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Das erste Viertel

Lokführer streiken in Deutschland- alles liegt lahm. Meine Freunde regen sich auf, bilden Fahrgemeinschaften. Lese ich in der Bahn in Richtung Innenstadt. Es wirkt irgendwie so weit weg. Dabei bin ich doch noch gar nicht lange hier. Nur zweieinhalb Monate. Aber immerhin ist damit das erste Viertel meiner Zeit hier schon vorbei…

… Leider, muss ich sagen. Denn ich möchte hier wirklich nicht mehr weg. Aber warum eigentlich? Ich weiß es nicht. Ja, gut – ich habe eine Vorliebe für Städte, die eigentlich nicht liebenswert sind. Meine erste große (Städte)Liebe war Berlin. Groß, anonym, gefährlich usw. Es gibt so viele negative Klischees über Berlin. Trotzdem ist diese Stadt meine Heimat.

Aber jetzt, hier in Helsinki, verhält es sich ganz ähnlich. Ich habe Helsinki bis jetzt nur im Herbst erlebt – also kalt und verregnet, grau. Helsinki ist unemotional wie seine Bewohner. Anonym. Jeder geht seine Wege, Kontakt mit anderen wird vermieden; man ist halt Finnisch. Selbst Linnanmäki, der Freizeitpark, liegt still und star neben der Eisenbahngleisen. Klar, wer würde bei diesem Scheißwetter denn auch in den Freizeitpark gehen?

Außer mir wahrscheinlich die ganzen anderen Bekloppten, die hier leben. Die Finnen sind, auch wenn sie es nie zugeben würden, total liebe Menschen. Sie wirken immer sehr kühl und abweisend auf den Rest Europas (ich übrigens auch schon), aber das auch nur, weil die Finnen sehr darauf bedacht sind, ihre Umgebung nicht mit ihrer schlechten Laune zu stören bzw. Menschen mit schlechter Laune nicht mit ihrer guten Laune zu belästigen. Es wird ja schließlich einen Grund für die schlechte Laune geben.

Nun sind die Finnen genau deswegen sehr schüchtern. Sie möchten keinen schlechten Eindruck machen – immer perfekt sein. Sie sprechen perfekt Englisch, hören einen anderen Finnen sehr gut Englisch reden und sind beeindruckt. Hat zur Folge, dass sie beim nächsten Gespräch, dass sie auf Englisch führen müssen, sich für ihr schlechtes Englisch entschuldigen. Vor mir, der im Englisch-Abi mit Ach und Krach eine Drei bekommen hat…

Finnen sind ungeheuer stolz auf ihr Land und darauf, Finnen zu sein – können aber nicht verstehen, warum man hierher kommen sollte. Finnland habe ja nichts, heißt es dann immer. Das denken ja auch die Deutschen, sonst würde man ja nicht immer so schockiert reagieren, wenn ich erzähle, ich bin in Finnland. Sicher hatte ich vorher auch meine Bilder im Kopf. Hier habe ich festgestellt, das ist es nicht.

Finnland ist unglaublich schön. Allerdings ist es eine versteckte Schönheit. Die man hier auch für sich behalten haben will… Deswegen verziehen sich die Finnen im Sommer (wenn die ganzen Touristen kommen) auch in ihre einsamen Sommerhäuser. Denn es gibt für Finnen exakt drei Gruppen von Menschen: enge Freunde, Freunde und den Rest. Mit dem Rest möchte man eigentlich nichts zu tun haben, der existiert nicht, wird ignoriert.

Landschaft

Man muss schon einen guten Grund haben, um mit einem Fremden Kontakt aufzunehmen. Die Standardfrage im ersten Gespräch war immer: warum Finnland? Nun, ich wusste es lange selber nicht. Es war einfach eine spontane Entscheidung aus dem Bauch heraus. Aber mittlerweile kann ich es euch erklären.

