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Ungesunde Kurzschlüsse 

von Celine Kempen

 

Eines Schultages in einer Zehlendorfer Grundschule: Die Lehrerin fragt die Kinder, wer von ihnen mit Menschen mit Migrationshintergrund in Kontakt kommt.

Schüler 1 antwortet: “Also meine Putzfrau kommt aus Polen.”

Schülerin 2 bemerkt daraufhin: “Achso ja, meine kommt aus dem Kosovo.”

Schülerin 3: “Ich fahre mit Papa jeden Tag an einem Flüchtlingsheim vorbei und sehe die

Flüchtlinge.”

Die vierte Schülerin fragt daraufhin verwirrt die Lehrerin: ”Aber soviele Putzfrauen brauchen wir doch gar nicht, oder?”

Dieser kindliche Kurzschluss hat mich schockiert: Das Kind kennt Migranten nur als Putzkräfte und schließt daraus, dass jeder Migrant auch diese Funktion ausfüllt. Natürlich führt das zu Verwirrung bezüglich der benötigten Putzkräfte.

Ab hier wollte ich eigentlich den Wahrheitsgehalt dieser Aussage journalistsich aufdecken. Wieviele Hilfsjobs werden tatsächlich von Migranten ausgeführt? Wie verteilt sich die Konfrontation mit Flüchtlingen und Migranten auf die Bezirke? Und wie weit verbreitet ist dieses kurzschlussartige Denken bei Erwachsenen?

Bei meinem ersten Rechercheansatz tippte ich Folgendes eifrig in die Google-Leiste ein: “Wie viele Hilfsjobs werden in Deutschland von Ausländern verübt?”

Die Treffer, die sich dann auftaten, haben mich noch mehr erschüttert als die vorherige Anekdote:

 

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Einwanderer begehen öfter Verbrechen? Ausländerkriminalität? 

Ich google, wie viele Flüchtlinge Hilfsjobs annehmen und geboten wird mir das. So viel zu einer objektiven Suchmaschine. Die Logarithmen scheinen gepolt auf sehr spezielle Suchergebnisse.

Das ist für mich ungefähr genau so schlimm, wie die Presse, die vor einer “drohenden Flüchtlingswelle” warnt.

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Ich empfinde solch eine Wortwahl als Hetze. Die Basis des Journalismus wird hier verleugnet: die Neutralität. Meiner Meinung nach beschreibt der Titel “eine neue Flüchtlingswelle wird erwartet” den Artikel auf eine professionellere Art und Weise.

Sowohl diese Formulierung, die das Wort Bedrohung einschließt, als auch die Suchmaschine, die von Arbeit auf Kriminalität schließt, hat das Potenzial, Menschen negativ zu beeinflussen. Hier findet man in der Tat das Kurzschlussprinzip vom Anfang wieder. Es werden Terme miteinander assoziiert, bis sie zur Normalität werden. Dabei ist es doch gewollt und notwendig für die erfolgreiche Integration der Flüchtlinge, dass unter den Bürgern eine Stimmung herrscht, die dem „Wir schaffen das!“ von Kanzlerin Merkel entspricht.

Ich glaube, worum ich hier bitte, ist ein gewisses Maß an Reflektion. Im Besonderen liegt es mir am Herzen, dass sich die bisher durchaus positive Stimmung nicht unterkriegen lässt von der unneutralen Presse. Flüchtlinge gab es immer und wird es immer geben. Vielleicht sind es irgendwann Du und ich.

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Paris, Paris, Paris: Gibt es auch andere Themen in den Medien?

Klar, jeder hat von den Anschlägen in Paris und der Drohung vom IS an Deutschland und Österreich gehört – aber sind das die einzigen Probleme die zur Zeit in der Welt herrschen?

ein Kommentar von Laura Walz

Ein ganz klares Nein von den Jugendlichen! Der Terroranschlag in Frankreich und die große Flüchtlingswelle, die nach Europa kommt, lässt andere Themen in den Medien komplett untergehen.

Einige sind der Meinung, dass Politik und Medien zusammenhängen und es absichtlich nur auf diese Themen abgesehen haben. Habt ihr mitbekommen, dass neue US-Atombomben nach Deutschland gebracht worden sind? Oder dass der Bundessicherheitsrat wieder “Kleinwaffenexporte” genehmigt hat? Die meisten, mit denen ich darüber gesprochen habe, hatten keine Ahnung davon und das alles nur, weil es nur noch um den IS geht.

Andere wiederum sagen, dass die Medien richtig handeln. Sie wollen schließlich wissen, wie es um das Terrorregime IS steht und wie es in Deutschland weiter geht.

Meiner Meinung nach wird viel zu wenig über die anderen Probleme geredet. Es gibt viel mehr Themen als nur Flüchtlinge oder den IS. Verständlich ist, dass sie uns darüber aufklären, was gerade passiert ist und was noch passieren wird. Bedenkt man, dass in den Kriegsländern, wie zum Beispiel Syrien, dies Alltag ist. Nur weil es diesmal in unmittelbarer Nähe geschehen ist, heißt es nicht, dass die Nachrichten sich nur noch um dieses eine Thema drehen müssen. Nur als kleines Beispiel: Am 13.11.2015 sind außer den Anschlägen in Paris noch Anschläge in der Türkei und in Bagdad, der Hauptstadt des Iraks, verübt worden. Außerdem kamm an diesem Tag ein aufkommender Tsunami in Japan und ein Tornado in Mexiko. Hat einer von euch das gewusst? Wenn nein, denkt mal nach weshalb nicht.

