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Lücken im feministischen System

Die feministische Bewegung hat sich schon viele sexistische Baustellen vorgenommen. Da gäbe es das Bekannte „x“, das man einfach überall dranhängt: Angestelltx, Doktorx, usw. Oder die Option männlich, weiblich und andere zu wählen, wenn man gefragt wird. 

Ein Kommentar von Celine Kempen

Das mit Abstand ehrgeizigste Projekt ist die umfassende Frau-isierung, wie zum Beispiel: „Für alle Professorinnen gilt Anwesenheitspflicht“. Hierbei wird erwartet, dass alle Professoren und Professorinnen erscheinen; die Feministen drehen den Spieß einfach um. Dazu kommen natürlich die üblichen Verdächtigen, wie etwa die Gleichberechtigung bei Einstellung und Bezahlung. Umso mehr wundert es mich, dass ich zum Feiern einen „Muttizettel“ ausdrucke, der gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 des Jugendschutzgesetzes wirklich so heißt.  Auf diesem kann selbstverständlich nur „Mutti“ unterschreiben, denn „Vati“ ist ja arbeiten. Mal abwarten, wie lange es braucht, dass hier eine Umbenennung vorgenommen wird. Wie wäre es ganz einfältig mit einem „Partyzettel“ oder ganz feministengetreu der „X-Genehmigung“?

Wie steht Ihr dazu?

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Scheiß Feminismus?

Unser Mannsbild und unser Anspruch an Frauen ist noch immer geprägt von Werbung, Nachkriegszeiten und Pornos. Zeit, das mal zu ändern.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Poesie sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden!

Spätestens an Superbowl musste ich wieder schlucken. Um Fassung bemüht saß ich vor dem Fernseher und sah eingeölte Models, die orgasmisch in Burger beißen. Sonst höre ich regelmäßig, wie Jogurt oder Katzenfutter weiblichen Models Stöhnen und Schnurren entlocken. Ich sehe, wie sie sich lasziv die Beine rasieren, was in der Praxis nicht mal den Ansatz von Erotik besitzt.

Ich habe in der Werbung und auch sonst nicht einen Mann gesehen, der ejakuliert weil er eine Bratwurst sieht. Überhaupt sehe ich von Männern nicht viel nackte Haut, nicht mal in Serien, in denen das Hauptthema Sex ist. Ich sehe Brüste. Vielleicht will ich das aber gar nicht. Wer behauptet, da gibt es keine Differenz, macht gute Miene zu diesem Spiel. Ich aber finde die Regeln nicht fair, und habe keine Lust mehr, mitzumachen.

Wer bin ich?!

Die Frage in der Debatte der Gleichberechtigung. In Massenpanik vor dem Fortschritt sucht die Gesellschaft Antworten und findet keine. Ich bin Feministin, für mich steht das außer Frage. Der Begriff? Zugegebenermaßen sperrig, genau wie Emanzipation. Aber es geht nicht um das Wort, sondern um die Haltung dahinter. Die Situation ist folgende: Frauen und Männer sind nicht gleichberechtigt. Und UnterstützerInnen des Feminismus wollen das ändern. Doch die Haltung gegenüber der feministischen Bewegung wird zunehmend feindlich. Heißt das, Feinde vom Feminismus hassen Frauen, die nicht in das Haushaltsklischee passen oder Mädchenkram lieben?

Feminismus ist keine Bedrohung, eher Angriffsziel

Gebe ich folgende Schlagworte in die Suchleiste ein: feminist should, feminist must, bestätigt sich mir dieser Eindruck schon. Mir wird richtig übel. Dann vervollständigt sich der Begriff schon mal mit den meist gesuchten Ergebnissen: „…sollte man töten“, „…gehören vergewaltigt“, „…Unterdrückung des Mannes“, „…dürften nicht unterrichten“. Ich finde mich nicht in diesen Zeilen wieder. Ich finde auch, ich sehe nicht aus wie eine „Kampflesbe“. Aber fühle mich betroffen. Für mich ist das bittere Ironie, allein mithilfe von Google zu sehen, dass Gleichberechtigung und Respekt gegenüber der Selbstbestimmung von Frauen halt immer noch eine leere Worthülse, eine Lüge ist.

Aus Angst vor Gegenwind

so scheint es mir, stellen sich Menschen quer, wenn das Wort Feminismus fällt. Kein Wunder, dass Frauen wie Männer Abstand von der Bewegung für Gleichberechtigung nehmen. Natürlich ist das absolut ironisch gemeint. Wie kann es sein, dass so viele Menschen extrem viel Wert darauf legen, nicht in die „falsche“ Schublade gesteckt zu werden, selbst aber darin versauern?

Das gruselige Bild vom emanzipierten Mann

„Ich bin keine Feministin, weil ich auch mal schwach sein will und einen starken Mann an meiner Seite habe.“ „Ich bin keine Feministin, weil ich es mag, wenn Männer mir die Tür aufhalten und mir aus der Jacke helfen.“ „Ich bin kein Feminist, weil ich wahre Weiblichkeit an Frauen so schön finde.“ Tagein, tagaus lese ich die mühsamen Rechtfertigungen von beiden Geschlechtern, warum sie sich von der Bewegung für die Gleichberechtigung der Frau distanzieren und bin schockiert, weil alle zusammen mit diesen Rechtfertigungen schon wieder auf ihr Recht verzichten, auf das Recht, für ihre Rechte einzustehen.

Sexy, wenn auch kontrovers

Sprechen wir einmal Klartext. Feminismus ist bunt. Denke ich an dieses Wort, poppen vor mir Gesichter auf von Berühmtheiten wie Emma Watson, Vorstandschefin Sheryl Sandberg oder Schauspieler Ryan Gosling, in einer Reihe mit der Popstern Beyoncé und Komiker Steve Carell. Sie alle bezeichnen sich als FeministenInnen, und sie alle werden gemeinhin als Sexsymbol oder charismatisch angesehen. Natürlich unterscheidet sich ihr jeweiliges Engagement ebenso wie ihr Verständnis von Feminismus. Mitunter wird ihr Statement kontrovers diskutiert und in Frage gestellt. Sie beweisen trotzdem, dass feministisch nicht unweiblich heißt und das Gleichberechtigung Gewinn für jedes Geschlecht bringt.

Die Kategorien aufbrechen

Gleichberechtigung bedeutet nicht Gleichstellung. Die Revolution findet nicht im Bett statt. Eure Angst vor Verlust der gegenseitigen Anziehungskraft ist unberechtigt. Feminismus, Gleichberechtigung, Emanzipation der Frau, das alles ist kein Angriff auf das Schlafzimmer. Darum geht es nicht. Ein emanzipierter Mann, der Frauen dabei unterstützt, dieselben Rechte und Privilegien genießen zu können, kann trotzdem gerne Türen aufhalten und beim ersten Date zum Essen einladen. Und eine Feministin kann sich trotzdem beim Flirten in den Haaren spielen und Parfüm tragen und Pink mögen.

Gleichberechtigung steht allen, unisex

Nichts kleidet Menschen nach meinem Geschmack besser, als die gelebte Fähigkeit, sich für andere einsetzen. Ich mag Frauen ohne Stutenbissigkeit und Männer, die mich respektieren. Attraktiv und modern ist, wer sich für andere einsetzt. Statt dem nächsten wiederkehrenden Print in der Mode sollten wir lieber der Gleichberechtigung folgen: steht jedem, unisex. Ein Hype, bei dem alle mitmachen können.

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