2,5 Vögel je Berliner – die Großstadt ist voller Tiere und Pflanzen

 

Ein Fuchs der die Straße kreuzt, eine Maus die die Bahngleise entlang huscht oder eine Ratte die kurzum in der Mülltonne verschwindet. Das es Tiere und Pflanzen auch in der Großstadt gibt, das ist wohl schon vielen aufgefallen. Manche werden mit Interesse beobachtet, andere mit gerümpfter Nase ignoriert oder beschimpft.

Foto: Lilly Jogwer

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Dass der Begriff „Stadtnatur“ ein gängiger ist und diese schon weitreichend erforscht wurde, das wissen die Wenigsten. In Städten wird die Fläche sehr unterschiedlich genutzt. Es gibt Grünflächen, Gebäudeflächen, Brachflächen, Verkehrsflächen, Waldflächen und Wasserflächen. Und gerade dieser Reichtum an Strukturen, das heißt die unterschiedlichen Lebensmöglichkeiten, das vielfältige, reiche Nahrungsangebot und die geringe Verfolgung oder Konkurrenz bieten den Tieren ungemeine Vorteile. Man hat herausgefunden, dass die meisten Tier- und Pflanzenarten, der besseren Lebensbedingungen wegen, sich von selbst in den Städten etabliert haben. Jede Fläche einer Großstadt bildet einen anderen Lebensraum und beherbergt unzählige Tierarten.
Auf den Straßen leben beispielsweise Spatzen, Tauben, Marder und Ratten, die sich an den überquellenden Mülleimern bedienen und sich auf Baustellen Nester bauen. Brachflächen, das heißt Flächen die mal bebaut wurden, aber heute nicht mehr genutzt werden, beherbergen zum Beispiel Steinschmätzer, Lerchen, Wildbienen und Wespen, da diese Tiere warme Temperaturen und trockenen Boden bevorzugen. Sogar einige Gottesanbeterinnen, die von ihren Besitzern ausgesetzt wurden und sich fortgepflanzt haben, finden hier ein zu

Hause. Man muss nur einmal das Südgelände durchqueren oder zum Gleisdreieck fahren und sich umsehen. Grünflächen bieten natürlich sehr vielen Tieren einen Lebensraum. Es gibt viele Schrebergärten in denen verschiedene Vögel, der Obstbäume wegen, auf Nahrungssuche gehen. Auch Schnecken, Eichhörnchen, Füchse und Mäuse streifen des Öfteren durch die Beete. Der Tiergarten, einer der größten Parks in Berlin, wurde vor einiger Zeit von Biologen durchsucht: In 24 Stunden wurden 1410 verschiedene Arten entdeckt! Und in Stadtwäldern leben sogar einige sehr spezielle Tiere. Eichelhäher, Wildschweine, Damhirsche, Kreuzottern und Frösche finden hier zum Beispiel ihren Lebensraum. Vögel sind die wohl am meisten erforschten Tiere. Berlin zählt als die vogelreichste Stadt Deutschlands mit mehr als 5 Millionen Vögeln. Man kann sagen, dass zwei bis drei Vögel auf jeden der 3,4 Millionen Einwohner passen. Beispielsweise Nachtigallen, Habichte, Falken, Amseln und natürlich Tauben und Spatzen. Besonders interessant ist es, dass sogar ein oder zwei Seeadler gesichtet wurden.