Wenn ich Chefin einer Redaktion wäre, würde ich mich dafür einsetzen, dass mehr Themen über das eigene Land sowie über andere Länder ausgestrahlt werden.

Ebru Kirinci Trans X

Das Wunder der Aufklärung

Stell dir vor, du fühlst dich fremd in deinem eigenen Körper. Wie gefangen in einem Käfig deines Geschlechts. Sich das vorzustellen, ist einem wahrscheinlich erst möglich, wenn man es erlebt hat. Um es besser verstehen zu können, versuche ich zu fühlen, wie es wäre, meine Brüste nicht mehr an mir haben zu wollen… puh, gar nicht so leicht.

von Celine Kempen

Das im Hinterkopf behaltend, denke jetzt an dein Umfeld: Wie würde dein Umfeld reagieren, wenn du dich in deinem Körper unwohl fühlen würdest? Wären die Menschen in deiner nächsten Nähe tolerant? Flexibel? Warmherzig? Oder eher kühl? Distanziert? Vorwurfsvoll? Ein schwerer Weg von Transsexuellen!

Ebru Kiranci kann von einem toleranten Umfeld nur träumen. Sie ist eine bekannte Trans*-Frau/Aktivistin, die in Istanbul für die Rechte von Transsexuellen und Transvestiten, gegen ihre Verfolgung und Ermordung kämpft. Sie wurde von ihrer Familie, ihren Freunden und der Gesellschaft verstoßen. Schon seit 25 Jahren engagiert sie sich. Dafür wurde ihr vom CSD Berlin 2015 der „Soul of Stonewall Award“ verliehen.

Inspiration für dieses Thema hier war für mich die neue Dokumentation „Trans X Istanbul“. Die Deutschlandpremiere hat am 27.9. im Maxim-Gorki-Theater stattgefunden. Es handelt sich um ein Werk von Maria Binder mit Ebru Kiranci als Hauptdarstellerin. Binder beleuchtet den Alltag von Transsexuellen in Istanbul. Des Weiteren geht es um die Entstehung von Hassmorden und Diskriminierung in türkischen Städten, die gegen Trans*Menschen gerichtet sind und gegen die nicht ermittelt wird. In Ausnahmefällen werden die Täter gefasst – jedoch anschließend wieder freigelassen.

Viele türkische Bürger missachten Transsexualität, da diese oft in Verbindung mit sexueller Tätigkeit gebracht wird. Zwar prostituieren sich viele Transsexuelle, das hat jedoch andere Ursprünge: aufgrund ihrer Erscheinung und dessen, was sie sind, bekommen sie oftmals keine reguläre Arbeit. Doch nicht nur die Arbeitswelt bleibt Ebru und ihren Gefährtinnen verschlossen. Auch die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig. Transsexuelle dürfen nur in bestimmten Gebäuden wohnen; sie werden regelrecht isoliert. Zudem kaufen große Firmen diese Gebäudekomplexe dann auf, um ein Hotel oder Sonstiges an dessen Stelle zu setzen.

Doch es reicht nicht, dass ihnen der Unterschlupf streitig gemacht wird. Die Nachbarn machen ihnen ebenfalls das Leben zur Hölle. Trans* Phoben stehen auf der Straße vor dem Gebäude und beleidigen und bedrohen die transsexuellen Bewohner des Wohnorts. und das jeden Tag. Hass-Worte werden schnell zu Hass-Attacken, zu Hass-Morden.

Um all dem zu entgehen, möchte Ebru ein Heim für Trans*Frauen errichten. Sie wird dabei von Maria Binders Mutter unterstützt, der 85-jährigen Margarethe. Nach der Vorstellung setze ich mich zu Ebru auf die Treppe vor dem Theater. Ich unterhalte mich mit ihr mithilfe ihres Übersetzers. Ich finde heraus, dass die Transsexuellen in diesem Heim auch psychologische Hilfe bekommen. Dort und in Gruppen können sie ihre Traumata verarbeiten, die sie durch körperliche und emotionale Gewalt erlitten haben. Doch wie bei vielen sozialen Projekten gibt es zu viel Nachfrage und zu wenig Unterstützung. Wie gut, dass es Frauen (und Männer!) gibt, wie Maria Binder und die Mitglieder ihres Teams, die sie voller Stolz auch auf die Bühne bat, als die Vorstellung um war. Das Team hat die Dokumentation auch in der Türkei gezeigt. Die Reaktionen waren allesamt wie erhofft: beschämt gaben viele Türken (auch Gläubige) zu, Transsexuelle falsch eingeschätzt zu haben. Es ist wichtig, dass über dieses Themen gesprochen wird. Aufklärung kann Wunder bewirken.

http://www.gorki.de/spielplan/trans-x-istanbul/1677/

Du interessierst Dich für dieses Thema? Engagier Dich bei Amnesty International, Partner dieses Projekts: https://www.amnesty.de/

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Kopftuch auf Probe: Von Mitleid bis Demotivation!

von Celine Kempen

Aus Neugier habe ich die letzten Tage eine Art Kopftuch getragen.

Es hat mich interessiert, wie meine Umgebung, Fremde und Bekannte wohl darauf reagieren würden. Ich habe es nicht korrekt gebunden, wie es Muslima tun – dennoch konnte man nicht erahnen, was sich für Haare unter meiner Bedeckung verstecken.

