Sommermärchen oder Millionengrab?

Die Olympiabewerbung Berlins teilt die Bevölkerung in drei Lager. Die einen dafür, die anderen dagegen, und wiederum anderen ist es völlig gleich. Uns ist es nicht egal. Deshalb blicken wir kritisch auf diese Großveranstaltung.

Ein Kommentar von Oliver Mattutat

Pro: Sommermärchen 2.0

Schon 2006 war die Welt „zu Gast bei Freunden“. Während der Weltmeisterschaft konnte sich ganz Deutschland weltoffen zeigen. Auch die Hauptstadt Berlin bekam viel internationales Lob. Und Olympia passt perfekt in diese Stimmung, weil es ist ein Friedensfest. Sportler aus aller Herren Länder messen sich in unzähligen Disziplinen. Zuschauer aus den verschiedensten Ecken der Welt feuern während der Wettkämpfe die Athleten an. Eine einzigartige Stimmung entsteht. Denn trotz aller Rivalität steht Olympia für Sportsgeist und Fairness. Der Olympische Gedanke würde wieder in Berlin aufleben. In der Stadt, die eine einzigartige Geschichte hat. 1936 waren die Olympischen Spiele das letzte Mal in Berlin. Damals eine einzige Inszenierung der Nationalsozialisten. Die grausame Zeit des Nationalsozialismus darf nicht vergessen werden. Dennoch wird durch Olympische Spiele diese Zeit nicht verdrängt, viel mehr kann man diese Großveranstaltung dazu nutzen, daran zu erinnern und zu feiern, dass es heute nicht mehr so ist. Die Teilung Deutschlands zusammenhängend mit der Berliner Mauer ist ein weiterer Teil der außergewöhnlichen Geschichte Berlins.
Durch die Investitionen, die rund um Olympia gemacht werden, sollen die Sportstätten profitieren. Denn eine Reihe davon soll im Zuge der Vorbereitung saniert werden. Weil durch die Paralympics eine behindertengerechte Stadt gefordert ist, würde die Barrierefreiheit in Berlin vorangetrieben. Auch der soziale Wohnungsbau sei durch den Bau des Olympischen Dorfes in Tegel garantiert.

Contra: Das Geld, welches für Olympia veranschlagt wird, könnte viel besser verwendet werden.

Natürlich dreht sich bei den Olympischen Spielen alles ums Geld. Es lohnt sich, auf einige Zahlen einen Blick zu werfen. Der Senat veranschlagt zwei bis zweieinhalb Milliarden Euro, die rund um Olympia ausgegeben werden müssen. Diese Zahl ist ja schon sehr hoch. Blickt man dennoch auf die letzten Spiele in London 2012, kann einem Angst und Bange werden. Die Kalkulation der Londoner ähnlich zu der des Berliner Senats. Am Ende standen in der Bilanz aber nicht zweieinhalb Milliarden, sondern 15 Milliarden. Also sechsmal mehr als vorher angenommen. Das kann Berlin nicht stemmen. Wenn es um Bildung oder ähnlich wichtige soziale Angelegenheiten geht, verweist der Senat zu meist auf die klamme Stadtkasse und die hohen Schulden. Aber eine Großveranstaltung wie die Olympischen Spiele kann sich geleistet werden. Ein wenig suspekt ist das schon. Auch kostet die Bewerbung alleine 50 Millionen Euro.
Der Vertrag, den die austragende Stadt mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) abschließen muss, enthält viele merkwürdige Klauseln. So soll es eine Fahrspur geben, die sogenannte „Olympic Lane“, die nur von Offiziellen befahren werden darf. Ob sich das überhaupt umsetzen ließe, kann ich nicht beurteilen. Weiterhin fordert das IOC, eine Steuerbefreiung und ein Werbemonopol während der Spiele in der jeweiligen Stadt.
Es ist zu erwarten, dass auch viel Geld eingenommen wird. Aber dieses Geld wird der Breitensport nicht zu sehen bekommen. Denn der Weiterbetrieb der Olympiaanlagen allein wird einen großen Teil der Einnahmen schlucken.


Fazit:

Olympia in Berlin wäre eine Großveranstaltung fürs Gefühl und fürs Herz. Rein wirtschaftlich muss gesagt werden, dass sich eine Bewerbung sehr schwer rechtfertigen lässt.
So oder so kann diese Diskussion am 21. März ganz schnell beendet sein. Falls sich der Deutsche Olympische Sportbund für Hamburg entscheidet, wird der Fokus in Berlin ganz schnell wieder auf etwas anderes gerichtet. Ein oder zwei Dinge würden mir da spontan einfallen.

 

Was hältst du von der Olympiabewerbung Berlins? Sag‘ uns deine Meinung!

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