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2014 – Der Anfang vom Ende

Was war das nur für ein ereignisreiches Jahr! Darum möchte ich jetzt, im Dezember 2014 zurückblicken und in Erinnerung rufen, was wir 2014 alles erleben und mitmachen mussten.

von Katja Niklas

Thomas Siepmann  / pixelio.de

Thomas Siepmann / pixelio.de

Alles begann mit dem Regierungsantritt der großen Koalition. Das war sozusagen der Anfang vom Ende. Dabei sah es Ende 2013 doch noch so gut aus: Die SPD führte eine Mitgliederbefragung durch, in welcher über den Koalitionsvertrag abgestimmt werden durfte. Die Führungsetage der SPD gab sich gegenüber der Öffentlichkeit zuversichtlich, dass der Vertrag bei ihren Mitgliedern gut ankommen würde, doch in der Basis brodelte es. Sigmar Gabriel war jedes Mittel recht, um zum Ziel – der großen Koalition – zu kommen und schreckte auch nicht vor privaten Gesprächen zurück. Nach und nach verstummten die kritischen Stimmen, aus Angst vor erneutem Besuch, aus Angst vor dem Unmut des Parteivorsitzendens. Die letzten Rebellen mussten sich in den Untergrund zurückziehen und konnten von dort aus nicht mehr an der Befragung teilnehmen. Es kam, wie es kommen musste: Wir hatten die große Koalition am Hals.

Kitas statt Kasernen

Spätestens als Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Verteidigung, mit dem Stellenabbau bei der Bundeswehr begann, die frei gewordenen Kasernen in Kindergärten umgestaltete und die Ex-Offiziere zur Erziehung unserer Kinder einzog, dürfte auch den Letzten klar geworden sein, dass die nächsten 4 Jahre kein Zuckerschlecken werden würden. Der Groll auf die Regierung vertiefte sich, als Horst Seehofer – der mit dem Mindestlohn, wie ihn die SPD wollte, noch nie so ganz einverstanden war – sich für einen Flexi-Mindestlohn einsetzte. Nach einigen Hausbesuchen von Sigmar Gabriel fand diese Idee aber zum Glück keine Mehrheit.

Oliver Weber  / pixelio.de

Oliver Weber / pixelio.de

Nur die Satireredaktionen freuten sich und zogen schamlos über jeden Fehltritt der Regierung her – bis Horst Seehofer sie der Gotteslästerung bezichtigte und kurzerhand Thomas de Maizière, Innenminister, „überredete“, die Inquisition wieder einzuführen. Ab da entschied Seehofer (natürlich nicht offiziell), über was auf welche Art und Weise und zu welcher Zeit berichtet wird. Es wurde gemunkelt, dass er de Maizière im Gegenzug versprochen haben soll,  der Kanzlerin weniger oft in den Rücken zu fallen und sich mit seinem unerschöpflichen Selbstvertrauen etwas zurückzuhalten. Falls das stimmt, hatte er jedenfalls wenig Erfolg. Den absoluten Höhepunkt lieferte er im Rahmen der Diskussion um seine PKW-Maut. Als die EU-Kommission ihm mitteilte, dass seine Pläne so nicht umsetzbar sind, nahm er den „Freistaat“ kurzerhand wörtlich und verkündete, dass Bayern aus der EU aussteigen werde. Danach wolle er die PKW-Maut für Ausländer einführen, wobei er das Ausland auf alles außerhalb Bayerns ausdehnte…