Aus Neugier außerdem, weil ich erkunden wollte, was mir wohl für Blicke zugeworfen würden: verwirrte, abweisende oder gar verurteilende…

11959966_926206980750514_1775966388563388319_nSehr schnell stellte sich heraus, dass kein Mensch mich auch nur für einen Moment für eine Muslima hielt, wohl weil ich einfach nicht südländisch aussehe. Das enttäuschte mich, da mein Versuch, einen Einblick in die Reaktion auf Muslime in Deutschland zu bekommen, damit gescheitert war. Kurz darauf bemerkte ich aber doch eine ganz andere Art von Blick auf mir, die so noch nie auf mir lag… Besorgniserregende Mienen, mitleidserfüllte Lächler…

Meine Familie sagte dazu einstimmig, ich hätte ein bisschen was von einer Chemopatientin.

Da wurde mir einiges klar: Die darauffolgenden Tage habe ich einfach nett zurückgelächelt und hab mein Tuch da gelassen, wo es war, bzw. immer noch ist. Die Blicke konnte ich ja so wegstecken, da ich mich in bester gesundheitlicher Verfassung befinde. Ich habe jedoch angefangen, mich zu fragen, wie es wohl wäre, wenn ich tatsächlich krank wäre aber, dem Tempo meines Ganges durch die Straßen Berlins zufolge, definitiv auf dem Weg der Besserung. Stört es einen dann nicht ungemein, ständig als Opfer seiner Krankheit gesehen zu werden?

Für mich sind nette Blicke und Begegnungen im öffentlichen Raum ein Beitrag zu einer guten Lebensqualität. Ärzte betonen immer wieder, dass eben diese essentiell sei für die positive Einstellung der an Krebs erkrankten Patienten und für die daraus resultierende Genesung. Patienten mit niedrigerer Lebensqualität würden zu Abbrüchen der Therapie neigen. Selbstverständlich zählen da Faktoren rein, die mit Smalltalk nichts zu tun haben, wie etwa Schwäche, Übelkeit, fehlendes Vertrauen in die Zukunft und Schlimmeres. Dennoch kann der Passant durch ein aufmunterndes Lächeln oder eine schöne Unterhaltung Besseres bewirken, als durch Mitleid und Abweisung.

Denkt mal darüber nach: eure Blicke haben mehr Kraft, als ihr vielleicht denkt.

 

Quelle/Information:

http://www.fr-online.de/gesundheit/lebensqualitaet-bei-krebs-sorgen-von-krebskranken-wenig-beachtet,3242120,25904128.html

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Vom Nacktsein und anderen Unsicherheiten

Seit einiger Zeit begleitet die Lektüre eines besonderen Buches meinen Alltag. Es ist mehr eine seh lange These als ein Roman, mehr erklärend als ausschmückend. Khola Maryam Hübsch erläutert in „Unter dem Schleier die Freiheit- Was der Islam zu einem emanzipierten Frauenbild beitragen kann“ ihre Wahrnehmung des Islam und hat mehr als einen interessanten Standpunkt auf Lager.

Eine Buchrezension von Celine Kempen

Ein Aspekt ihrer komplexen These hat mich am meisten beschäftigt, wobei ich nicht ausschließen kann, dass auf den verbleibenden Seiten noch etwas kommt, das mich ebenso stark zum Nachdenken bringt. Es geht dabei um die ständige Sexualisierung der Frau in der westlichen Gesellschaft und um ihr „Nacktsein“ in der Öffentlichkeit. Die Autorin stellt die Vermutung an, dass westliche Frauen durch ihre Kleidung ständige sexuelle Verfügbarkeit ausstrahlen würden. Zudem beschäftige sich der Großteil primär mit ihrem Aussehen: Haare, Make-up, Hosen, Shirts, usw. Hübsch stellt sich daher die Frage: „Wie frei von gesellschaftlichem Druck und von dem Wunsch, (Männern) gefallen zu wollen, sind diese Frauen eigentlich?“

Wenn ich mich mal in mich einfühle, bemerke ich, dass ich ganz und gar nicht frei bin, obwohl mich die Blicke der Männer eher anekeln und niemals das Ziel meines ‚Herausputzens’ sind. Trotzdem tu ich es – mich herausputzen. Diese gesellschaftlichen Zwänge, die niemals laut ausgesprochen aber dennoch unterbewusst angenommen werden können, halten uns nicht davon ab, dem Islam vorzuwerfen, er würde seinen Frauen vorschreiben, wie sie sich zu kleiden hätten und sie damit unterdrücken. Das „hijab“ (Kopftuch) sei ein Symbol der Herabsetzung, obwohl rund 92% (Ergebnis der Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“, 2009) deutscher Muslima angeben, sie würden sich freiwillig bedecken. Hübsch beschreibt das Kopftuch als Symbol der Ergebenheit unter „Allah“ (Gott) und als Mittel, seine Reize vor der Öffentlichkeit zu verbergen, denn sie sind dem Partner vorbehalten. Außerdem trete man so als intellektuelles Individuum auf, das außerdem den Männern das Weggucken erleichtere.