1) Die Natur

Auch wenn ich in Helsinki lebe, ist es nicht weit, bis ich in der Natur bin. Streng genommen muss ich nur den Bus nehmen und nach 30 Minuten bin ich im größten Dorf Finnlands (ja, sie sind stolz auf diesen Titel) und damit in der Natur. Und die Landschaften sind wirklich wunderschön. Aber seht selbst…

2) Das Wetter

Es ist Anfang November und ich habe in Helsinki(!) schon mehr Schnee gehabt als im gesamten vergangenen Winter in Deutschland. Und dabei kommt Helsinki immer recht schlecht mit Schnee weg. Eine Freundin, die ein Stück weiter im Norden lebt, schickte mir folgendes Bild… Einfach nur wunderschön…

3) Die Sauna

Damit meine ich echte Sauna, nicht die deutsche Interpretation. Besonders wenn es draußen kalt ist, gibt es nichts Schöneres als die Sauna. Manch einem scheint es ein wenig extrem, nachdem man draußen (-4 Grad) war direkt in die Sauna zu gehen (unter Umständen 90 Grad). Aber es hilft einem stark gegen den Herbst-Blues…

Finnland ist sicher kein klassisches Land, dass man wählt, für ein Auslandsjahr. Aus vielen Gründen. Es ist speziell, hat eine komplizierte Sprache und macht es Neuankömmlingen nicht besonders einfach. Dazu kommt, dass es nicht mal 2000 Kilometer von Deutschland ist.

Also, warum zur Hölle sollte man herkommen? Eben genau deswegen. Es ist anders. Komplett. Menschlich, landschaftlich und klimatechnisch. Eine Bastion der Unabhängigkeit inmitten einer einheitlichen Welt. Und darauf ist es stolz – und vollkommen zurecht. Denn auch wenn in Deutschland die Welt untergeht, tollen wir hier in Finnland noch im Schnee rum. Denn Deutschland ist so nah dran – aber so weit weg!

 

schenken

Geste statt Geld!

 

von Genna-Louisa Thiele

Der typische Verlauf

Eigentlich ist es jedes Jahr ähnlich: Es wird kalt, aber der Schnee lässt auf sich warten, spätestens im Herbst stehen Schokokalender, Milka-Weihnachtsmänner und Stollen im Supermarkt auf dem Präsentierteller und trotzdem sind alle schlecht und schlechter gelaunt. Die Deko frisst Strom und das Kochen muss ja auch noch geplant werden. Und wer hat eigentlich die Kohle für die Geschenke? Und wissen unsere Eltern eigentlich, was wir brauchen, wenn wir es ihnen nicht auf die Nase binden? Überhaupt, dann gibt es zum Fest der Liebe doch lieber Geldscheine, weil das nun mal die Welt regiert und das Leben erleichtert.

Und plötzlich ist da Harmonie

Auffällig aber: in Stimmung kommt man doch. Plötzlich gibt es nichts Erstrebenswerteres, als alle um sich herum lieb zu haben, sich auf Rotkohl, Klöße, Gans oder Gulasch zu freuen, Disney-Türchen zu öffnen… Nur die Frage mit den Geschenken bleibt offen. Fragt man aber mal, unabhängig von Weihnachten, seine Liebsten, was sie glücklich macht oder womit man ihnen eine Freude machen kann, sind die Antworten überraschend simpel und erstaunlich praktisch:

Freundin: „Da braucht es nicht viel. Einfach eine schöne Geste.“

Freund: „Essen. Essen macht immer glücklich.“

Mama: „Weniger Stress. Ach und wenn du mal den Abwasch machen würdest. Ha, ha.“

Das erleichtert uns einiges!

Lasst euch hiermit gesagt sein: nicht immer nützt es, nützlich zu denken. Weihnachten hatte mal andere Werte, und die bieten euch die Vorlage, euren Geldbeutel zu schonen. Denn was uns alle sicher freut, ist wenn jemand für uns Zeit opfert, Gedanken investiert und uns Aufmerksamkeit schenkt. Und in der irren Welt Freunden und Familie einfach mal was abnimmt und zeigt: Ich bin da. Und ich mag es, wenn du dich freust. Dann muss auch keiner mehr Socken verschenken, zu große Oberteile umtauschen oder gezwungener Maßen mal schnell was bei Media Markt erstehen.

