wirklich, sorry Keks-Session). Bis zum Schlaf sollen wir vor allem eines tun: Freunde anrufen, der Familie nahe sein, Musik hören und uns mit allem Schönen beschäftigen, was unser strukturierte Tag so hergibt.

Unsere Dozenten, Eltern, Vorgesetzte, sie predigen Selbstorganisation, sie raten uns, Struktur in unseren Alltag, unsere Arbeit, unser Denken zu bringen. Sie und ich, wir verstehen darunter nun etwas Verschiedenes. „Über den Tellerrand studieren“,  – vielleicht ist die fernöstliche Medizin meine Version von diesem Leitsatz der Universitäten.

 

 

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BIP Gastbeitrag: Karl-Marx-Str. 1

Das interkulturelle Zentrum für junge Frauen und Mädchen „Szenenwechsel“ in Kooperation mit der Otto-Suhr-Hochschule präsentiert die Karl-Marx-Straße in wenigen Worten und viel Emotionen. Entstanden ist ein sehr poetischer, kreativer und einzigartiger Clip. Interessant, wie unterschiedlich Menschen ihren Kiez wahrnehmen. Wir finden: ein toller Film!

Wie ist es bei Dir? Wenn Du Deinen Stadtteil in einem Video zeigen würdest, was bekämen wir zu sehen? Wie würdest Du das umsetzen? Schreib uns an: jugendredaktion@berlinimpuls.de