Freiheit?

Ich, also Annelie, bin vor ca. einem Jahr ausgezogen. Seitdem mache ich so ziemlich jeden Tag neue Erfahrungen, gut getarnt als Fehler. Damit meine ich nicht, dass ich jetzt weiß, wie man die Waschmaschine bedient, nein ich meine wie es ist, plötzlich in dieses riesige Becken voller Regeln, erwachsener Sturköpfe und Eigenverantwortung geworfen zu werden. Ich möchte meine Erfahrungen mit Euch teilen, möglichst Zeitnahe, das heißt, wenn möglich jede Woche. Nun, auf das ihr nicht meine fatalen Fehler begeht und/ oder aus ihnen lernt, wenn ihr nicht auf weise Ratschläge einer 19 -Jährigen steht, wünsch ich euch trotzdem nur das Beste für die große sagenumwobene erste Wohnung!

Ich stand einen Tag vor dem Umzug in meinem Kinderzimmer und um mich herum regierte das Chaos in seiner reinsten Form. Dazu kam das ich ziemlich übernächtigt war und das Gefühl hatte ich könnte einfach zwischen den halbvollen Kisten, den Mülltüten und den Kleiderstapeln einschlafen. Weil man immer bei einer Ecke anfangen soll, um sich vor zu arbeiten, schwankte ich auf die Kleiderstapel zu und warf alles völlig unsortiert und zerknüllt in die Kartons. Schnell und einfach, ich war ein bisschen stolz auf mich, bis meine Mutter in der Tür lehnte, in der Hand blaue Säcke: „Da, zum transportieren der Klamotten, sonst reichen die Kartons nicht!“ Als das dann endlich erledigt war machte ich mich an die Bücher und oh Wunder, auch die ließen sich nicht ohne weiteres einpacken, sondern wollten nach Größe geordnet werden. Nachdem ich dann endlich nach Stunden fertig war, tapfer den Kopf hochgehalten hatte und mich dafür entschieden hatte, die alten Schulbücher zurück zu lassen, umgab mich nun ein Wirrwarr aus Erinnerung, Kleinteilen und Geschenken die ich nie haben wollte. Sprich Müll!

Seitdem ich von mein` Eltern entfernt auf Reisen bin,
fühl ich mich im Kern wie`n Weisenkind auf der Suche nach dem heißen Sinn,
der kleinen Ewigkeit nur is`das eklig weit,
also beweg ich mich halt auf dem Lebensasphalt in Richtung FREIHEIT

– clueso –

Inzwischen war es dann auch schon 18.00 Uhr und das Gefühl des Nicht-voran-kommens machte sich zäh und dickflüssig breit.

Und ja nun muss ich zugeben, war ich an einem Punkt so großer Verzweiflung angelangt, dass ich mich gerne aufs Bett geschmissen und viele große Krokodilstränen vegossen hätte. Stadtdessen eilte meine beste Freundin mir nach einem Notruf  zur Hilfe. Jetzt würde ich gerne sagen, gemeinsam schafften wir es rechtzeitig und der Rest des Umzuges wurde sehr entspannt, aber das würde dann nicht der Wahrheit entsprechen. Wir waren bis in den späten Abend noch mit dem Zimmer beschäftigt und dann machten wir uns noch im Haus auf die Suche nach Sachen von mir. Als dann am nächsten Tag der Umzug statt fand, war ich wieder sehr übernächtigt und der Tag wurde sehr anstrengend für uns Alle. Die Kisten und Möbel bis in den vierten Stock zu tragen war kein Pappenstiel und das Chaos was ich dann in der Wohnung hatte kam mir noch schlimmer vor als das Letzte.

Das hört sich alles sehr weinerlich an? Heute weiß ich das alles nur halb so schlimm war und ich nur etwas organisierter an die Sache hätte heran gehen sollen. Was mich aber wirklich umtreibt ist:

Man will ab einem bestimmten Alter so unbedingt ausziehen, sein Leben alleine Leben und vor allem nur noch seinen eigenen Regeln folgen. Fakt ist aber, sich seine eigenen Regel schustern ist gleich Verantwortung für diese zu übernehmen und ist der Tag der Auszuges erst einmal da geht damit meist eine sehr behütete Zeit zu Ende. Ab genau diesem Moment stehst du für den Rest deines Lebens auf eigenen Beinen.

Letztes Wochenende ist eben jene Freundin ausgezogen die mir so heldenhaft zur Seite stand und ja wir haben aus meinen Fehlern gelernt

 

Hier ein paar Tipps:

- die Kisten zur einen Hälfte mit Büchern zur anderen mit Klamotten füllen, dann sind sie nicht so schwer

- viele Freunde ran holen die beim tragen helfen, am besten mehr als nötig, lockt sie mit Chilli und Bier

- fangt einfach schon eine Woche voher an, die ersten Kisten zu packen, man findet immer alte Tagebücher, Briefe und Fotos die man auf der Stelle und unbeding gleich angucken muss