Kleider-Flatrate für Kluge

Mein geräumiger, bespiegelter Kleiderschrank von Ikea ist clean und chic: pures Weiß beklebt mit bunten Bildern. Seit zwei Jahren leere ich die Schubladen regelmäßig, ohne sie wieder aufzufüllen.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Poesie sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden! 

Dieses radikale Aussortieren ist wie ein Befreiungsschlag von der Luxus-Göre in mir und ein Segen für die langsam wachsenden Teenie-Kinder von Mamas Bekannten, die dankbar absahnen.

Mir fehlen diese Fehlkäufe nicht. Doch der Tag X kommt, an dem die Sehnsucht nach einem neuen Teil wieder da ist. Was tun, wenn man sich großen Konzernen verweigert und trotzdem ein Faible für Mode hat?

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Die Freundinnen und nun Geschäftspartnerinnen Pola Fedel und Thekla Wilkening beantworten diese Frage mit Kleiderei, einer monatlichen Flatrate für Klamotten. Das Projekt wurde in Rekordzeit durch Crowdfunding finanziert. Ich habe diese Art von Mode-Bibliothek mal ausprobiert.

Für Schnäppchenjägerinnen

Das Kleiderei-Paket ist eines von der Sorte, wie es in der Zalandowerbung gezeigt wird: Es löst verzückende Japsgeräusche aus. Hier muss auch keine Folie auf- und kein Preisschild abgerissen werden. Aufgeregt stehe ich davor und schnuppere den typischen Vintage-Duft meiner neuen (alten) geliehen Kleider ein.

Damit die Leihgaben mit Liebe getragen werden, gibt es ein paar persönliche Zeilen.

Damit die Leihgaben mit Liebe getragen werden, gibt es ein paar persönliche Zeilen.

So geht Mode 4.0

In einer November-Nacht schließe ich nach einer flotten Registrierung das Abo ab: 34 Euro im Monat für je vier Kleidungsstücke meiner Wahl. Mein Paket, dessen Lieferung und Retour im Preis mitinbegriffen ist, kann ich also alle vier Wochen neu bestücken. Auf der Kleiderei-Homepage finde ich die Größe und eine 360 Grad Ansicht aller Anziehsachen in verspielten Kategorien wie „The Great Gatsby“ oder „Breakfast At Tiffanys“. Nicht jede Bluse oder jedes Kleid ist augenblicklich verfügbar, dafür ist der Hype zu groß. Eine Merkliste meldet sich bei mir, wenn mein Favorit wieder zurückgeben wurde.

Ein bisschen wie Weihnachten

Meine WG-Mitbewohnerin wartet und kommentiert geduldig, obwohl ich mich bei meiner Mini-Modenschau ein wenig peinlich verhalte. Es ist ein bisschen wie Pokern, ob die Größen S und M immer passen.

Der Onlineshop besteht teils aus unseren alten Lieblingsstücken, die per Post zum Teilen versandt werden können. Auch Jungdesigner bieten Einzelstücke ihrer Kollektionen zum Verleih an. Ergänzt wird das Angebot durch einige waschechte Vintage-Stücke. Nach drei Monaten Pflichtabo ist die Flatrate monatlich kündbar.

Bäumchen, wechsel dich!

Genau genommen verweilen bei mir für einen Monat folgende Stücke: Ein pinker Oversized-Blazer, ein Barockkleid mit Telleröckchen, ein blau-weiß gestreiftes A-Linienhemdblusenkleid und eine sehr ausgefallene, sehr gewagte und sehr exklusive Abendrobe von La Perla. Durchgerechnet 8,50 Euro pro Teil kostet mich der tragbare Spaß. Das hübsche Minikleid kommt bei mir Weihnachten zum Einsatz. Für den Alltag ist es mir zu festlich. Sorgen darum mache ich mir aber nicht, schließlich schicke ich es in wenigen Wochen wieder zurück.

So bleibt mein Schrank weiterhin aufgeräumt, mein Look variabel und mein Gewissen sauber.

Ab sofort gilt: Heute Robe, morgen Rockshirt!

#Stil hast du, Kleider leihst du!

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