Kopftuch auf Probe: Von Mitleid bis Demotivation!

von Celine Kempen

Aus Neugier habe ich die letzten Tage eine Art Kopftuch getragen.

Es hat mich interessiert, wie meine Umgebung, Fremde und Bekannte wohl darauf reagieren würden. Ich habe es nicht korrekt gebunden, wie es Muslima tun – dennoch konnte man nicht erahnen, was sich für Haare unter meiner Bedeckung verstecken.

Aus Neugier außerdem, weil ich erkunden wollte, was mir wohl für Blicke zugeworfen würden: verwirrte, abweisende oder gar verurteilende…

11959966_926206980750514_1775966388563388319_nSehr schnell stellte sich heraus, dass kein Mensch mich auch nur für einen Moment für eine Muslima hielt, wohl weil ich einfach nicht südländisch aussehe. Das enttäuschte mich, da mein Versuch, einen Einblick in die Reaktion auf Muslime in Deutschland zu bekommen, damit gescheitert war. Kurz darauf bemerkte ich aber doch eine ganz andere Art von Blick auf mir, die so noch nie auf mir lag… Besorgniserregende Mienen, mitleidserfüllte Lächler…

Meine Familie sagte dazu einstimmig, ich hätte ein bisschen was von einer Chemopatientin.

Da wurde mir einiges klar: Die darauffolgenden Tage habe ich einfach nett zurückgelächelt und hab mein Tuch da gelassen, wo es war, bzw. immer noch ist. Die Blicke konnte ich ja so wegstecken, da ich mich in bester gesundheitlicher Verfassung befinde. Ich habe jedoch angefangen, mich zu fragen, wie es wohl wäre, wenn ich tatsächlich krank wäre aber, dem Tempo meines Ganges durch die Straßen Berlins zufolge, definitiv auf dem Weg der Besserung. Stört es einen dann nicht ungemein, ständig als Opfer seiner Krankheit gesehen zu werden?

Für mich sind nette Blicke und Begegnungen im öffentlichen Raum ein Beitrag zu einer guten Lebensqualität. Ärzte betonen immer wieder, dass eben diese essentiell sei für die positive Einstellung der an Krebs erkrankten Patienten und für die daraus resultierende Genesung. Patienten mit niedrigerer Lebensqualität würden zu Abbrüchen der Therapie neigen. Selbstverständlich zählen da Faktoren rein, die mit Smalltalk nichts zu tun haben, wie etwa Schwäche, Übelkeit, fehlendes Vertrauen in die Zukunft und Schlimmeres. Dennoch kann der Passant durch ein aufmunterndes Lächeln oder eine schöne Unterhaltung Besseres bewirken, als durch Mitleid und Abweisung.

Denkt mal darüber nach: eure Blicke haben mehr Kraft, als ihr vielleicht denkt.

 

Quelle/Information:

http://www.fr-online.de/gesundheit/lebensqualitaet-bei-krebs-sorgen-von-krebskranken-wenig-beachtet,3242120,25904128.html

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