Ich dachte mir, dass ich gerne freier wäre von dem Gefühl, gut aussehen zu müssen und gefallen zu wollen. Darum hat mich diese Ansicht irgendwie angesprochen. Dennoch möchte ich kein „hijab“ tragen und auch nicht zum Islam konvertieren. Demzufolge habe ich mir neue Fragen gestellt:

  • Gibt es einen Weg für mich, als modebewusste und nicht muslimische Frau, nicht nackt zu sein? Nicht als sexuelles Objekt und sexuell verfügbare Person umherzuwandeln?
  • Gibt es einen Weg, dass ich als Frau gleichwertig behandelt und akzeptiert werde als intellektuelles Wesen, dem nicht unterstellt wird, tagtäglich die halbe Männerwelt durch Reize verrückt machen zu wollen?

Wie steht Ihr dazu?

Hier ein Video für euch, das verdeutlicht, was ich meine:
Ein und dieselbe Frau spaziert durch Manhattan. Einmal westlich gekleidet, einmal als Muslima: Ein Vergleich.

 

Quelle:

Khola Maryam Hübsch: Unter dem Schleier die Freiheit- Was der Islam zu einem emanzipierten Frauenbild beitragen kann. Patmos, 2014

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Lücken im feministischen System

Die feministische Bewegung hat sich schon viele sexistische Baustellen vorgenommen. Da gäbe es das Bekannte „x“, das man einfach überall dranhängt: Angestelltx, Doktorx, usw. Oder die Option männlich, weiblich und andere zu wählen, wenn man gefragt wird. 

Ein Kommentar von Celine Kempen

Das mit Abstand ehrgeizigste Projekt ist die umfassende Frau-isierung, wie zum Beispiel: „Für alle Professorinnen gilt Anwesenheitspflicht“. Hierbei wird erwartet, dass alle Professoren und Professorinnen erscheinen; die Feministen drehen den Spieß einfach um. Dazu kommen natürlich die üblichen Verdächtigen, wie etwa die Gleichberechtigung bei Einstellung und Bezahlung. Umso mehr wundert es mich, dass ich zum Feiern einen „Muttizettel“ ausdrucke, der gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 4 des Jugendschutzgesetzes wirklich so heißt.  Auf diesem kann selbstverständlich nur „Mutti“ unterschreiben, denn „Vati“ ist ja arbeiten. Mal abwarten, wie lange es braucht, dass hier eine Umbenennung vorgenommen wird. Wie wäre es ganz einfältig mit einem „Partyzettel“ oder ganz feministengetreu der „X-Genehmigung“?

Wie steht Ihr dazu?

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Ein Schuh & eine Gemeinsamkeit!

An dieser Stelle schreiben unsere BerlinImPuls-Reporter von den kleinen Alltagsgeschichten, die das Leben in der Großstadt so wertvoll machen und die uns immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern.
 

Eines Morgens in Lichterfelde:

Mein Vater betritt ein Schustergeschäft mit einem hilfebedürftigen Schuh.

Der Schuster begutachtet das Stück mit dem abgelatschten Hacken und hätte ziemlich gerne den zweiten und intakten Schuh gesehen: „Wenn ich nicht weiß, wie der andere Hacken aussieht, dann wird sich dieser Schuh hier…  naja, anders laufen…“ Daraufhin erwidert mein Vater sichtlich entspannt: „Da haben sie wohl recht – aber keine Sorge, mein ganzes Leben ist irgendwie‚ naja,… anders gelaufen’“

Daraufhin blickt der Schuster meinen Vater lächelnd an: „Ach!! Ihres auch? Ich dachte ich wäre da ein Einzelfall!“

Beinahe hätte es hier einen Kaffeeklatsch gegeben, wenn die Leben der beiden Männer nicht doch so fatal anders wären.

Text von Celine Kempen

Bildquelle: epicantus/pixabay

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Familiendrama Deluxe: „Eine Familie“ im Theater am Kurfürstendamm

Theater is schnöde? Isses nich. BerlinImPuls-Reporterin Celine war für uns im Theater am Kurfürstendamm und hatte einen intensiven, dramatischen, prominent besetzten Abend – rund ums wesentlichste aller Themen: Familie!

von Celine Kempen

1422529587_150114_einefamilie_plakat_594x8413mm_druck-kleinDer Suizid des alkoholkranken Vaters zwingt eine Familie zur Zusammenkunft auf dem Familiensitz im US-Staat Oklahoma. Die drei Töchter reden seit Jahren nicht miteinander, die an Mundhöhlenkrebs erkrankte und drogensüchtige Mutter hat dennoch ihre vorlaut zynische Art nicht verloren und attackiert ihr Umfeld, wann immer sich ihr die Gelegenheit bietet. Sehr bald eskaliert die Situation und die ganze Familie liegt sich, im wahrsten Sinne des Wortes, in den Haaren. Diese Tragikomödie spannt einen Bogen über Themen wie Generationskonflikt, Missbräuchen jeglicher Art, bis hin zu den Problemen, die eine langjährige Ehe mit sich bringt. Der Broadway-Hit „Eine Familie“ brachte dem amerikanischen Dramatiker Tracy Letts („Bug“, „Killer Joe“) 2008 den Pulitzer-Preis ein. 2013 wurde das Drehbuch mit Stars wie Meryl Streep, Julia Roberts und Benedict Cumberbatch unter dem Namen „Im August in Osage County“ erfolgreich verfilmt.