Der BER - die ewige Baustelle Kurt Michel  / pixelio.de

Der BER – die ewige Baustelle
Kurt Michel / pixelio.de

BER als Lehrstätte für Bauarbeiter

Ein von Seehofer genehmigtes Thema war der Flughafen Berlin Brandenburg (weil es gegen die Preußen ging), über dessen Verwendung lange Zeit diskutiert wurde. Ein Vorschlag, der mir sehr gefallen hat, war, aus ihm eine Lehrstätte (ihr könnt euch aussuchen, wie ihr es schreibt – Leerstätte passt auch) zu machen, in der sich angehende Bauarbeiter, Architekten, Ingenieure und Elektroniker nach Herzenslust austoben dürfen. Auf einem Gelände wie dem BER bieten sich zahlreiche Möglichkeiten, praktische Erfahrungen für das spätere Berufsleben sammeln zu können, ohne dabei Angst vor Fehlern haben zu müssen. Denn ein paar Fehler mehr machen bei diesem Großpfuschprojekt auch keinen Unterschied mehr. Der Vorschlag scheiterte jedoch, stattdessen wurde die Verantwortung für den Flughafen Berlin Brandenburg an den Beauftragten der Bundesregierung für  Kultur und Medien übergeben, welcher den Antrag stellte, dass der BER in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wird. Die UNESCO prüfte, inwiefern er die Kriterien für ein Weltkulturerbe erfüllt und nahm den BER schließlich in die Liste auf: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der Flughafen Berlin Brandenburg ein außergewöhnliches Zeugnis einer alternden und damit bald aussterbenden Kultur ist, seine schon lange währende Entstehung ein bedeutendes Beispiel der Hauptstufen der Erdgeschichte darstellt und seine Geschichte ein einzigartiges Meisterwerk der menschlichen Blödheit ist, weshalb wir ihn in die Welterbeliste aufnehmen.“ (Mitglied des Komitees, nach Informationen der NSA).

Im Nachhinein muss ich zugeben, dass dieser Schritt wirklich genial war. Der Flughafen Berlin Brandenburg ist damit vor Änderungen und Erweiterungen, also jeglichen Bauarbeiten und somit auch vor der Fertigstellung geschützt. Außerdem hatte man damit eine Diskussion losgetreten, die sämtliche Versuche, zu regieren, überschattete. Bewusst wurde mir das aber erst jetzt, wo ich versucht habe, mich an die politischen Höhepunkte und auch Tiefpunkte zu erinnern. Denn außer den Kindergärten und dem Flexi-Mindestlohn fällt mir nichts ein, was dafür sprechen würde, dass unsere Politiker den lieben langen Tag noch etwas anderes gemacht haben, als sich selbst in der Datenbank der NSA (Zur Beruhigung abgehörter Staaten wurde der Regierung dieser Staaten der Zugang zu den Daten über sich selbst gestattet.) zu googeln.

Die NSA hat ihre Ohren überall... Aka  / pixelio.de

Die NSA hat ihre Ohren überall…
Aka / pixelio.de

NSA kauft Telekom

Ach, fast hätte ich die NSA und ihre Skandale vergessen, mittlerweile ist es ja fast Alltag. Wobei die Tatsache, dass die NSA die Telekom gekauft und damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen hat, doch noch eine Erwähnung wert ist. Nun bekommt sie nicht nur einen Teil der Abhörkosten über die Telefongebühren erstattet, sondern kann ihre Überwachungsaktivitäten zudem als Qualitätssicherung deklarieren.

Was für ein Jahr!

Bildquelle Artikelbild: SarahC.  / pixelio.de

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Berlin kann alles… außer einchecken!

 

Hallöchen und willkommen im neuen BerlinImPuls-Jahr!

Auch ich bin nun – Ende Januar – wieder aus meiner (erdbebensicheren) Höhle gekrochen, nachdem ich festgestellt habe, dass der Weltuntergang seine Zeitplanung wohl nach der S-Bahn-Regel gemacht hat: Die Leute glauben eh nicht, dass ich noch komme, also kann ich mir auch richtig Zeit lassen.

Doch auch, wenn wir das Jahr des Weltuntergangs hinter uns gelassen haben, bedeutet das leider noch lange nicht, dass wir von Katastrophen verschont bleiben – im Gegenteil, in Berlin folgen Niederlagen auf Dummheit, Fehler auf Verspätungen und Pleiten auf Pannen.

