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Youki – Im wahrsten Sinne international!

 

Am Freitag gab es den letzten Teil des Filmsofas – diesmal war es allerdings auf Englisch! Das hat das Gespräch für die Gäste, die aus verschiedenen Teilen der Welt kamen, natürlich enorm erleichtert, mir jedoch einige Schwierigkeiten bereitet…

Diesmal drehte sich alles um das Thema „It´s all about love“, weshalb auch Filmemacher eingeladen waren, deren Werke eines gemeinsam hatten: Sie handelten von Liebe.

Auf dem Sofa saßen Ling Hong, Macherin von „Duet Dance“, aus China, Thomas Kuratli („What ist Love“) aus der Schweiz, die aus Dänemark kommenden „Lost Picture“-Macher Marisól Ortiz und Freja Sofie Kirk und Bianca Emilia A. Fjellstad („C and C“) aus Norwegen – man sieht also, dass sich die Youki zu Recht international nennt!

Während des Gespräches ging es vorrangig darum, dass die Liebe so oft ihren Weg in Filme findet, wenn auch manchmal nur versteckt. Die Filmemacher wurden zu ihren Filmen befragt und Fragen wie „Könntest du dir deinen Film ohne den Aspekt der Liebe vorstellen?“ oder „Wie hast du deine Schauspieler ausgewählt und wie hast du mit ihnen gearbeitet?“ bestimmten zusammen mit der kurzen Vorstellung der Filme das Gespräch.

Für mich hob sich dieser dritte Teil des Filmsofas zu wenig vom ersten ab, da das Thema zu ähnlich war und die Fragen zu wenig Neues ans Licht brachten. Außerdem ist es schwer, mit so vielen Gästen eine gewisse Gesprächstiefe zu erreichen, da man auf jeden eingehen muss – wenn man zwei zu ihren Film befragt und von diesen einen Ausschnitt zeigt, wäre es unfair, die anderen zu übergehen.

Von daher riss mich dieser Talk nicht sonderlich mit. Allerdings gab es auch hier einen Satz, der mir in Erinnerung geblieben ist: Die Filmemacherin von „C and C“ sagte „Ich liebe es, Leute einfach dadurch zu berühren, dass ich die Wahrheit sage.“ (Ich hoffe, ich habe es richtig übersetzt :D) und ich finde, das ist einfach eine prima Einstellung.

Außerdem habe ich an diesem Tag aber noch in das Hörspiel-Projekt reingeschaut…äh, reingehört! Meine Ergebnisse erhaltet ihr  hier „Wie entsteht ein Hörspiel?“.

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Youki – „Glück ist langweilig“

 

Auch am Donnerstag war auf dem Filmfestival wieder viel los. Es begann schon in der Früh um 7 Uhr: Einige aufgeweckte Kinder rannten kreischend und Türen schlagend durch den Gang vor unserem Zimmer und rissen uns damit auf grausamste Weise aus unseren süßen Träumen…

 

Dementsprechend müde saßen wir nach dem Frühstück im Alten Schlachthof und sahen uns die am Wettbewerb teilnehmenden Filme an.

Da so viele Filme eingereicht wurden, dauerte das wieder bis in den späten Vormittag hinein, sodass wir uns direkt im Anschluss auf die Suche nach etwas zum Essen machten: Es gibt einen McDonalds in Wels!

 

Um 15.30 Uhr kam dann der 2. Teil des Filmsofas: „Ich möchte Teil einer Protestkultur sein oder: Im Zweifel für den Zweifel“. Zu Gast waren diesmal Peter Schernhuber von der Festivalleitung der Youki, Vera Schöpfer von Screenagers und Agnes Aistleitner, Macherin des Films „State of Revolution“.

In dieser Folge des Filmsofas ging es zwischen Zusammenhänge von Festivals und Protest, von Filmen und Protest. Führt man den Protest weiter, wenn man einen Film dazu produziert? Welchen Personen gibt man ein Forum und welchen nicht?

Diese Fragen wurden – wieder live im dorf tv – gestellt und diskutiert.

Vera Schöpfer war Leiterin eines Projektes, in dem 6 deutsche und 6 griechische Jugendliche zusammen Dokumentarfilme gedreht haben – sowohl in Deutschland als auch in Griechenland. Allerdings kamen ihnen kurz vor ihrer Reise nach Griechenland die dortigen Demonstrationen in die Quere. Sie entschieden sich jedoch, trotzdem hinzufahren. Dort angekommen, wechselten sie kurzentschlossen ihr Thema – statt einen Film über einen Astrologen zu drehen, dokumentierten sie die Protestbewegung und drehten den Film „Athens Calling„: „Nach der großen Demonstration gegen die Sparbeschlüsse des Parlaments brennen mehr als 40 Gebäude in Athen, darunter drei Kinos. Unmittelbar nach den Krawallen durchstreifen junge deutsche und griechische Filmemacher die Stadt und suchen Antworten auf die Frage: Warum der Angriff auf die Tempel der Kultur?  Stimmen von Athener Künstlern, Lehrern, Jugendlichen, Politikern – Eindrücke und Bilder aus einer Stadt am Abgrund.“ (screenagers.de)

Auch Agnes Aistleitner beschäftigte sich in ihrem Film „State of Revolution“ mit einer Protestbewegung. Dabei war sie jedoch nicht in Griechenland, sondern in Kairo. Ihr Anliegen war es, zu untersuchen, ob das Bild, das die Nachrichten von der Situation zeichneten, wirklich der Realität entsprach. Dafür suchte sie die Begegnung mit Menschen, die ihr ihre Sicht darlegen konnten und startete eine Gesprächsrunde.

Peter Schernhuber war gewissermaßen Vertreter für die Festivals und legte seine Meinung zum Zusammenhang zwischen Protest und Festivals dar.

Dieser zweite Teil des Filmsofas hat mich wesentlich mehr gefesselt als der letzte, denn er gab mir neue Denkanstöße. Bisher hatte ich nicht darüber nachgedacht, was es eigentlich bedeutet, einen Film über Protestbewegungen zu drehen. Bezieht man damit Stellung? Ist es überhaupt möglich, in einem solchen Film die eigene Meinung außen vor zu lassen? Denn schon beim Zusammenschneiden des Materials muss man sich ja für bestimmte Stellen entscheiden und andere auslassen. Bezieht ein Festival Stellung, wenn es einem solchen Film eine Plattform bietet?

Besonders zu denken gegeben, haben mir zwei Aussagen von Vera Schöpfer: „Wenn man einen Film machen will, muss es einen bewegen. Weil sonst macht man keinen guten Film.“ und „Glück ist langweilig.“

Ich finde, diese beiden kann man nicht nur auf Filme beziehen, sondern auf unser komplettes Leben. Was wäre, wenn alles immer fantastisch wäre – könnten wir uns dann überhaupt noch für etwas begeistern? Schließlich gäbe es nichts Außergewöhnliches mehr.

Eure BerlinImPulserin Katja

Anmerkung: Der Film „Athens Calling“ ist momentan nur in Ausschnitten zu sehen. Wenn ihr den vollen Film sehen wollt, solltet ihr eine Anfrage an vera(at)screenagers.de schicken.