Ein Besuch im Europäischen Parlament – der Bundestag kann einpacken!

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Im ersten Halbjahr der Klasse 12 ist im Fach Politikwissenschaften die EU das zentrale Thema, weshalb ich mich umso mehr gefreut habe, als ich die Möglichkeit bekam, an einer Fahrt zum Europäischen Parlament nach Straßburg teilzunehmen. Veranstaltet wurde diese von Dagmar Roth-Behrendt (zu finden unter Infos –> Besucherfahrten), einer SPD-Abgeordneten im Europäischen Parlament, wobei die Fahrt allen Interessierten offen stand,  unabhängig von der politischen Überzeugung.

Das Europäische Parlament ist die Vertretung der Bürgerinnen und Bürger in der EU, seine Abgeordneten werden von uns Bürgern alle 5 Jahre direkt gewählt und die nächste Europawahl findet am 25.Mai 2014 statt. Zu den wesentlichsten Aufgaben des Europäischen Parlamentes gehört die Gesetzgebung, die Festlegung des Haushalts (beides zusammen mit dem Rat der Europäischen Union) und die Kontrolle der Exekutive. All das war mir aus dem Unterricht bekannt, doch es in Wirklichkeit zu „erleben“, ist natürlich eine andere Dimension.

Innenhof direkt hinter dem Eingang

Innenhof direkt hinter dem Eingang

Zusammen mit etwas mehr als 40 Interessierten reiste ich also nach Straßburg, einer für sich allein schon sehenswerten Stadt, und bekam Einblicke in die Aufgabenbereiche des Europäischen Parlaments. Verschiedene SPD-Abgeordnete erzählten uns, mit welchen Themen sie sich beschäftigen oder was es allgemein für sie an Problemen in der EU gibt. Das war nicht nur spannend, sondern teilweise auch amüsant, doch dazu in einem späteren Artikel mehr.

 

Der Plenarsaal

Während des Aufenthalts beim Europäischen Parlament haben wir nämlich nicht nur mit SPD-Abgeordneten gesprochen, sondern durften auch einmal in den Plenarsaal. Dort durften wir zu meinem Leidwesen keine Fotos machen, denn dieser Saal hat mich wirklich beeindruckt. Er wirkte riesig – der Bundestag kann einpacken dagegen, obwohl er „nur“ 120 Abgeordneten weniger einen Platz bieten muss. Wie im Bundestag war jeder Sitz mit einem Mikrofon ausgestattet, aber im Europäischen Parlament gab es auch noch Kopfhörer und ein „Pult“ zum Regeln der Lautstärke und zum Einstellen des Sprachkanals. Denn im Europäischen Parlament gibt es 24 verschiedene Amtssprachen, jeder spricht also in seiner eigenen Sprache, womit es 552 verschiedene Sprachkombinationen gibt. Das ist ein enormer Aufwand und erfordert viele leistungsfähige

Dolmetscher und Übersetzer. Im Plenarsaal gibt es in den Wänden über zwei Etagen lange Glasscheiben, hinter denen die Dolmetscher sitzen.

Der Plenarsaal  © European Union - European Parliament

Der Plenarsaal
© European Union – European Parliament

Außerdem befinden sich an der Wand hinter dem Tisch der Vorstehenden zwei große Bildschirme, an denen der aktuelle sowie die nächsten Redner samt ihrer Fraktion angezeigt wurden und die Zeit, die der aktuelle Redner schon redete.  Wenn er seine Zeit überschritt, blinkten neben der Zeitanzeige zwei rote Sternchen auf und irgendwann schlug der Vorstehende mit einem Holzhammer auf den Tisch, um ihn zum Schweigen aufzufordern.

Als ich dem Plenarsaal einen Besuch abstattete, fand gerade eine fachspezifische Diskussion zum Budget 2014 statt, was bedeutet, dass nur die Abgeordneten, die sich mit diesem Thema beschäftigen, anwesend waren. Mit anderen Worten: Oben auf den Besuchertribünen saßen gut 10mal so viele Leute wie unten im Plenarsaal. Die Sitzordnung der Abgeordneten richtet sich nicht nach der Staatsangehörigkeit, sondern nach der politischen Überzeugung. Die beiden größten Fraktionen sind die „Europäische Volkspartei“ (EVP), in der sich unsere CDU-Abgeordneten befinden, und die „Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament“ (S&D), zu der die SPD-Abgeordneten gehören.

Hier wurden Interviews gegeben.

Hier wurden Interviews gegeben.

Obwohl im Parlament eine solche Leere herrschte, war es schwer zu verfolgen, wer gerade das Wort hat. Der Saal ist so groß, dass man nicht immer sofort sah, wer gerade stand und die wenigsten Abgeordneten blickten zum Sprecher, sondern beschäftigten sich mit ihren Notizen, ihrem Tablet, ihrem Handy und einige redeten sogar mit Kollegen. Ich habe schon überlegt, ob die sich gegenseitig überhaupt zuhören, oder ob jeder nur seine Meinung vorträgt und sich dann ausklinkt. Ein Abgeordneter ging sogar, nachdem seine Redezeit vorbei war!

Doch trotz diesem etwas „seltsamen“ Verhalten war ich von der Atmosphäre im Europäischen Parlament begeistert. Hier wird Politik gemacht, die über Grenzen hinaus wirkt. Hier arbeiten 28 verschiedene Staaten mit unterschiedlichen Stärken, Problemen und Ausgangssituationen zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Wenn ich mich nicht schon vorher für Politik interessiert hätte, dann spätestens jetzt!

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