,,Jetzt zählt erst mal nur Rio!“

Die sehbehinderte Schwimmerin Emely Telle ist eine der deutschen Medallienhoffnungen für die Paralympischen Spiele 2016 in Rio. Im Interview spricht die 18-Jährige Vize-Weltmeisterin über ihren Weg zum Schwimmen, ihr Leben neben dem Sport und die Spiele in Rio.

Ein Interview von Oliver Mattutat

1596804_829160193799159_6937318286159670598_oOliver Mattutat: Wann und wie kamst du zum Schwimmen?
Emily Telle: Das war 2007. Da war ich zehn Jahre alt. Ich war auf einer Sehbehindertenschule.  Wir haben einen Schwimmwettkampf gemacht und da wurde ich von einer Trainerin entdeckt.

Wann wurde es zum Leistungssport für dich?
Ich bin erst mal zweimal die Woche zum Training gegangen. Dann später in Erfurt auf der Sportschule wurde das Trainingspensum schon höher. Irgendwann, als ich gemerkt habe, dass ich den Sport sehr liebe und sehr erfolgreich werden möchte, bin ich nach Berlin gegangen.

Was ist das Wichtigste für dich beim Schwimmen? 
Ich denke, das Wichtigste ist das Team um einen herum und wie der Trainingspartner oder die Trainingspartnerin ist. Wenn das ein Idiot ist, mit dem ich schwimmen muss, ist das schon blöd. Aber wenn das jemand ist, mit dem ich echt Spaß habe, lacht man auch viel. Das ist das Wichtigste.

Du wurdest vom Tagespiegel als „Gute-Laune-Schwimmerin“ betitelt. Ist das auch deine Mentalität, dass du versuchst gute Laune zu versprühen?
Ich bin auch oft schlecht gelaunt beim Training. Was da beschrieben wurde, ist eher meine Wettkampf-Laune. Denn da bin ich meistens glücklich und locker. Beim Training wechselt es oft.

Konzentriert und gut gelaunt im Wettkampf! Foto: Nora Erdmann

Konzentriert und gut gelaunt im Wettkampf!
Foto: Nora Erdmann

Welche Erfahrungen hast du mit deiner Behinderung im Sport gemacht?
Ich mache ganz normal Training wie die anderen Menschen. Die einzige Behinderung ist die Wende wegen meiner Augen.

Findest du, dass der Behindertensport  in Deutschland ausreichend Beachtung findet?
In Deutschland eher nicht. Der Schwimmsport allmgemein erfährt nicht so viel Beachtung. Es gibt so viele Sportarten, die nicht beachtet werden, zum Beispiel Rudern oder Volleyball. In Deutschland ist im Vordergrund nur der Fußball und das ist schade. In England zum Beispiel ist jede Sportart gleich wichtig und wird finanziell gleich unterstützt. Das finde ich besser.

Was hast du nach deiner Schulzeit vor?
Nach meinem Abitur möchte ich gerne Modejournalismus studieren, wenn sich meine Interessen nicht verändern.

Du trainierst 25 Stunden die Woche und gehst zur Schule. Bleibt da noch freie Zeit?
Ja, doch. Wenn ich ein Wochenende frei habe, mache ich schon sehr viel. Das endet meistens im Stress, weil ich mir zu viel vornehme. Ich gehe dann shoppen und feiern. Ich versuche an einem Wochenende alles rauszuholen, was ein normaler Jugendlicher so macht.

Welche Erwartungen hast du an die Paralympischen Spiele in Rio – sportlich und privat?
Sportlich ein Medaille. Das ist schon das Ziel. Und privat, dass ich einfach glücklich bin. Danach habe ich zwei Monate frei und möchte viel mit meiner Familie machen und genießen, dass ich das geschafft habe.

Welche Ziele hast du darüber hinaus oder ist alles auf Rio ausgerichtet?
Jetzt zählt erst mal nur Rio! Alles danach ist im Moment unwichtig.

Zum Schluss möchte ich dich bitte, dass du folgenden Satz vervollständigst: Das Jahr 2016 wird für mich…
sehr Nerven aufreibend und spannend. Danke für das Gespräch und viel Erfolg!

 

 

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