Im Grunde bräuchte ich gar nicht deutlicher zu werden, denn die Wörter sind schon fast ein Synonym für den „neuen“ Berliner Flughafen BER. Gibt man bei Google „BER“ ein, wird man fast erschlagen mit Meldungen über die fehlerhaften Entrauchungs-, Kühlungs-  und Tankanlage… um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Doch ich bin optimistisch und glaube fest an eine Eröffnung des Projektes in diesem Jahrhundert, weshalb ich auch schon die Eröffnungsrede geschrieben habe. Nur, wer sie halten wird, ist dann eben fraglich.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,

Wir haben uns heute, an diesem wunderschönen Augusttag [nach Belieben änderbar] des Jahres [Hier bitte Jahr eintragen], hier versammelt, um ein Ereignis zu zelebrieren, auf das wir schon lange gewartet haben. Viel zu lange, würden einige vielleicht sagen.

Aber dieses Warten hat sich gelohnt! Nach vielen Höhen und Tiefen, auch wenn die Höhen nicht so hoch wie die Tiefen tief waren, habe ich nun die Ehre, diese Rede anlässlich der Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens halten zu dürfen!

Schweiß und Blut mehrerer Generationen haben wir in diesen Flughafen gesteckt, von den zusätzlichen Milliarden ganz zu schweigen. Die Entstehungsphase des Flughafens erinnert an eine steinige Dürrestrecke mit mangelnden Oasen – doch letztendlich haben wir sie bewältigt!

Große Opfer mussten wir auf unserem Weg erbringen: Zahlreiche Köpfe mussten rollen, damit wir den heutigen Stand erreichen konnten und zahlreiche Milliarden mussten in den Sand gesetzt werden. DM, Euro und griechische Drachmen wechselten den Besitzer. Wir mussten erleben, wie die restliche Welt über uns lachte, wie wir zum Gespött der Leute wurden. Doch nun haben wir unser Ziel erreicht und können endlich die Früchte unserer Arbeit ernten!

Probleme wie das des Lärmschutzes konnten wir nach etlichen Missverständnissen und Fehlentscheidungen bewältigen und auch die zunächst nicht funktionierende Brandschutzanlage hat unsere Arbeit nur um einige Jahre verzögert!

An dieser Stelle möchte ich mich herzlichst bedanken bei den Anwohnern, die sich bereit erklärt haben, im Falle eines Brandes die Eimer zu schleppen. Vielen Dank.

Doch all das war nur Schall und Rauch und liegt nun hinter uns – und vor uns liegt die strahlende Zukunft!

Im letzten Jahr haben Tegel und Schönefeld zusammen 24 Millionen Passagiere [hier bitte Zahl aktualisieren] bewältigt, doch da unser Flughafen vorrausschauend geplant wurde, ist er ausgelegt auf sensationelle 27 Millionen Passagiere!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,

lasst uns also die Früchte unserer Arbeit ernten, bevor die wie ein Damoklesschwert über uns hängende Insolvenz niederfährt und sie zu Matsch verarbeitet! Lasst uns also durchstarten, wie es auch einige Piloten tun werden, wenn sie der Koffer auf der Landebahn ansichtig werden, die nicht mehr auf die 8 Gepäckbänder gepasst haben!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kinder,

frei nach dem Motto „was lange währt, wird endlich gut“ möchte ich hiermit die Zwischenlösung für den Berliner Großflughafen eröffnen!

 

Eure BerlinImPulserin Katja

Artikelbild: Jan Kowalski  / pixelio.de

 

 

 

 

Rollei

Eilmeldung: Tempelhof eröffnet wieder

 

BiP Reporter Tim hat sich „unters Volk“ gemischt die Leute mal gefragt, was sie davon halten, dass der Flughafen Tempelhof wieder eröffnet… Augen auf: Das ist BerlinImPuls, das beste Jugendmagazin der Stadt!

 

Bildquelle Artikelbild: Marc Tollas  / pixelio.de