Schenken ist also eigentlich total einfach, oder?

Linktipp, passend zum Thema: www.zeit-statt-zeug.de

More than friendship PR-Bild 7

Filmkritik: „More than Friendship“

Gleich zwei Herausforderungen

von Patricia Neumann & Djamal Saidov

 „More Than Friendship“ behandelt die Dreiecksbeziehung zwischen Mia, Lukas & Jonas, die von der schweren Krankheit von Jonas überschattet wird. Sie treten ihre letzte gemeinsame Reise an, die eine ungeahnte Wendung nimmt.

27. Juli, Pressevorstellung vom Film „More Than Friendship“. Der Film beginnt mit der Reise des Trios, bei dem es nicht ganz klar ist, ob sie nur Freunde oder Liebende sind. Voller Elan starten sie in ein Abenteuer, das zuerst wie ein heiterer Urlaub scheint. Sie genießen die gemeinsame Zeit zu dritt. Doch spätestens hier wird dem Zuschauer klar, dass diese Beziehung weit über normale Freundschaft hinaus geht. Nach und nach verdichten sich die Anzeichen, dass irgendetwas nicht stimmt. Jonas isst kaum noch, steht Nachts auf und muss sich übergeben. Mia und Lukas machen sich zwar Sorgen um Jonas, aber versuchen die Symptome auszublenden, um diese Reise so fröhlich wie möglich zu gestalten. Als es Jonas immer schlechter geht, gibt es keinen Ausweg mehr. Jeder hat erkannt, dass man sich nun einem sehr schwierigen Thema stellen muss…

Besonders gefallen hat uns die rührende Geschichte des Films und die außergewöhnliche Beziehung der drei Figuren untereinander. Unserer Meinung nach ist der Film „More Than Friendship“ gefühlvoller und tiefer als so mancher Blockbuster, weil man als Zuschauer sofort viel Mitgefühl für die Situation und Charaktere entwickelt. Uns hat die Geschichte noch Tage später zum Nachdenken gebracht. Was würde man selbst in so einer Situation tun? Würde ich es auch zu Stande bringen, gleichzeitig eine Frau und einen Mann zu lieben? Könnte man sich trennen, wenn man weiß, dass ein nahestehender Freund vielleicht bald stirbt? Außerdem war die schauspielerische Leistung ziemlich gut. Die Schauspieler hatten auf jeden Fall mehr drauf als manch anderer im deutschen Fernsehen. Was auch noch erwähnenswert ist, dass in dem Film keine Effekte zu sehen sind. Das macht es zwar für das „Blockbuster gewöhnte Auge“ etwas ungewohnt, aber es macht den Film ehrlicher, purer und irgendwie auch intensiver.

Also wir können euch „More Than Friendship“ nur ans Herz legen, da er sehr emotional, spannend und ehrlich ist. Ab Oktober 2013 könnt ihr euch den Film dann auch in augewählten Programmkinos anschauen. Wir vergeben 4 von 5 Punkten, da er zwar wirklich gut ist, aber das Ende der Geschichte hätte man in unseren Augen anders gestalten können. Trotzdem ist es kein Grund, sich diesen Film entgehen zu lassen. Ganz im Gegenteil. Unsere Empfehlung: Anschauen! Viel Spaß!

Die Seite zum Film

 

woodstock

Przystanek Woostock – Pol’and’Roll!

Love. Peace. Rock’n’Roll. 1969 war mal. Denkste! Jedes Jahr findet in Polens kleiner Stadt, Kostrzyn, ein Woodstock Festival statt. Dieses Jahr war es schon das 17te und es wird auch nächstes Jahr wieder eins geben. Dieses Mal wurden aber Recordzahlen vermessen: 700 000 Leute, ob  jung, alt, polnisch oder deutsch waren da.