Foto: Lilly Jogwer

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Die Gebäude in den Städten bieten gute Brutplätze und Schutz. Auch die Keller beherbergen die ein oder andere Fledermaus und Insekten. Ein bekanntes Vorurteil besagt, dass Ratten in der Kanalisation leben! Doch überraschenderweise ist dem nicht so. Ratten finden in diesen Räumlichkeiten zwar Nahrung, sie leben aber überirdisch. Auf den Gewässern schwimmen Haus- und Stockenten, Schwäne und Mandarinenten. Gerade diese Vögel erfreuen sich an dem Futter, dass die Menschen reichlich mit sich führen, wenn der wöchentliche Park- Spaziergang ansteht. Man sollte jedoch bedenken, dass Brotkrumen keine sonderlich gesunde Nahrung für Wildvögel darstellen. So viel zu den verschiedenen Lebensräumen.
Amüsant ist es auch, wie sich einige Tierarten an den speziellen Lebensraum „Stadt“ anpassen. Krähen beispielsweise nutzen verschiedene Werkzeuge um an Futter zu gelangen. Es wurden Krähen beobachtet, die sich aus Draht Angeln gebogen haben, um in Straßenritzen zu graben. Diese intelligenten Tiere lassen unter anderem Nüsse auf Flachdächer fallen, damit diese zerbrechen. Von noch höherer Intelligenz zeugen Augenberichte, welche Krähen gesehen haben, die eine Nuss vor ein wartendes Auto an einer Ampel legten, um die überfahrenen Nüsse dann zu verspeisen. Vor allem Ratten sind zu erwähnen, da diese auch körperlich der Stadt angepasst wurden. Forscher fanden heraus, dass die Muskulatur der Ratten sich in den Jahren dahingehend verändert hat, dass diese sozusagen „elastisch“ geworden ist. Ratten können sich durch die engsten Nischen zwängen. Zudem können Ratten erstaunlicherweise kleine Mengen von Beton verdauen, das heißt auch ihr Magen wurde angepasst.

Foto: Lilly Jogwer

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Nicht nur die Forschung interessiert sich für die Tiere und Pflanzen in Städten, sondern auch der Natur- und Artenschutz setzt sich seit langem gezielt für diese ein. Es gibt viele Naturschutzvereine und –Organisationen. Es gibt zum Beispiel Wildtierschutzstationen und Tierkliniken. Speziell in Berlin besitzt die Freie Universität Düppel eine Station für Berliner Wildtiere. Auch private Eichhörnchen- und Igelstationen haben sich etabliert. Die Organisation „aktion tier“ etwa kümmert sich um Notfälle, Aufklärung und Prävention. Denn Autoverkehr, Stacheldrähte, Hochspannungsleitungen, Fensterscheiben oder illegale Müllbeseitigung bilden ein gefährliches Risiko für Wildtiere. Schwäne können zum Beispiel von Angelhaken verletzt werden. Solche Unfälle passieren oft, weswegen eine Hilfsorganisation, die schnell zur Stelle sein kann, sehr wichtig ist. Immer öfter müssen auch Enten von Balkonen zu Seen transportiert werden. Diese können nämlich einen Blumenkasten nicht von einem Baum unterscheiden und fangen an, sich auf Balkonen niederzulassen und dort zu brüten. Auch wenn die Bewohner dem meist offen gegenüber stehen, muss die Ente früher oder später mit ihrer Brut zu einem nahe gelegenen See gebracht werden. Aber nicht nur Notfälle oder Einsätze werden von „aktion tier“ abgedeckt, sondern auch die Aufklärung der Stadtbewohner ist dieser Organisation ungemein wichtig. Denn artgerechte Fütterung, die nötige Dauer der Zu Fütterung im Winter oder der generelle Umgang mit Wildtieren muss gelernt sein. Es kann nämlich passieren, dass Vögel ihrer Brut Körner verfüttern, wenn auch noch im Frühling überall Kornsäckchen zu finden sind. Leider kann die Brut die Körner nicht verdauen, weswegen diese bei einem solchen Fall sterben können. Man kann sich auf der Webseite von „aktion tier“ dahingehend informieren.
Es gibt in Großstädten also unzählige Vor- aber auch Nachteile für viele Tier- und Pflanzenarten. Fakt ist, dass es in Städten nur so von Tieren und Pflanzen wimmelt, die entdeckt und erforscht werden können. Ein artgerechter Umgang sollte jedoch unbedingt eingehalten werden, damit Mensch und Tier nebeneinander und miteinander leben können. Es lohnt sich auf jeden Fall sich mit diesem spannenden Thema zu beschäftigen und in der Stadtnatur auf Entdeckungstour zu gehen.

Eure Lilly

Webseite aktion tier: http://www.aktiontier.org/

 

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