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Wie kann etwas Schönes so schlecht sein?

Ich mag Blogs. Ständig verliere ich mich im geschriebenen Wort. Ich liebe Mode. Street-Style, High-Fashion und Vintage sind da markante Wörter.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Poesie sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden! 

Nur wenn das Eine mit dem Anderen zusammenkommt gerate ich ins Straucheln.

Mich stört die Art und Weise, mit der das gehypte Medium aus der Gesellschaftsmitte heraus Marken bewirbt, immens. All diese gefeierten ModebloggerInnen, deren überteuerte und qualitativ schrecklich kurzweilige Sachen in Fabriken hergestellt wurden, in denen die Näherinnen tagein tagaus mit Ausbeutung konfrontiert sind.

Jemand, dessen Faible für Kleider, Luxus, Taschen, Schuhe fair bleibt, suche ich in den weiten Netzwerken der Blog-Branche vergeblich. Ja, ich halte es für sehenswert, wenn jemand Stil durch Haltung zeigt. Längst wünsche ich mir diesen einen Vorreiter, diesen Blog xy der heraussticht. Selbst eine subtile Herangehensweise an das Thema wäre mir recht. Ein neuer Star am Stilhimmel, der ohne es zu betonen auf etwas mehr Nachhaltigkeit achtet. Sodass bedachtes Kaufen und Tragen nebenbei zum Trend und dann zur Gewohnheit werden kann, als wäre das lange schon selbstverständlich.

Sicher ist momentan: Sünde wird immer ein Teil des Geschäfts bleiben. In unserem getakteten, genormten und fortschrittlichen Alltag ist es trotz oder gerade deshalb nicht gänzlich möglich, ohne schlechten ökologischen Fußabdruck, ohne Dreck an den Händen zu konsumieren oder zu leben. Das würde unhaltbaren Verzicht für die meisten bedeuten, auch mich. Vielleicht würde dieser Anstand nicht einmal die Lage entscheidend ändern. Doch warum sie mit Engelszungen fördern, warum Unverantwortlichkeit fashionable machen?

Auf der norwegischen Homepage afterposten sind nun fünf Episoden der Dokumentation „Sweatshop“ online (englische Untertitel). Der norwegische Modeblogger Ludvig und die beiden Bloggerinnen Frida und Annike fahren nach Kambodscha, besuchen eine der Produktionsstätten ihrer Lieblingsmarken und leben mit den dort arbeitenden Frauen. Ein Projekt, das notwendig ist. Zwar zeigt sich nicht, wie Protagonisten ihr virtuelles und modisches Leben danach weiterführen und ob sie die Reise an das dunkle Ende der Stoffkette tatsächlich so sehr geprägt hat, wie es den den Aufnahmen zu urteilen der Anschein ist.

Bleibt zu hoffen, dass mehr und mehr solcher Szenen oder ähnlicher Artikel wie dieser uns irgendwann endlich so schockieren, fast schon verfolgen. Damit wir irgendwann ernst zu nehmend so handeln, dass wir uns mit einem guten Gewissen schlafen legen können. In einem guten Pyjama.

Hier gehts zu Gennas facebook-Kolumne! 

Kindertrödelmarkt

Primark erobert Berlin

Primark – eine 1969 in Irland gegründete Modekette, welche seit 2009 auch in Deutschland Filialien eröffnet. Bisher sind es schon sieben Stück: unter anderem in Frankfurt oder auch Bremen. Und die Eröffnung einer achten Filliale steht kurz bevor. Mitte 2012 soll im Schloß-Straßen-Center in Berlin-Steglitz die erste Berliner Primark-Filiale seine Tore öffnen, Ende des Jahres eine zweite am Alexanderplatz.

Wenn überhaupt kennt man die irische Modekette nur aus dem Londonurlaub, oder eben, wenn Primark schon einen Standort in der eigenen Stadt hat. Das Unternehmen punktet vor allem mit seinen unschlagbar tiefen Preisen und, im Vergleich zu anderen Discount-Ketten, sehr modischen Artikeln, weniger mit der Qualität der Produkte: Neben Kleidung führt das Unternehmen auch Schuhe, Schmuck und Dekorationsartikel.

Noch ist Primark „relativ“ unbekannt, jedoch fürchten viele, dass die Verbreitung der Kette auf dem deutschen Markt dazu führen könnte, dass der Reiz am irischen Unternehmen verloren gehen könnte, da dann jeder mit dem Pulli rumläuft, den man sich eigentlich als „Souvenir“ für 4 Pfund im Urlaub gekauft hatte.

Meiner Meinung nach ist das aber eben unabdingbar, da die Preise in solchen Ketten ja gerade deshalb so günstig sind, da man ja nicht für Exklusivität zahlt. Der einzige Punkt an dem der Reiz verloren gehen könnte ist der, dass es dann nichts besonderes mehr ist, bei Primark einkaufen zu gehen, da zukünftig bestimmt in jeder größeren Stadt in Deutschland eine Filiale zu finden sein wird.

Ein anderer Kritikpunkt ist der an den Bedingungen, unter denen Billig-Mode-Ketten produzieren. Doch bedeutet dass Primark automatisch noch schlechtere Arbeitsbedingungen hat als beispielsweise H&M, da sie ihre Artikel noch günstiger verkaufen können? Heisst billiger automatisch schlechter?

Ich habe mal recherchiert: Die Produktionsländer sind die gleichen: Sie liegen zum größten Teil alle in Süd-Osten Asien, Indien zum Beispiel. Generell wird heutzutage in unserer globalisierten „Wegwerfgesellschaft“, in der Aktualität einen höheren Stellenwert als Qualität und Nachhaltigkeit hat, meist nur auf sein eigenes Wohl geachtet. Dass möglicherweise Kinder, die vielleicht nicht mal halb so alt sind wie wir, statt in die Schule zu gehen, arbeiten gehen und an 16-Stunden-Arbeitstagen unserer Kleidung fertigen, um ihre Familien über Wasser zu halten, wird meist ausgeblendet. Erst vor ein paar Wochen hat die ARD z.B. im H&M Markencheck ausführlich darüber berichtet.

Im Grunde glaube ich, dass es unter dem ethisch-moralischem Aspekt keinen Unterschied macht, ob man ein T-Shirt für drei Euro bei Primark, für sieben Euro bei H&M oder für 30 Euro bei Hollister kauft, da alle Firmen in den gleichen Ländern, meist sogar in denselben Fabriken produzieren lassen. Der Preisunterschied kommt also eher durch Marketingkosten zu Stande.

Um wirklich sicher gehen zu können, dass in der Produktion seiner Kleidung alles mit rechten Dingen zu ging, muss man schon bei Unternehmen einkaufen, die ausschließlich im eigenen Land produzieren oder Unternehmen, die sich auf „fair-trade-Kleidung“ spezialisiert haben.

Im Allgemeinen sollte man versuchen, wenn man einkaufen geht, nicht auszublenden, was für eine Reise das Produkt, das man in den Händen hält, schon hinter sich hat, und durch wessen Hände es möglicherweise schon gegangen ist. Vielleicht ist es manchmal besser, etwas zu sparen, um sich guten Gewissens neue Kleidung zu kaufen, auch wenn ich weiß, dass das nicht leicht ist, aber man hat ja auch länger was davon, wobei man natürlich darauf achten muss, dass es wirklich „fair-trade“ Produkte sind: Denn im Gegenschluss heisst es:  Teurer bedeutet nicht immer fairer.