Zum ersten Mal in Berlin

Aktuell (13. Februar bis 3. Mai) gibt es das Stück erstmals in Berlin zu sehen. Ein von Ilan Ronen geleitetes hochkarätiges Ensemble steht auf der Bühne- unter anderem mit Annette Frier („Danni Lowinski“) als älteste Tochter und Ursula Karusseit („In aller Freundschaft“), die in der Rolle als Rabenmutter brilliert. Des Weiteren hat die münsteraner Tatortkommissarin, Friederike Kempter, die Rolle der egozentrischen Schwester inne. Zu nennen ist hier jedoch die Gesamtheit der Schauspieler: Felix von Manteuffel, Eva Löbau, Marion Breckwoldt, Jan Messutat, Ivan Vrgoč, Jaron Löwenberg, Amelie Plaas-Link und Eva Bay sind auch dabei.

Den Rahmen des Stückes bildet das Haus der Familie, das einen verwahrlosten Eindruck macht mit seinen verklebten Fenstern, herumliegenden Sachen und dem altem Mobiliar- dieser Effekt ist beabsichtigt und trifft meiner Meinung nach ins Schwarze, weil er die emotionale Verwahrlosung der Bewohner prägnant symbolisiert. Häufig sind mehrere Gruppen über die Bühne verteilt, obwohl nur eine von ihnen beleuchtet wird und dadurch im Mittelpunkt steht. Das schafft eine Glaubhaftigkeit der Situation des Zusammenlebens einer Familie und ist zugleich ein schönes Sinnbild für ihre Allgegenwärtigkeit.

Bissige, zynische, bittere Dialoge

Die Inszenierung ist, wie ich finde, genau richtig für das Stück; klassisch und auf das Wesentliche konzentriert. Meiner Meinung nach werden die stilistischen Mittel effektiv verwendet, um die Umstände der Charaktere und deren Beziehungen untereinander eindrücklicher zu machen. Doch das, was diese Tragikomödie ausmacht, sind die bissigen, zynischen und bitteren Dialoge, die mitunter lustig, mitunter traurig düster sind.

Diese Dialoge müssen jedoch richtig gespielt werden und das wurde- vom gesamten Ensemble!- großartig umgesetzt. Persönlich gefallen mir Ursula Karusseit und Annette Frier am besten, da sie die zum Teil bipolaren Charaktere mit Bravour meistern. Doch auch Felix von Manteuffel wird herausgefordert, da er sowohl den Vater, als auch später den Onkel spielt.  Ein Publikumsliebling ist auch Marion Breckwoldt, alias die Schwester der Mutter, da sie den schwarzen Humor ihrer Rolle exzellent herüberbringt und damit für einige Lacher sorgt.

Auf der offiziellen Seite findet man folgende Beschreibung: „Ein bös-pointiertes Fest der Selbstzerstörung. Der unterhaltsamste Scherbenhaufen der jüngeren Theatergeschichte.“

Das Stück hat alle meine Erwartungen erfüllt, die ich mir durch das Schauen des Filmes „Im August in Osage County“ gemacht habe. Die Schauspielkünste sind ein Genuss und die Kulisse ist angenehm. Wer einen turbulenten Abend mit viel Emotion erleben möchte und dabei noch einen Einblick in eine Familie gewinnen möchte, die zerbrochener nicht sein könnte, sollte sich diese Theateraufführung nicht entgehen lassen.

Weitere Infos findet Ihr auf: http://www.komoedie-berlin.de/produktionen/eine-familie.html

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Premiere in Berlin: HOLI Night of Colours

Hellbunt durchströmt die Holi-Welle die Nacht vom 6. zum 7. September 2014 in der Hauptstadt. Holi ist ein aus der Hindu Überlieferung stammendes indisches Frühlingsfest. Dieses wird gemeinsam bunt gefeiert und erobert nun ganz Europa. Am Wochenende gab es das erste Holi Night of Colors mit speziellen fluoreszierenden UV-Licht Farben als Nacht-Event. BerlinImPuls Reporterin Caro war für euch dabei…

von Carolin Weiß

Das war TOP!

Ja, es war schön! Es waren die Farbspielereien, die Atmosphäre am Metaxa Bay und die gut gelaunten Besucher, die diese erste Berliner Holi Night of Colours zu einem unvergesslichen Event gemacht haben. Unter Tropischen Palmen, mit Quarzsand unter den Füßen und direkt am Ufer des Humboldthafens ging es auch garnicht anders, als Urlaubsgefühle aufkommen zu lassen. Besucher aus ganz Deutschland sind angereist um dabei sein zu können. Es gab eine Feuerschow und stündlich einen Countdown der Farbexplosionen. Viele Knicklichter, die leuchtende Lokation und die bunte Masse an tanzenden und singenden Leuten machte die Nacht zum Tag. Highlight: Die UV – Farben waren definitiv besser als die normalen Farbbeutel.

Das war FLOP!

Was die Musik betrifft, steckt die erste Holi Night noch etwas in den Kinderschuhen. Es lief überwiegend sehr chillige Musik was zu Strandgefühl passte, aber nicht so richtig tanzbar war. Die Location war toll, wenn auch etwas kleiner als bei den normalen Holi Events – aber auch hier ist ja noch Luft nach oben :-)

FAZIT

Wenn beim nächsten Mal die Musik besser passt, bin ich wieder dabei. Vielen Dank an alle die da waren – Super Job und nette Leute!

 

 

 

 

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Check it out: Foto-Bloggen!

Fotos sind Momentaufnahmen. Ausdruck des eigenen Blicks auf die Welt. BerlinImPuls stellt euch die Berliner Foto-Bloggerin Elene vor. Sie erzählt, wann sie die schönsten Bilder nicht nur im Kopf, sondern auch in der Kamera hat.