Ich gehe nun schon seit drei Jahren auf dieses Festival, aber jetzt wurden meine Erwartungen maßlos übertroffen. Es fing schon damit an, dass wir am Tag vor der offiziellen Eröffnung keinen Zeltplatz auf dem „Hauptgelänge“ gefunden haben. Wir konnten uns nur noch so knapp auf eine Wiese hinter vielen Bäumen neben andere Camper quetschen. Wie ich schon sagte: Ich war da schon ein paar mal und wir haben immer locker einen riesen Zeltplatz 200 Meter vor der Bühne beschlagnahmen können.

Die Menschenmengen waren so riesig, dass einer meiner Freunde, Fabian, auf einer Wiese sein Quartier aufgeschlagen hat, die ich noch nie in meinem ganzen Woodstookleben gesehen habe! Die Sache wird jetzt bestimmt klar sein, wenn ich verrate, dass dieses Ereignis kostenlos war. Man schließt sich zu einer 5er-Gruppe zusammen, kauft sich ein Berlin-brandenburg-Ticket und teilt es durch fünf. Auf dem Gelände kann man Essen kaufen und dieses Jahr gab es auch einen Aldi, wobei man dann schätzungsweise 30Euro für Essen ausgibt (auch wenn man nichts dabei hat und in den 30Euro ist auch ein T-Shirt drin). So ist man dann für ein Festival bei groben 35Euro! Jetzt könnte man auch die Rekordzahlen von fast einem dreiviertel Millionen Menschen verstehen.

Es heißt zwar Woodstock, aber so viel Original ist an dem Festival gar nicht dran. Ja gut, es gibt eine Schlammgrube und viel vollgedröhnte Menschen, aber es gab auch dieses Mal zwei Millitärstände, wo es alles mögliche zu kaufen gab, was ein grünes Muster hatte. Das fand ich ziehmlich schade doch glücklicherweise hat Airbourne am Samstag Abend gespielt. Eine australische Hard Rock Band, die wohl AC/DC als Idol haben.

Als vorletzte Band an dem letzten Festivaltag hat The Prodigy gespielt. Sie machen Techno Dance was schon sehr ungewöhnlich für ein Woodstock Festival ist, aber man kann ja schließlich nicht Jimi Hendrix und Janis Joplin von den Toten auferstehen lassen.

Als ich in der Menge stand um The Prodigy zu sehen hatte ich Angst, obwohl sie noch nicht mal angefangen haben. Die Menschen drängen sich auf das Gelände als gebe es eine Art müde Massenhysterie. Die Zelte in der ersten Reihe, die nun wirklich nicht zu nah an der Bühne standen waren plattgetreten. Die Mitarbeiter auf dem Hochsitzen haben sich schon hektische Zeichen, die nach Gefahr aussahen. Bei dem zweiten Lied sah der Sänger der Band in das Publikum und sein Gesicht war der Art verzerrt, als hätte ihn etwas zur Tode erschrocken. Sie fingen an zu spielen und ich wurde geschupst und mit Ellenbogen gehauen und dabei stand ich noch nicht mal im Moshpit. Nach dem zweiten Lied gab ich auf und drängelte mich aus der Menge, dass auch um die halbe Stunde gedauert hat. Ich bin persönlich kein Fan von Dance, aber ich hätte sie mir gerne angehört. Doch diese Umstände machten das für mich zunichte. Ich fand es schade, dass es da so abging. Eins können wir uns von den Polen abgucken: wenn es um die Sicherheit geht, sind sie sehr gut, denn ich bin gesund zu meinem Zelt gekommen und habe The Prodigy beim Dösen ausklingen lassen.

Im Großen und Ganzen würde ich jedem dieses Festival empfehlen, der eine lange Klausurphase hinter sich hatte, keine Agnst vor dem schmutzig sein hat und sich mal einfach so gehen lassen will. Ich werde auch nächstes Jahr wieder dabei sein, denn alle drei Punkte stürmen nach jeder Zeugnisausgabe über mich ein. Na razie (pl. „bis dann“)!

 

Quellen:

http://haltestellewoodstock.wordpress.com/2011/08/08/festival-haltestelle-woodstock-2011-700-000-besucher-rekordzahl/

http://www.lastfm.de/music/Airbourne