Jaakko & Jay – “Rauha” (Fullsteam / VÖ: 20.09.13)

Alternative der Woche: Jaakko & Jay

 

 von Frank Segert

Jaakko & Jay – “Rauha” (Fullsteam / VÖ: 20.09.13)

Die Welt ist ungerecht. Viel zu viele Bands gehen völlig unverdient durch die Decke. Jaakko & Jay habe ich vor vier Jahren als Support von Frank Turner zum ersten Mal gesehen. Seitdem hat sich ihr Bekanntheitsgrad nicht sonderlich geändert. Und das obwohl sie regelmäßig in Deutschland touren.

Dass sie ein Stück weit in der Rolle des ewigen Toursupports stecken, hindert die beiden Finnen aber nicht daran, jedes Mal volle Pulle durchzuziehen. Denn a) gibt es weit schlechtere Rollen, als die des ewigen Toursupports, in der man allerlei Ecken Europas erkunden kann und b) will die Prügelei von den Platten niemand hören, wenn sie mit angezogener Handbremse kommt.
Jaakko & Jay spielen Akustik-Gitarre und ein reduziertes Drum-Set aus Snare Drum und Hi-Hat. Gut möglich, dass auf dem Album mehr Becken und Trommeln zu hören sind, aber mal ehrlich, das interessiert doch eh keine Sau. Rauha wurde auf der jüngsten Tour mit den finnischen Label-Mates Disco Ensemble schon verkauft und mit dem einen oder anderen Song im Live-Set bedacht. Wer die alten Platten schon kannte, kann bedenkenlos zugreifen. Es gibt nur sehr wenig, was von dem Dreiklang Akustik-Gitarre, Schlagzeug und volle Kanne abweicht.

Ein Filter hier, eine sensiblere Gitarrenlinie da. Aber die Energie überträgt sich ohne Umwege. Wer der Instrumentierung wegen die Ernsthaftigkeit und den Klang von klassischem Folk erwartet, liegt gleich ganz falsch. Es ist laut, das Tempo hoch bis sehr hoch. “Rauha” heißt “Frieden” auf Finnisch und es ist durchaus vorstellbar, dass die beiden Finnen aus der Ferne betrachtet auf Tour schnell in die Hippie-Schublade gesteckt werden. Die richtige Schublade ist wohl eher: Punkrock.

 

Wir danken Frank Segert von www.akkordarbeit.wordpress.com für diesen Gastbeitrag!

 

 

 

Pressebild The Lumineers

Alternative der Woche… mit The Lumineers

 

„Sag mal, es gibt da ’ne recht coole Band auf YouTube – magst du die nicht mal als Alternative der Woche nehmen?“ Reingehört und für gut befunden gehe ich nach Hause und überlege, was ich schreiben könnte. Zuhause angekommen mache ich die Tür auf – und was höre ich? „Ho Hey. Ho Hey“. Ja – auch mein Papa hatte es schon entdeckt.

The Lumineers

Pressebild The Lumineers

Die drei Köpfe aus Denver machen lustigen Folk-Rock und ihr letztes Prunkstück habt ihr vielleicht schonmal irgendwo gehört… so eingängig wie es ist. Bekannt geworden sind sie in zwei Stufen. Zuerst durch die Werbung. Nachdem sie als Hintergrundmusik für einen Bing-Werbespot benutzt wurden, interessierten sich die Macher der US-Fernsehserie „Hart of Dixie“ für sie, die sie in ihrer Serie auch gleich benutzten. Die Serie läuft auf CBS – dementsprechend populär ist es auch.

Aber nun zur Band. Wesley Schultz, Jeremiah Fraites & Neyla Pekarek machen in dieser Formation seit 2005 Musik – davor haben nur Wesly und Jeremiah Musik gemacht. Dann brauchten die beiden Unterstützung, die sie auch bald bekamen. Der Rest ihrer Geschichte ist bekannt.