Ein Gastbeitrag von Trixar.

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Musik-Szene-Check: Das ist Hardcore!

Was ist Hardcore für eine Musikszene? Wofür steht die Musik, der Lifestyle, warum ist man Teil dieser Musikbewegung? BerlinImPuls stellt euch Fans, Bands und Konzertveranstalter vor und lüftet das Geheimnis von so manch einem Klischee.

Ein Gastbeitrag vom Medienkompetenzzentrum mezen in Berlin-Pankow.

Teil 1: Das ist Hardcore!

 

Teil 2: Das ist Hardcore auch nicht :-)

 

 

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Geht oder geht garnicht! Wie die Bundeswehr an Jugendliche herantritt…

Studien belegen, dass die Polizei und Bundeswehr beliebte Arbeitgeber für Jugendliche sind. Aber wie ist das eigentlich, wenn über Projekttage indirekt Werbung für den Dienst an der Waffee gemacht wird? BerlinImPuls hinterfragt dieses Thema mal kritisch und freut sich über eure Meinung dazu!

Ein Gastbeitrag von Eva Luise Hoppe, Paul Meyer und Marta Schmidt Yánez.

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Street Food in Kreuzberg: Markthalle 9

In Berlin vereinen sich Menschen aus der ganzen Welt. Und mit ihnen kulinarische Highlights aus allen Teilen der Erde. BerlinImPuls hat sich Geschmack geholt – in der Markthalle 9 in Kreuzberg. Ja, ihr werdet Hunger bekommen. Guten Appetit :-)

Ein Gastbeitrag von Eva Luise Hoppe, Paul Meyer und Marta Schmidt Yánez.

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Fulminantes DJ-Set am Geburtsor der Berliner Techno-Szene: Tresor!


BiP-Reporter Louis checkt für euch die Berliner Club-Szene. An diesem Wochenende war er für euch in der Ipse!

Wenn einer gerne feiert und sich irgendwann mal in das bumm-bumm-bumm des elektronischen Viervierteltaktes verliebt hat, dann kommt er nicht umhin, sich mit der Geschichte des Techno in Berlin auseinanderzusetzen. Tut man dies, dauert es nicht lange, bis man sich mit einer Institution namens „Tresor“ konfrontiert sieht.

1991 auf der Suche nach einer neuen Location, entdeckt sich dieser Tresorraum eines alten Kaufhauses als erster Technoclub Berlins und avanciert im Zeichen der revolutionären Brise nach der Wende zum Sinnbild der neuen Technoszene: Kalte, spartanische Einrichtung trifft auf harte, mechanische Musik und kreiert den neuen Sound der Hauptstadt.

Der Tresor fungierte als Startrampe für viele neue DJs und erlangte nicht zuletzt durch sein eigenes Label Tresor Records (Jeff Mills, Juan Atkins etc.) internationale Berühmtheit. Gründe genug, sich irgendwann mal einen Einblick zu verschaffen, sei es auch nur aus musikhistorischen Interessen…

Ein freier Samstag und ein glückliches +1 auf der Gästeliste überzeugten, um halb 4 waren wir nun drin. Versprach man mir von manchen Seiten leicht sarkastisch, ein Publikum aus EasyJet- Touristen und Brandenburg-Prolls, war doch hier ein vielfältiger Mix aller Subkulturen beim Feiern zu beobachten. Ein Pluspunkt.

Der Weg in den Keller führt durch einen rustikalen Korridor, der gutes erahnen lässt, begleitet von den Klängen kompromisslosem Technos. Betritt man das Gewölbe, erwarten einen erst einmal ein verwirrender Mix aus Dunkelheit und Strobos, sowie gefühlte 40 Grad Raumtemperatur. Die Drums knallen auf einen ein, die Menge tanzt, es ist auf jeden Fall Atmosphäre im Raum.

Nach ausgiebigem Tanzen beschließen wir, uns mal weiter kundig zu tun. Jede Treppe scheint überall hinzuführen, die drei Ebenen sind gut vernetzt mit einem Gefüge aus mehreren Korridoren und Gängen. Oben erwartet einen ein Areal, was wenig mit dem industriellen Flair des Kellers zu tun hat. Die Bar ist hübsch beleuchtet, es gibt einen großen Loungebereich und einen weiteren Floor. Der DJ spielt deepen, treibenden House, man tanzt auf Parkett. Die restlichen Stunden der Nacht verbringen wir hier oben und lassen uns von einem überragenden 4-Stunden DJ-Set verzaubern.

Gegen Ende wagen wir nochmal den Sprung in den Keller. Die Leute wurden merklich weniger, es ist jetzt halb 9. Der DJ beendet sein Set furios, das Licht geht an, die Party ist vorbei. Für einen Club, bei dem 3-Tages-Parties früher zum guten Ton gehörten, zwar ungewohnt früh, nichtsdestotrotz war es einige der guten Stunden des Nachtlebens hier.

Als Fazit kann ich sagen, dass es ohnehin mal jeden, der sich von Leidenschaftswegen her mit elektronischer Musik und ihren Ursprüngen befasst, in den Tresor ziehen muss. Meine Kulturaufarbeitung der anderen Art war es auf jeden Fall wert, und sollte mich eines Abends ein außergewöhnliches Lineup noch einmal in dieses Etablissement locken, werde ich mich wahrscheinlich nicht zieren. Daumen hoch!

