Bücher to go

Die Buchläden in Berlin sind ein Traum: bunt, indie, groß, englisch, deutsch-türkisch, Fachliteratur, Katzenbuchhandlung, alles da. Als bekennende Bibliophile bin ich stets auf der Suche nach neuem Stoff.

An dieser Stelle schreibt unsere Reporterin Genna-Luisa Thiele regelmäßig eine Kolumne über aktuelle Gedanken, die sie sich macht. Irgendwo zwischen Provokation, Schönmale und -Musikerei, Mitteilungswahn und Mittelfingermentalität sollen sich die Themen, Artikel und Dinge, die hier landen bewegen – von euch beurteilt und kommuniziert werden!

Aber Buchläden haben Öffnungszeiten.

Heißhunger auf Druckerschwärze 
Kommt meine Lust auf fremde Welten zwischen zwei Buchdeckeln also nachts, muss ich warten. Muss ausharren und im Halbdunkel meine Bücherregale nach Stoff durchforsten. Ich kann diesen Hunger schwer stoppen.

Unterwegs von Termin zu Termin hetzend, nehme ich mir oft, aber nicht immer Zeit, um die Buchläden zu stürmen und sie mit schweren Papiertüten voll Romanen und Sachbüchern zu verlassen. Nur dann stellt sich Befriedung ein.

Noch so ein bekannter Hunger
…ist der Jieper nach Süßem, Salzigem, Saftigem to go. In den großen Städten Deutschlands gibt es für diesen Heißhunger Automaten an den Bahnhöfen.

Ich stehe auf Kriegsfuß mit diesen Automaten, zu oft haben sie mein Geld genommen ohne mir meine Schoki zu geben. Tritte, Flüche, Sprungtritte gegen die Plastikscheibe zum Trotz. Das liegt an dem nicht ganz ausgefeiltem System. Aber es besteht doch die Chance, dass es klappt.

Manchmal vertraut man dieser geringen Wahrscheinlichkeit, weil der Magen knurrt und bellt. Streunert erst unentschlossen hin und her. Zählt das Kleingeld im Portemonnaie, mit hungrig zittrigen Fingern. Zweifelt wie immer an der Reihenfolge: erst Zahl oder erst Münze? Schiebt diese dann in den vorgesehenen Schlitz oder Schieber, wählt die Beute und holt dann bestenfalls seinen Riegel oder seine Tüte Chips mit verrenktem Handgelenk hervor.

Bücherautomaten: Buch to go
Ich hatte mein Buch vergessen. Die Wartezeit ist wochentags länger, selbst im gut vernetzten Berlin. An den Gleisen der U-Bahnlinie 8, Station Alexanderplatz, stand er dann plötzlich da. Ein Automat, gefüllt mit Spiegel-Bestsellern to-go. Preislage zwischen einem Fünfer und Zehner. Ich verfiel dann kurzzeitig in den Touristenmodus und machte ein Foto von dem Gerät. Als Beweis, für die Welt außerhalb der Unterwelt.

Dann begann ich zu streunern, abzuwägen. Zählte mein Geld und erinnerte mich an die richtige Reihenfolge. Schob den Fünfer in den dafür vorgezogenen Schlitz und zog mir ein Buch. Es blieb stecken.

Mit einem Kick zum Leseglück
Panisch habe ich umgesehen, nach Passanten mit Kickboxfigur. Stattdessen hat dann mein eigener beherzter Tritt doch das Buch befreit. Ich habe meine Hand gebogenen und gedreht. Und hielt es glücklich glucksend in meinen Fingern, die zitternd Seite um Seite blätterten.

Zwar gibt es kein Rückgaberecht. Dafür aber 24-Stunden-Service. Ab zum Alex!

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