Die einfachen schweren Dinge – Interview mit einem Flüchtling

Die einfachen schweren Dinge
Miteinander reden, Vorurteile vermeiden

Mahdi Ahmadi ist ein ehrgeiziger, intelligenter junger Mann. Zur Zeit macht er sein Abitur und möchte einmal Medizin studieren und dann Arzt werden. Soweit nichts ungewöhnliches. Doch Mahdi ist ein Flüchtling, kommt aus Afghanistan und wohnt in einem Übergangswohnheim in Berlin. Durch die Kooperation „gemeinsam.“ zwischen dem jungen deutschen Theater und dem Heim, hatte BerlinImPuls-Reporterin Marie die Möglichkeit, mit ihm zu sprechen und ein paar Gedanken einzufangen.

Von Marie Greiner (16)

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Foto: Initiative Echte Soziale Marktwirtschaft (IESM) / pixelio.de

Es war ein sehr spontanes Interview, ich hatte keine Fragen dafür vorbereitet und mein Interviewpartner dementsprechend auch keine Antworten. Es fing sehr stockend an, ich hatte mich noch nie intensiver mit der Thematik „Flüchtlinge“ beschäftigt und wollte natürlich auch keine „dummen Fragen“ stellen oder in irgendein Fettnäpfchen treten. Mit der Verständigung gab es dahingehend allerdings keine Probleme, Mahdi hat sein Deutschkurs auf Anforderungsniveau B2 fast fertig und ich musste so nicht „überaufmerksam“sein, um alles zu verstehen, sondern konnte einfach ganz normal mit ihm sprechen. Wir fingen erstmal mit den Basics an und Mahdi erzählte mir, das er zur Zeit ein Praktikum im Kindergarten mache und in einem Vorkurs sein Abitur. Sein Abitur hat er eigentlich schon in Afghanistan gemacht, doch in Deutschland wird dies nur als mittlerer Schulabschluss anerkannt. Allein dafür zollte ich ihm schonmal größten Respekt, da ich als Schülerin, die selber grade Abitur macht, weiß, wie anstrengend das ist und alles dann gleich zwei Mal? Sehr ehrgeizig. Aber Mahdi möchte eben Medizin studieren und dann Arzt werden. Ein großes Ziel.

Du musst auf die Fragen, die ich jetzt stelle nicht antworten“, sagte ich, weil ich absolut keine Ahnung hatte, ob das was ich frage dumme Vorurteile sind oder einfach nur sinnlos ist. Ich fragte als erstes nach seiner Aufenthaltsgenehmigung. Alle 6 Monate muss der 30-jährige seine Aufenthaltsgestattung verlängern, es kann aber jeden Tag die Nachricht kommen, dass sein Asylverfahren abgelehnt wird und er zurück nach Afghanistan muss. „Wie?“, fragte ich, „Das heißt alles, was du hier grade machst, dein Abitur, der Deutschkurs, das Praktikum. Alles umsonst?“. „Nein, nicht umsonst. Ich spreche dann Deutsch. Ich muss mit dieser Gewissheit leben, ich versuche nicht jeden Tag daran zu denken und mich auf mein Ziel zu konzentrieren“. Bewundernswert, da war ich erstmal sprachlos.

Zur Zeit ist die Diskussionen um Religionen wieder groß wie lange nicht mehr, besonders der Islam steht hierbei im Mittelpunkt. Da lag es nah, das ich auch Mahdi nach seiner Religion fragte und Mahdi ist Muslim. Doch was haben wir für ein Bild vom Islam, nach den jüngsten Anschlägen in Paris und PEGIDA ( Patrioten Europas gegen die Islamisierung des Abendlandes) ? Ich habe Mahdi mit allen Vorurteilen konfrontiert, Vorurteile die nicht von mir kommen, aber die man doch ab und zu in seinem Umfeld mitbekommt oder in den Nachrichten hört. Unwissenheit. Mahdi erzählt: „Natürlich gucke ich Nachrichten und höre Radio, natürlich habe auch ich von dem Anschlag in Paris erfahren. Ganz klar möchte ich mich, sowie ein Großteil der Muslime, von diesen Leuten distanzieren. Das sind keine Muslime, das sind andere Menschen deren Ideen ich nicht verstehe. Entweder haben sie den Koran nie gelesen oder haben ihn nicht verstanden und machen daraus, was sie wollen. Was ich nicht verstehe ist, das die Darstellung, dass Muslime in Paris gemordet haben wichtiger ist, als die Tatsache das es doch Terroristen sind. Egal welcher Religion man angehört: Glaube darf niemals über Gerechtigkeit stehen.“ Ich musste schlucken und ärgerte mich, das ich ein solches Gespräch nicht schon viel früher geführt habe. Er redete weiter: „Das ist einfach nicht der Sinn von Religion. Ich kann nicht verstehen, warum Menschen nicht einfach miteinander reden können, was anderes machen wir beide doch grade auch nicht. Es kann doch nicht wichtiger sein, ob Muslim und Christ, als Mensch und Mensch. Wir sind doch alle gleich.“

Es waren die Dinge, die wir alle wissen, die er nur ausgesprochen hat und doch trotzdem die Dinge, die uns doch offensichtlich so schwer fallen. Ich war überrascht, über soviel Offenheit und Lockerheit mit der mir Mahdi entgegengetreten ist. Obwohl…Was heißt überrascht? Habe ich was anderes erwartet, habe ich mich auf Vorurteile verlassen? Ja, bemerke ich. Ich hatte Vorurteile und Mahdi hat mir geholfen, diese zu beseitigen.

Ich empfehle jedem sich seine eigene Meinung zu bilden, egal in welcher Hinsicht. Was wäre es für eine schöne, unkomplizierte Welt, wenn alle ein Stück mehr so wie Mahdi denken würden. Denn im Endeffekt sind wir doch alle gleich: Wir alle sind Menschen.

 

Fotos: Wilhelmine Wulff  / pixelio.de und F.M. / pixelio.de

 

 

One thought on “Die einfachen schweren Dinge – Interview mit einem Flüchtling

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