Aber was ist das eigentlich für Musik, die sie machen? Also das wohl bekannteste Stück was sie spielen ist irgendwas zwischen Indie und Folk. Sie erfinden aber nichts von beidem neu – sie verfeinern es nur. Die inhaltliche Grundidee ist einfach – aber dafür umso feinfühliger umgesetzt. Die Lumineers haben einmal über sich selbst gesagt „Jeder der ein Instrument spielen kann, kann auch einen Lumineers-Song spielen“. Dabei ist einfach nicht gleichzusetzen mit primitiv oder anspruchslos; man kann es eher vergleichen mit unangestrengt oder ungekünstelt. Aber was schreib ich hier so viel – hört es euch lieber selber an:

Ich hoffe die drei kommen irgendwann nochmal nach Berlin – aber vorerst erstmal nicht. Aber sie kommen zum Dockville-Festival in Hamburg; im August…

In diesem Sinne bis nächste Woche

Euer Benny

Und hier könnt ihr den Autor mal hören, wie er sich zu der Band äußert:

Lucy-Rose

Die Alternative der Woche! mit Lucy Rose

London, Marylebone Station – ein hageres Mädchen klettert aus dem Zug. Ihr blondrotes Haar verdeckt leicht die schüchternen Rehaugen, mit denen sie sich in der riesigen Halle umblickt. Sie wirkt ein wenig verloren, während sie mit einer Hand den Griff eines Gitarrenkastens umklammert.
So ungefähr muss es ausgesehen haben, als Lucy Rose Parton sich aus ihrer Heimat Warwickshire aufmachte und in London ihren großen Durchbruch suchte.

London – Olympiastadt, Stadt des skurrilen Humors, aber vor allem der Dreh und Angelpunkt für musikalische Talente und kreative Köpfe. Doch sie ist eine von vielen, wirklich vielen unter ihnen, und man weiß in der britischen Hauptstadt nur zu gut: einzig wer schnell genug ist, seine Chancen nutzt und Kontakte knüpft, schafft es mit Glück irgendwie unter Umständen, Teil von Londons pulsierender Musikszene zu werden.
Die Vorraussetzungen sind gut, und der Ehrgeiz erst recht da: auf dem heimischen Klavier komponiert sie früh erste Stücke, als Teenie kauft sie sich eine Gitarre und flott hat sie mit 16 schon die ersten Stücke fertig, welche die schüchterne Engländerin aber bis dahin kaum jemanden hören lässt.
Erst auf Open-Mic Veranstaltungen offenbart sie ihr Talent und ihren sensiblen Indie-Folk Pop á la Joni Mitchell der breiteren Öffentlichkeit: mithilfe ihrer zarten Stimme und einer Gitarre, zu der sie eine intensive Busenfreundschaft pflegt. Es könnte gar nicht besser kommen, als sie auch noch auf Jack Steadman trifft, Frontmann der britischen Indie-Rocker „Bombay Bicycle Club“.

Ihr fragt euch, was danach kam?
Eine gemeinsame Single („Flaws“), ein Dutzend eigene Tracks, die Mitwirkung am dritten Bombay Bicycle Club Album „A Different Kind Of Fix“, die eigene Band, sogar eine eigene Teesorte! Ja, ihr habt richtig gehört: ‚Builder Grey‘ ist eine von Lucy Rose entwickelte Teesorte (2 part english breakfast tea:1 part Earl Grey).
Die Vogue jedenfalls hält sie für „one of indie music’s breakout stars for 2012“, wovon sich die meisten am 24. September selbst überzeugen können – dann nämlich erscheint ihr Debütalbum „Like I Used To“.

klingt für mich nach… hauchfeinem, subtilem Folk für das Indie-Ohr

würde sich gut verstehen mit… Feist, Noah and The Whale, Mumford & Sons

am besten zu hören… bei typischem Londoner Regenwetter und einer Tasse ‚Builder Tea‘