598788_web_R_K_B_by_Angelika Koch-Schmid_pixelio.de

So erweckt man Ameisen zum Leben – meine Erlebnisse beim Girls’Day

Am 25. April 2013 war es wieder soweit: Mädchen hatten die Möglichkeit, beim 13. Girls‘Day in Berufsfelder reinzuschnuppern, die momentan noch eher „Jungsdomäne“ sind. Das sind z.B. Informatik, Naturwissenschaften oder Politik. Der Girls’Day soll dazu beitragen, dass sich mehr Mädchen für diese Gebiete interessieren. Auch dieses Jahr habe ich mir wieder eine Veranstaltung rausgesucht, die Mädchen an die Informatik heranführen soll: “Erwecke deinen Ameisenstamm zum Leben!“. Ich weiß, das hört sich eher nach Biologie an…aber was Ameisen mit Informatik zu tun haben, erläutere ich später.

Bevor ich irgendetwas zum Leben erwecken konnte, musste ich erst mal zum Veranstaltungsort, dem Hasso-Plattner-Institut, gelangen. Der Campus des vom SAP-Mitgründer Hasso Plattner gesponserten Privatinstituts liegt direkt neben dem S-Bahnhof Griebnitzsee. Die Fahrt von Hellersdorf dorthin war lang, aber unkompliziert und so stand ich dann um kurz vor 10 Uhr in der Empfangshalle – zusammen mit etwa 30 anderen Mädchen. Auf mein „Guten Morgen!“ wurde nu100_5123r leise geantwortet, wie das eben so ist: Man kennt keinen und traut sich auch nicht, jemanden anzuquatschen. Bis wir von ein paar Studenten abgeholt wurden, lag also eine unbehagliche Stille über der Halle. Und ich konnte natürlich gar nicht mehr aufhören zu grinsen, bei dem Gedanken daran, wie die Situation von außen wirken musste: 31 junge Mädchen, schweigend und darauf bedacht, bloß niemanden anzusehen.

Die Veranstaltung begann mit einer kurzen Einführung: Was ist das Hasso-Plattner-Institut (HPI)? Was muss man mitbringen, um hier studieren zu können? Was werden wir heute machen? Nachdem wir alles geklärt hatten und die wenigen Fragen (es dauerte eine Weile, bis alle auftauten) geklärt waren, wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und getrennt.

Ameisen sind nicht gleich Ameisen!

Nun ging es richtig los: Immer 2 Mädchen wurden vor einen Computer gesetzt, an dem sie in den folgenden Stunden zusammen ihr Ameisenvolk zum Leben erwecken sollten. Mithilfe des Spiels „AntMe! – Die Ameisensimulation“ wurden wir an die objektorientierte Programmierung herangeführt. Erschaffen werden konnten 2 Arten von Ameisen: Kampfameisen und Ameisen, die Zucker oder Äpfel sammeln sollten. Das war jedoch nicht so einfach, denn man musste dem Computer irgendwie verständlich machen, wann genau die Ameisen was tun sollten. Zum Beispiel hat die Ameise, wenn sie Zucker gesehen hat, diesen nicht automatisch genommen. Man musste erst einen Befehl verwenden und dafür, dass sie dann den Zucker auch noch in den Bau trägt, einen weiteren.

Um es noch komplizierter zu gestalten, konnten die Ameisen dann auch noch ihren Freunden Bescheid sagen, dass sie Zucker gefunden haben. Diese konnten aber erst dann etwas mit der Information anfangen, wenn wir es ihnen gesagt haben. Alles in allem war es zwar nicht ganz leicht, aber lustig. Schon ein fehlendes Komma konnte jedoch den Erfolg wieder zerstören… Zur Stärkung ging es um 12 Uhr in die Mensa, wo uns ein leckeres Mittagessen spendiert wurde. Spätestens beim Essen gab es dann auch die ersten intensiveren Gespräche mit den anderen Mädchen und daher ging es danach auch viel entspannter an die Endarbeit.

Krieg der Ameisen

Denn mit dem Programmieren unseres Ameisenstammes war der Spaß ja noch nicht vorbei: Nun wurden immer zwei Stämme ausgewählt, die gegeneinander antraten. Hatte die eigene Strategie bisher immer gut geklappt, stellte sich nun teilweise heraus, dass sie im Kampf gegen ein anderes Team nur wenig taugte – so auch bei mir. Hatten die Ameisen bisher die Äpfel einfach weggeschleppt, mussten sie sich plötzlich mit anderen Ameisen um sie streiten. Jedes Ameisenteam zog die Äpfel in die Richtung seines Baus, mit dem Erfolg, dass sie sinnlos in der Gegend rumtorkelten und nicht vom Apfelabließen.

logo


Quelle: girls-day.de

Schlimmer traf es aber ein anderes Team, dass kurz vor Ende noch etwas ausprobiert hatte und dann vergaß, das veränderte Zeichen zurück zu ändern. Nun mussten sie zusehen, wie ihre Ameisen chillig in der Gegend rumlungerten, allen ihren Freunden sagten, dass da Zucker und Äpfel sind, sie aber nicht einsammelten. Dieser Ameisenstamm verlor mit 0:6200… und das alles wegen einem „>“-Zeichen, das eigentlich ein „<“-Zeichen sein sollte. Denn genau das ist ja die Kunst des Programmierens.

Nachdem die Hälfte der Teams ausgeschieden war, trafen wir uns wieder mit der anderen Gruppe und veranstalteten mit deren Gewinnern das Finale. Das war dann leider auch schon das Ende des lehrreichen, aber unterhaltsamen Tages am Hasso-Plattner-Institut.

Mitgenommen habe ich nicht nur einen ersten Eindruck vom HPI und seinen sehr sympathischen Studenten, sondern auch einen etwas anderen Einblick in die projektorientierte Programmierung. Denn aus dem Unterricht war ich zwar mit dem grundsätzlichen Aufbau eines solchen Programms schon vertraut, aber es macht schon einen gewaltigen Unterschied, ob man mit englischen Begriffen einen Taschenrechner bastelt, oder mit größtenteils deutschen Begriffen ein lustiges Spiel! So versteht man viel leichter, wie man vorgehen muss und warum man bestimmte Dinge tut. Mit Spaß lernt es sich eben einfach leichter :)

Ich kann die Veranstaltung des HPI bzw. generell den Girls’Day nur weiterempfehlen!

Eure BerlinImPulserin Katja

Artikelbild: Angelika Koch-Schmid  / pixelio.de