Foto: Dennis Kummer // Theater Strahl

Eingreifen oder Weglaufen? Theater Strahl Berlin inszeniert wichtige Frage des Alltags

Foto: Dennis Kummer // Theater Strahl

Foto: Dennis Kummer // Theater Strahl

Alles nur Theater?
„Weißbrotmusik am Theater Strahl Berlin“

Von Marie Greiner

München, 20.12.2007. Ein 76-jähriger wird am S-Bahnhof zusammengeschlagen, weil er zuvor zwei Jugendliche (einen Griechen und einen Türken) bittet in der Bahn ihre Zigarette auszumachen. Keiner hilft ihm. „Das gibt’s doch nicht!“, werden jetzt einige denken, „Es kann doch nicht sein, das keiner hilft, wenn jemand in der Öffentlichkeit fast totgeprügelt wird!“. Was würde man selber in so einer Situation machen? Eingreifen? Oder läuft man einfach weiter aus Angst, selber ins Visier der Schläger zu geraten? Spannende Fragen mit denen sich das Theaterstück „Weißbrotmusik“ am Theater Strahl beschäftigt. Die drei Jugendlichen Aaron (Bardo Böhlefeld), Sedat (Randolph Herbst) und Nurit (Christine Smuda) sind die drei Hauptfiguren in dem Stück. Sie sind alle in Deutschland geboren und aufgewachsen, fühlen sich aber trotzdem nicht so richtig heimisch. Themen wie Einwanderungsgesellschaft, Integration und Heimat, Zugehörigkeit, Identität, Liebe, Freundschaft und Partnerschaft spielen ebenfalls eine Rolle. Das Theaterstück ist für Jugendliche ab dem 14. Lebensjahr geeignet, ab da an gibt es dann aber keine Altersgrenze mehr. Das Stück ist ohne Frage auch für Erwachsene interessant. Jeder kommt vielleicht mal in eine Situation in der man sich genau diese Fragen stellen, oder sich mit genau diesen Thematiken auseinander setzen muss. „Weißbrotmusik“ regt zum Nachdenken an, sorgt für Diskussionsstoff und zwingt einen Stellung zu beziehen. Was ist richtig, was falsch? Teilweise vergisst man sogar das man im Theater sitzt, weil alles doch so realitätsnah ist. Die Schauspieler leisten also ausgezeichnete Arbeit. So gewann das Stück auch 2012 den „Ikarus“ eine Auszeichnung für hervorragende Berliner Theaterinszenierungen für Kinder und Jugendliche.

Wer sich selbst von der Schauspielkunst der Darsteller überzeugen und selbst herausfinden möchte wie man selbst handeln würde, hat am 6. Mai 2014 um 11Uhr oder 19. 30Uhr Gelegenheit dazu. Tickets und weitere Informationen gibt es unter www.theater-strahl.de.

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Anarchie in der Türkei – oder doch nur Wahlen?

Im Moment sind Wahlen in der Türkei und Ankara, die Hauptstadt der Türkei, spielt hier natürlich eine besondere Rolle. Denn hier arbeitet Regierungschef Erdogan, der Hauptprotagonist in dieser Wahl. Denn er hat sich zuletzt nicht viele Freunde in der Bevölkerung gemacht, als er YouTube und Twitter sperrte. Aus Ankara berichtet für euch BerlinImPuls Reporter Benny.

von Benjamin Lewerenz

IMG_20140330_172240Der Reihe nach: Sicherlich gab es für den türkischen Regierungschef schwerere Wahlen wie die jetzige. Denn nach den Protesten im Istanbuler Gezi-Park und den Internet-Sperren hat Erdogan ein hartes Stück Arbeit vor sich, um wieder auf die von ihm veranschlagten 40% zu kommen. Gerade die junge Bevölkerung hat sich von ihm abgewandt.

Die türkischen Seiten von YouTube und Twitter sind aus der Türkei heraus nicht mehr zu erreichen, nachdem dort regierungskritisches Material aufgetaucht war. In Reaktion darauf lies Erdogan beide Sperren – wobei viele Türken vermuten, das es nach der Wahl wieder gelockert wird. Gerade deswegen gilt die Wahl hier als ein Test für Erdogan, um zu gucken, wie gut seine Macht noch in der Bevölkerung verankert ist. Dann erstmal geht es nur um die Kommunalwahl, bei der er nur als Werbegesicht für seine Partei herhalten muss. Der neue (alte) Präsident wird erst später im Jahr gewählt.

In der Türkei ist die Wahl ein wichtiges Ereignis, da hier Wahlpflicht besteht, weshalb Abends auch wirklich jeder Fernsehsender etwas zur Wahl zeigt und ab 20 Uhr alle Menschen vor den Fernsehgeräten sitzen, um die Wahlergebnisse zu betrachten und darüber zu diskutieren. Das Wahlergebnis lässt Erdogan (Stand: 23:30 Uhr Ortszeit) als Sieger hervorgehen, was ihn darin bestärkt, im Herbst erneut als Präsident zu kandidieren. Ein Ergebnis, dass das Land spaltet. Denn gerade die jungen Leute sind nicht begeistert davon, denn auch wenn die Twitter-/ Youtube-Sperren leicht zu umgehen sind, wollten sie schon aus Prinzip ein Zeichen gegen ihren Präsidenten, der nach und nach autoritärere Züge entwickelt, setzen.

Ich habe in diversen deutschen Nachrichten gelesen, dass hier angeblich Ausschreitungen gegeben haben soll. Um ehrlich zu sein: ich war heute in der Stadt Ankara unterwegs, und weder ich, noch meine Begleiter haben irgendetwas davon mitbekommen. Auch die Wahlen sind nicht anders als in Deutschland (du holst deinen Stimmzettel ab, gehst in deine stille Kammer, machst dein Kreuz, steckst dein Zettel in einen Briefumschlag und wirfst den in deinen durchsichtigen Kasten).
Ich kann also nichts ungewöhnliches berichten von hier, denn es gibt nur zwei Unterschiede zur deutschen Wahl:
1) die Wahl ist für die Menschen wichtig.
2) die Wahl wird von der Bevölkerung ernst genommen.