Club: Tresor

Event: Beats & Boats: Tresor Meets Secretsundaze

Eintritt: 15,-

https://www.facebook.com/tresorberlin

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Sonntags neue Gefilde – die Ipse


BiP-Reporter Louis checkt für euch die Berliner Club-Szene. An diesem Wochenende war er für euch in der Ipse!

In Berlin wird der Sonntag ja zelebriert, wie in keiner anderen Stadt. Statt Katerfrühstück, Mittagsschlaf und Tatortabend dreht hier die Feierszene nochmals auf. Afterhour, Sonntagsschoppen, Montagskrankheit, dir werden zahlreiche Gründe an den Kopf geworfen, wenn man dich überzeugen will, Gottes Feiertag außerhalb deiner Komfortzone zu genießen.

Diesen Sonntag dürstete es uns nach angenehmen Ambiente, Outdoor Feeling und Mellow House. Ruhe statt raven hieß heute die Devise, die letzte Nacht war lang. Die Wahl zwischen dem Club der Visionäre und der Ipse gewann letztere schließlich durch den günstigeren Eintritt und die Möglichkeit, Neues zu entdecken.

Gegen 14 Uhr öffneten sich die Tore und da wir eh schon seit geraumer Zeit davor rumhingen, waren wir auch die ersten Gäste. Das bescherte uns nicht nur verbilligten Eintritt (3,-), sondern auch die Chance, direkt den besten Platz der Location ausfindig zu machen und zu belegen.

Sucht man einen Afterhour Platz zum Wohlfühlen, ist man hier sicherlich richtig, zumindest solange die Sonne scheint. Direkt am Seitenarm der Spree gelegen, hat man nicht nur die Gelegenheit, die Party im direkt gegenüberliegenden Club der Visionäre zu beobachten, sondern auch die von Samstag Nacht durchgetanzten Füße im Wasser zu kühlen. Generell überzeugt in der Ipse die liebevoll angebrachte Deko sowie der Fakt, dass quasi alles aus Holz ist. Das gibt dem Ganzen nicht nur einen gewissen Natur-Touch, sondern fühlt sich auch einfach gut an.

Einmal gründlich umgeschaut, springt mir auch direkt der Leder gewordene Traum eines jeden Sitzravers ins Auge: Ein schwarzes Sofa, irgendwie plattgedrückt, freischwingend, leer. Geil. Unnötig zu sagen, dass wir unsere neugewonnene Burg die nächsten 6 Stunden gegen die immer zahlreicher hereinströmenden Gäste verteidigen wollten und somit wenig Bewegung an den Tag legten. Muss man auch nicht, wenn man gepolsterte Perfektion bewohnt.

Gegen 20 Uhr war dann auch Schluss mit Genuss, die Tanze hatte sich moderat gefüllt, der Tatort ruft und auch der Schlaf möchte sich bald mal zu Wort melden. Alles in allem bin ich sehr überzeugt, die Ipse hat sich schnell zwischen dem Chalet und dem Club der Visionäre etabliert, die Leute sind nett und der Flair stimmt.

Wer treibende Beats und Vorwärtsbewegung sucht, muss sich eventuell wo anders umschauen, doch als Sonntagsoption mit Openair-Feeling hat mich die Ipse durchaus abgeholt. Top.

 

 

Club: [ipsə]

Event: Heat Facilities Open AIR

Eintritt: 3,-

https://www.facebook.com/ipse.offline

 

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Kulinarisches Friedrichshain: Lecker Crepes und echte Kochbananen!

 

Rund um den „Boxi“ kann man ganz schön viele internationale Spezialitäten genießen. Es muss auch nicht teuer sein. Hier sind schon mal zwei Beispiele: Traditionelle französische Crepes und echte kolumbianische Kochbananen. Hunger bekommen? Nix wie los nach Friedrichshain – in die Gärtnerstraße! Guten Appetit

 

 

 

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Wie ist Homophobie draussen in der Welt?

 

In liberalen Ländern können Schwule / Lesben / Transen & Inter größtenteils unbeschwert leben. Aber ist das überall so auf der Welt? Wie verhält man sich als Tourist? Ein kurzes Interview mit Rupert Haag von QueerAmnesty.

 

Du willst wissen, was Queer Amnesty macht, um das Menschenrecht nach sexueler Freiheit zu schützen? Dieser 70 Sekunden-Clip erklärt es kurz und bündig.

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New York vs. Berlin!

interviewAnna- Sophie Harling (20) lebt schon ihr ganzes Leben in New York City. Zu Berlin hat sie allerdings eine besondere Verbindung: Sie war schon oft in der Hauptstadt zu Besuch! Kommunikationsprobleme gibt es nicht. Annas Eltern sind beide Deutsche. Sie wuchs zweisprachig auf. Für viele ist es sicherlich ein Traum in New York zu leben, doch was sagt Anna selbst? Berlin oder New York City? BiP-Redakteurin Marie Greiner hat mit ihr darüber gesprochen…

Marie: Was findest du ist der krasseste Unterschied zwischen dem Leben in New York City und dem Leben in Berlin?

Anna-Sophie: In New York sind viel mehr Menschen auf den Straßen, dir fehlt teilweise richtig die Luft zum Atmen. Berlin empfinde ich im Vergleich hingegen eher als „leer“. Das finde ich nicht schlecht, hier ist alles viel ruhiger, langsamer und die Leute sind auch entspannter. In NYC ist alles viel schneller und hektischer.

