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Deutsche Rezepte im Ausland – über Eier, Mehl und Zucker

Man stellt sich ja immer vor, einkaufen sei leicht. Und wenn es in einer Sprache ist, die man nur spärlich beherrscht, dann ist ja zwar kompliziert, aber nicht unmöglich. Denkste!

IMG_0781.JPGVon Benjamin Lewerenz / Helsinki

Ich musste nämlich heute Zutaten für einen Kuchen einkaufen, den ich morgen backen muss. Eigentlich, so dachte ich mir, kann es ja gar nicht so schwer sein; schließlich habe ich iPad und das Internet in meiner Tasche. Und es gibt eine Art Online-Langescheidt, der mir alles direkt vom Deutschen ins Finnische übersetzt. Denn der Kuchen, den ich backen wollte, war nach einem Rezept meiner deutschen Mutter – auf Deutsch. Aber ich kann ja lesen und das Internet bemühen.
Das habe ich auch gemacht. Im Supermarkt habe ich erstmal mit den einfachen Sachen angefangen, solche, die ich schon wusste. Zucker zum Beispiel (Sokeri). Aber statt Sokeri stand dort nur Taloussokeri – trotzdem war er keine 10 Sekunden später in Korb, das Internet sagt nämlich talous — Haushalt (und Haushaltszucker klang gut). Nächster Schritt, Mehl. Mehl, so erinnerte ich mich, war im Finnischen Jauho. Aber natürlich wäre es zu einfach, wenn es nur Mehl gäbe…der vorbei war, die eine Marke war vergriffen, das heißt, ich musste zum Puolikarkea vehnäjauho greifen. Was das ist? Keine Ahnung, aber einfach rein in den Korb (Beim Schreiben dieses Artikels habe ich dann doch mal nachgeschaut…). Dann war ich auf dem Weg zur Sahne, die ich für den Kuchen brauchte. Auf dem wie lagen dann auch gleich die Eier, von denen ich dann gleich mal eine Packung mitgenommen habe. Hui – das war tatsächlich einfach. Saure Sahne stand auf meinem Plan als nächstes — Hapankerma. Im Kühlregal steht aber nur Ruokakerma, Kuohokerma, Creme fraîche, etc… Aber keine saure Sahne…

Also habe ich meine (deutsche) Mutter angeschrieben, gefragt was denn als Ersatzmittel geht. Muttern hat das Telefon aber natürlich nicht in der Nähe. Also Alternative: iPad. Aus der Schultasche gekramt, FaceTime und sie angerufen. „Mama ist vorübergehend nicht auf FaceTime erreichbar“. Mist.

Also raten wir halt einfach mal: ruoka = Essen, Speise (so viel hatte ich schon gelernt), kerma heißt ganz offensichtlich Sahne – also Speisesahne; aber ne, das ist keine saure Sahne. Creme fraîche? Ne, das ist was ganz anderes, kenne ich ja aus Deutschland… Kuohokerma wird schon passen. Glücklich über meine Entscheidung gehe ich zur Kasse und dann nach Hause. Was sich dann auch als kompliziert herausgestellt hat, weil hier nämlich momentan ständig Temperaturen zwischen -4 und +4 Grad herrschen und dadurch der Schnee geschmolzen, dann wieder gefroren, geschmolzen und wieder gefroren ist; was zur Folge hat, dass es mittlerweile nur noch große, glatte Eisflächen sind… Und ich hatte Eier in der Tasche. Der Weg ist (laut Karte) 600 Meter lang… Für gewöhnlich brauche ich nicht länger als 5 Minuten – heute mit den Eiern waren es plötzlich 20. Zuhause überglücklich angekommen und kurz abgestellt um mich auszuziehen, als ich einen Anruf aus Deutschland bekomme. „Ja, Mama?“ Die Sahne, die ich gekauft hatte, war Schlagsahne (kuoho = Schaum) – für den Kuchen unbrauchbar – und wir hatten keinen (Back) Kakao Zuhause, genauso wenig wie Backnatron… Verflixt nochmal und zugenäht. Also iPad in die Jackentasche (Ja, meine Jacke ist groß genug um das ein iPad Air da reinpasst) und mit Knopf im Ohr zurück zum Supermarkt. Ab in die Backwaren-Abteilung. Dem Schwedischem sei Dank, das Backpulver sofort gefunden (Bakpulver im schwedischen), aber wo ist der Kakao? Fünf Minuten stehe ich vor dem Regal, nehme jedes einzelne Teil in die Hand um sicher zu gehen, dass ich ihn nicht übersehe… Ich finde ihn nicht.
Also hat Mutti, immer noch per Knopf im Ohr, die geniale Idee, ich solle erstmal Sahne kaufen. Erwidere die habe ich beim ersten Mal schon nicht gefunden. Sie meint, ich könne auch Schmand oder Creme fraîche nehmen. Ich seufze und laufe zielstrebig zum Creme fraîche. Auf dem Weg zurück zu den Backwaren entdecke ich eine Abteilung, Inder der ich „Kaffe, Filterpapier, Tee, Kakao“ finde… Meine Mutter lacht, als ich ihr das erzähle. Verstehe nicht warum.
Stehe wieder vor einem großen Regal und eine Stimme in meinem Kopf erklärt mir, wie die Verpackung aussieht. Lache verzweifelt und erwidere, dass ich in Finnland und nicht in Deutschland bin… Entdecke dann einen großen braunen Karton: „Cacao – bak & desert“. Selig sei das Schwedische…

Stimme im Ohr gratuliert mir, meint das ich jetzt alles habe und erklärt mir, dass das Abendbrot kalt wird und verschwindet.

Für mich kein Problem mehr. Ich gehe direkt zu den Süßwaren und nehme mir eine Tafel Schokolade (in Finnland traditionell 200g statt wie in Deutschland 100g). Laufe grinsend zur Kasse und bezahle. Beim Verlassen des Supermarktes überlege ich, wo es denn noch Routen ohne Eis gäbe… Und plötzlich liege ich auf der Nase. Naja, die Eier waren ja schon Zuhause. Und den Einkauf habe ich überstanden, da werde ich den Weg nach Hause auch noch überstehen. Schließlich habe ich Finnisch überstanden. Da kann mir das Eis doch nichts mehr…

Guten Appetit!