Berliner Bezirke: Kreuzkölln im Wandel

 

Angesagte Clubs, rustikale Cafés, hippe Szenenmusik aus allen Ecken. Vorallem junge Leute pilgern immer öfter zu den aktuell populärsten Bezirken Berlins. Kreuzberg hat die 180° Drehung schon weitgehend hinter sich, Neukölln steht kurz davor. Das Maybach-Ufer, der Kreuzberg im Viktoria Park oder die mit unterschiedlichsten Cafés und Bars belagerte Bergmannstraße sind der Dreh- und Angelpunkt der Berliner Jugend. Doch was macht solch einen „Trendbezirk“ eigentlich aus? Ist es die interessante Mischung der Bewohnerschaft aus allerlei Nationen? Oder machen der sonst so verhasste Dreck, die „Kunst“ des Graffitis und die vielen Altbauten Kreuzberg und Neukölln so außergewöhnlich? BiP-Reporterin Büsra Delikaya hat versucht, es für euch herauszufinden…

Lautstarke Kneipen, die hohe Arbeitslosigkeit oder die sozialen Brennpunkte in beiden Bezirken scheinen lange kein Hindernis mehr für einen sozialen Aufstieg zu sein. Immer mehr junge Eltern, Studenten, Mode- und Kunstinteressierte lassen sich nicht länger von dem haftenden Image „Problemkiez“ abschrecken. Dabei entstand das nicht ohne Grund. Allein in Neukölln-Nord haben 70 Prozent aller Schulabgänger höchstens einen Hauptschulabschluss. Die Arbeitslosenquote beträgt zurzeit 23,1 Prozent, Tendenz steigend. Vor allem Kindern und Jugendlichen nichtdeutscher Eltern werden kaum eine Perspektiven geboten. Das Hauptproblem ist dabei nicht die mangelnde Wertschätzung der Eltern für die Bildung ihrer Kinder – nein, es scheitert fast immer an den sprachlichen Barrieren und den fehlenden Deutschkenntnissen. Der Teufelskreis beginnt: Die Jugendlichen können nicht stark genug von zu Hause aus gefördert werden und verfallen oft genug noch in das Schema der typischen kriminellen ausländischen Jugend mit einer vollends verbauten Zukunft. Aber all das scheint zur Zeit in den Hintergrund zu gertane…

Der einst so „gefürchtete Bezirk“ rund um den Landwehrkanal zwischen Neukölln und Kreuzberg entwickelt sich immer mehr und immer schneller zu einem Geheimtipp. Es sind die vielen mediterranen Restaurants und die modischen Inspirationsquellen, z.B. in Form von jungen Mädchen und Jungs, die sich immer ausgefallener und up to date anziehen, die im Gedächtnis hängen bleiben und nicht mehr nur die Bilder vom Drogendealer in der Hasenheide oder am „Kotti“, wie der Straßenzg rund um das Kottbusser Tor von Berlinern liebevoll genannt wird.

Kreuzberg ist das Sinnbild für die kreative Individualität geworden. Neukölln steht für lebendiges MultiKulti. Die Vermischung der verschiedensten Kulturen und Mentalitäten entfachen eine wunderbar harmonische Atmosphäre über den Dächern „Kreuzköllns“. Bei einem Rundgang durch die Kreuzköllner Szene begegnet man oftmals Teenagern, wie sie mit einer Bionade oder Fritz Cola in der Hand, Spiegelreflexkameras um den Hals hängend und mit Jutebeuteln ausgestattet umherwandern. Auch der überraschende Ansturm auf Flohmärkte, kuriose Läden mit selbstdesignten bunten Klamotten oder Vintage-Second-Hand Shops bestägigt den rasant steigenden Hype um die beiden sympathischen Bezirke. Auch Touristen folgen dem interessanten Ruf Neuköllns und Kreuzbergs nach einer Besichtigung und interpretieren das neue Szenevirtel als „Must See“.

Also, es ist endlich an der Zeit, die staubige Vorstellung der problematischen, voller Arbeitslosen und Kriminellen bevölkerten Stadtteile abzulegen und die neue revolutionäre Ära der hippen, jungen und frischen Bezirke Neuköllns und Kreuzbergs aufbrechen zu lassen!

 


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