Marie: Was ist ähnlich in beiden Städten?

Anna-Sophie: Beide Städte sind sehr „multikulti“, man hört eine Menge unterschiedliche Sprachen auf der Straße und sieht viele verschiedene Kulturen. So wie in Berlin gibt es auch in NYC die sogenannten „multikulturellen Spots“, wie zum Beispiel Chinatown. In beiden Metropolen gibt es vor allem viele junge Leute, das kommt vielleicht daher, das man in beiden Städten die „Chance auf ein besseres Leben“ hat.

Marie: Wie groß ist der Unterschied zwischen arm und reich in NYC?

Anna-Sophie: Ich denke, es ist ähnlich wie in Berlin. Es gibt die teuren Hochhäuser in Queens und auch wieder gefährlichere und ärmere Gegenden wie Bronx. Eigentlich wird der Unterschied zwischen Arm und Reich hauptsächlich durch die extrem vermögende Oberklasse deutlich.

Marie: Wie gut sind die Ausbildungsmöglichkeiten in Amerika?

Anna-Sophie: Auf jeden Fall gut, aber auch sehr sehr teuer. Ich selber studiere seit zwei Jahren an der „Yales University“ und weiß, wovon ich spreche. Viele junge Leute nehmen Kredite auf , um ihre Ausbildung zu finanzieren. Im Prinzip ist es so: Um so mehr Geld – um so besser die Ausbildung.

Marie: Wie stehen die Chancen, in NYC einen guten Arbeitsplatz zu finden?

Anna-Sophie: Es ist sehr schwer, in NYC einen guten Arbeitsplatz zu finden. Außerdem sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch, viele junge Leute könnten es sich so oder so nicht leisten, in NYC zu leben.

Marie: Wie würdest du die Mentalität der Menschen in Berlin bzw. der Menschen in NYC beschreiben?

Anna-Sophie: Ich schätze die Menschen in Berlin lässiger und entspannter von ihrer Lebensweise aus ein. In NYC sieht man überwiegend Karriere- und Businessleute. Die Menschen arbeiten sehr hart, nehmen selten Urlaub und arbeiten auch oft an Wochenenden, schon allein um den Lebensstandard zu halten. Allgemein geht alles ziemlich stressig zu.

 

Marie: Was findest du in NYC schlechter/besser als in Berlin?

Anna-Sophie: Ich finde, dass in NYC die Leute zu sehr aufs Geld fokussiert sind. An Berlin mag ich die vergleichsweise vielen grünen Parks, die auch mehr „wild“ sind als in NYC. Zudem gefällt mir, dass man ihm näheren Umland so viele Wälder und Seen hat, wo man auch mal vom städtischen Leben abschalten kann.

Marie: Was gibt es für Freizeitangebote für die Jugendlichen in NYC?

Anna-Sophie: Ich denke, alles was es hier in Berlin auch gibt, also Kinos, Clubs, ect. Allerdings wird das allgemein in den USA mit dem Alkohol- und Tabakkonsum bei Minderjährigen viel strenger kontrolliert und bestraft. Die typischen „Houseparties“ gibt es aber natürlich auch in NYC.

Marie: In New York City leben ja sehr viele Stars. Bist du schon mal welchen begegnet und wie verhalten sich die Menschen, wenn sie welche sehen?

Anna-Sophie: Natürlich sieht man oft Stars in NYC, ich kann jetzt allerdings keine Namen nennen, da ich in der Richtung nicht so bewandert bin. Es ist aber so, dass sich die Prominenten in NYC nicht verstecken müssen. Sie führen ein ganz „normales Leben“. Dadurch, dass es so ziemlich Normalität ist, das man mit den Stars Haus an Haus wohnt, kenne ich von den „Einheimischen“ keinen, der ausrastet, ein Foto oder Autogramm will. Es ist einfach ganz normal.

Marie: Was muss man als Reisender in NYC unbedingt gesehen haben?

Anna-Sophie: Auf jeden Fall den Time Square, die 5th Avenue und den Central Park, also die typischen Touristenplätze, wo die Einheimischen auf Grund der vielen Touristen fast so gut wie nie sind. Außerdem ist es sehr beeindruckend mit dem Boot um die Insel von Manhattan zu fahren, von wo aus man die Freiheitsstatue sehen kann. Wer das nötige Kleingeld hat, der sollte sich die Broadwayshow auf keinen Fall entgehen lassen! Es empfiehlt sich aber nicht nur die touristischen Sachen zu machen, sondern auch mal selber ein bisschen auf Entdeckungstour zu gehen. Die High Line, eine nicht mehr genutzte Hochbahnstraße im Westen von Manhattan, die jetzt in eine Parkanlage integriert wurde, ist auch einen Besuch wert und liegt nicht so im Touristengebiet.

Marie: Was ist dein persönlicher Lieblingsort in NYC?

Anna-Sophie: Mein Lieblingsort ist der Park am East River in Long Island City. Von hier hat man einen wundervollen Blick auf Manhattan, außerdem sind hier nicht so viele Touristen.

Marie: Möchtest du dein ganzes Leben in NYC leben? Wenn nicht, was wäre die Alternative?

Anna-Sophie: Die einzige Stadt, in der ich es mir noch vorstellen könnte zu leben, wäre Berlin. Aber: Ich liebe New York City und möchte nach Möglichkeit mein ganzes Leben hier leben.

Das Interview führte Marie Greiner.

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